Stakeholder-Analyse, Teil 2: Wir bewerten Stakeholder

Dieser Artikel ist Teil 7 von 11 der Serie Stakeholder

Stakeholder-PortfolioWeiter geht es mit der Serie zum Thema Stakeholder-Management! Im letzten Teil haben wir herausgefunden, wie Stakeholder gesammelt werden.

Was macht man nun mit seinen gesammelten Stakeholdern?

Nun hast du also deine Liste, dein Sonnenmodell – was auch immer. In jedem Fall buntes Sammelsurium an Stakeholdern. Die Ziele des nächsten Schrittes sind die folgenden:

  • Herausfinden, welche Stakeholder wirklich wichtig sind
  • Herausfinden, wo es mit welchen Stakeholdern Probleme geben könnte
  • Eine Priorisierung der Stakeholder vornehmen

Nicht alle Stakeholder sind gleich wichtig, und es ist auch nicht zwingend notwendig, auf jeden einzelnen Nachbarn in der gesamten Straße einzugehen (wenn wir mal das Hausbau-Beispiel anschauen).

Um ein besseres Gefühl für die Stakeholder zu bekommen, bewerten wir sie nun nach drei Kriterien:

  • Einfluss
  • Konfliktpotenzial
  • Einstellung

Einfluss des Stakeholders

Hier dreht sich alles um Macht! Hat einer der Stakeholder die Befugnisse und die Macht, wesentlich den Projektablauf zu bestimmen, dann ist sein Einfluss entsprechend hoch.

Hier stellen wir uns folgende Fragen: Welche Macht hat ein Stakeholder

  • das Projekt voranzutreiben?
  • das Projekt zum Scheitern zu bringen
  • die Meinung Anderer zum Projekt zu beeinflussen?

Konfliktpotenzial des Stakeholders

Ein weiterer Faktor ist das Konfliktpotenzial. Handelt es sich um einen ruhigen Zeitgenossen, der dem Projekt gegenüber nicht sehr wohlgesonnen ist, aber nicht auf Streit aus ist? Oder haben wir es eher mit einer lautstark protestierenden Bürgerinitiative zu tun?

Folgende Fragen helfen bei der Einordnung:

  • Ist der Stakeholder gewillt, seinen Unwillen deutlich zum Ausdruck zu bringen?
  • Weichen die Ziele des Stakeholders sehr stark von den Projektzielen ab?
  • Ist der Stakeholder im Falle eines erfolgreichen Projektes sehr stark betroffen und ist seine Einstellung gleichzeitig negativ?

Einstellung des Stakeholders

Bei der Bewertung der Einstellung geht es nicht um eine Priorisierung. Hier wird bestimmt, wer uns wohlgesonnen ist, und wer auf Krawall gebürstet ist.

Wir fragen uns also, wie der Stakeholder dem Projekt gegenübersteht:

  • positiv – wir können mit Unterstützung rechnen
  • negativ – wir können mit Konflikten rechnen
  • neutral – weder Unterstützung noch Konflikte

Bildhafte Darstellung

Je nach Anzahl der Stakeholder haben wir nun jede Menge Informationen gesammelt. Um schnell und übersichtlich eine Priorisierung vornehmen zu können, bietet sich eine Portfoliodarstellung an:

Je nach Vorliebe können hier Einfluss, Konfliktpotenzial und/oder Einstellung als Achsenbezeichnungen genutzt werden.

 

stakeholderportfolio

Auswertung

Schauen wir uns das Portfolio oben noch einmal an. Ich hoffe sehr, dass in deiner Darstellung nicht alle Stakeholder im oberen rechten Teil eingeordnet sind.

Konfliktpotenzial hoch + Einfluss hoch

Das sind die kritischen Fälle. Auf diese Stakeholder solltest du ein besonderes Augenmerk haben. Oft werden diese von Beginn an stark eingebunden, ihre Ziele analysiert und Maßnahmen abgeleitet.

Ziel:

  • Konfliktpotenzial verringern
  • Einstellung zum Projekt verbessern

Konfliktpotenzial niedrig + Einfluss hoch

Ein niedriges Konfliktpotenzial deutet auf eine positive Einstellung hin. Vermutlich sind Stakeholder in dieser Gruppe Unterstützer des Projektes.

Ziel:

  • positive Einstellung erhalten
  • Konfliktpotenzial niedrig halten

Konfliktpotenzial hoch + Einfluss niedrig

Stakeholder dieser Gruppe sind dem Projekt negativ gegenüber eingestellt. Sie haben jedoch kaum die Macht, auf das Projekt einzuwirken. Je nach Projekt können diese Stakeholder zunächst einmal auf die Beobachtungsliste geschoben oder direkt bearbeitet werden.

Ziel:

  • Einstellung zum Projekt verbessern
  • Konfliktpotenzial verringern

Konfliktpotenzial niedrig + Einfluss niedrig

Die vorerst unkomplizierten Fälle. Zunächst sind keine Maßnahmen nötig, es findet lediglich eine Beobachtung der Stakeholder statt.

Ziel:

  • Konfliktpotenzial niedrig halten

Vergib Prioritäten

Die nächste Aufgabe sieht vor, die wirklich wichtigen Stakeholder herauszufiltern. Basierend auf der Auswertung ziehst du nun eine Grenze und legst fest

  • für welche Stakeholder Maßnahmen festgelegt und umgesetzt werden
  • und welche zunächst auf die Beobachtungsliste kommen.

Ist das geschafft, sehen wir uns im nächsten Teil. Dort beschäftigen wir uns mit der genaueren Analyse und Maßnahmenableitung.

Du willst selbst üben? Dann lade dir doch die kostenlose Word-Vorlage für eine Stakeholderanalyse herunter:

Andrea Windolph ist als freiberufliche Autorin und Trainerin tätig, konzipiert Online-Trainings und unterstützt Unternehmen bei der Planung und Umsetzung von Projekten. Seit 2014 betreibt sie das Portal „Projekte leicht gemacht“, auf dem sie PM-Wissen vermittelt, das sowohl fundiert als auch leicht verständlich ist.
Andrea Windolph ist studierte Betriebswirtin und verfügt über langjährige Erfahrung in der IT-Branche und der Software-Entwicklung.
Weitere Artikel der Serie:<< Stakeholder-Analyse, Teil 1: Wir sammeln StakeholderStakeholder-Analyse, Teil 3: Wir analysieren Stakeholder >>
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