Dr. Bernhard BiberRegelmäßig beantwortet Dr. Bernhard Biber aktuelle Fragen und macht keinen Hehl daraus, dass die Arbeit eines Projektmanagers nicht immer nur ein Zuckerschlecken ist.

Unser aktuelles Thema:

Der verzweifelte Qualitätsmanager

Ich bin im Qualitätsmanagement tätig. Meine Aufgabe: Die Qualität unserer Produkte maximieren! Dafür hänge ich mich wirklich ins Zeug und definiere Zielvorgaben. Aber es ist ein Kampf gegen Windmühlen! Alle scheinen mit schlechteren Ergebnissen zufrieden zu sein. Dabei werde ich doch auch am Erfolg gemessen und will meinen Job gut machen. Doch mir sind die Hände gebunden!

Dr. Biber antwortet:

Moment: Sie sind Qualitätsmanager und geben die Qualitätsziele vor? Das ist – zumindest aus meiner Erfahrung – eher ungewöhnlich. Die Rolle des Qualitätsmanagements ist es doch nicht, konkrete Ziele vorzugeben, sondern die Einhaltung der Ziele zu überwachen. Und besonders auch die Prozesse zu kontrollieren, um die Ziele erreichen zu können.

Welche Qualitätsziele konkret erreicht werden sollen, werden doch eher von der Geschäftsführung bzw. höheren Management-Ebenen festgelegt. Klar spielt das Qualitätsmanagement als Abteilung da auch eine Rolle. Vorgaben allein von dort sind aber oft unüblich.

Ein gutes Vorgehen sieht doch so aus:
Es werden Einstufungen für verschiedene Qualitätsstufen vorgenommen. Und daraufhin Ziele definiert, welche der Qualitätsstufen angestrebt wird. Regelmäßig schaut man dann auf den Ist-Stand und fragt sich: Was können und wollen wir eigentlich erreichen? Was macht Sinn?

Dabei kann durchaus herauskommen, dass zur Erreichung der Unternehmensziele eine mittlere Qualitätsstufe vollkommen ausreichend ist.

Daran, an der Erreichung dieser Ziele, kann Ihr Erfolg gemessen werden. Nicht am Maximum – sondern am Optimum zu diesem Zeitpunkt.

Ist denn dem Management nicht klar, dass wir viel schlechter dastehen, wenn wir die Qualität nicht hochhalten?

Das ist doch ganz klar eine Frage der Prioritäten!

Dem Management muss auch klar sein, dass Qualität kostet. Ein Mehr an Qualität kann manchmal aber nicht den Zusatzaufwand aufwiegen. Da gibt es jede Menge Aufwand, der im Projekt entsteht und der auch Geld kostet. Dort ist das Thema Qualität sicher ein wichtiges, aber nur eines von vielen. Und dann wird eben abgewogen.

Mal anders gefragt:
Wenn mit einem Produkt Geld verdient wird und Kunden zufrieden gestellt werden, das qualitativ nicht in der höchsten Liga spielt – ist das schlimm?

Für mich schon. Die hohe Qualität sehe ich als meine Aufgabe. Was soll ich nun also tun? Das Ziel der hohen Qualität einfach vernachlässigen? Dann wäre ich aber überflüssig!

Ganz im Gegenteil! Ihr Job ist sogar ein sehr wichtiger! Nicht jeder Projektmanager hat immer die Muße, sich dem Qualitätsthema ausgiebig zu widmen. Um ehrlich zu sein, ist das Thema (und manchmal auch die Person des Qualitätsmanagers) vermutlich nicht sehr beliebt. Umso wichtiger ist es, dass jemand genau diese wichtigen Prozesse im Auge behält und moderiert. Die Ist-Stände mit den Soll-Ständen abgleicht und Vorschläge unterbreitet, wie die Qualitätsziele erreicht werden können.

Ihren Kampf gegen Windmühlen kämpfen Sie übrigens überhaupt nicht mehr, wenn in Ihrem Unternehmen genau so vorgegangen wird: Dass nämlich die Qualitätsziele von oben vorgegeben werden, und Sie für die Umsetzung zuständig sind. Dann sind Sie nämlich nicht der „lästiger QM-Heini“, sondern jemand, der dabei unterstützt, die großen Ziele umzusetzen. Daran können Sie sich messen lassen. Und Ihren Job gut machen.