Das magische Dreieck im Projektmanagement

Der Klassiker. Aber was hat denn Projektmanagement mit Magie zu tun? Excel-Tabellen und Terminpläne wirken ja wohl kaum magisch.

Und doch: Der Bau einer neuen Fabrikhalle innerhalb weniger Tage? Die Entwicklung eines Hochleistungsbauteils zu geringsten Herstellkosten? Klingt doch schon ein wenig magisch!

Hier haben wir unsere drei magischen Faktoren:

  • Kosten
  • Zeit
  • Leistung

… und bloß die Kundenzufriedenheit nicht vergessen! (Diese wurde der Einfachheit halber als „allumfassender“ Faktor definiert, weil „Magisches Dreieck“ doch irgendwie besser als „Magisches Viereck“ klingt – richtig?)

Kosten – Zeit – Leistung. Wer diese drei Dimensionen verinnerlicht, ist schon beinahe am Ziel. Tatsächlich wirken sich fast alle Entscheidungen im Projekt auf eine dieser Dimensionen aus.

KostenWelches Budget steht zur Verfügung? Was kostet mich die Umsetzung des Projektes?
ZeitWie viel Zeit steht mir für die Umsetzung meines Projektes zur Verfügung?
LeistungWas soll eigentlich während des Projektes entstehen? Und in welcher Qualität?

Der Projektmanager hat nun die ehrenvolle und anspruchsvolle Aufgabe, diese Zielgrößen so auszubalancieren, dass das Projekt zum Erfolg geführt wird. Und das ist ganz natürlicherweise gar nicht so einfach.

Schauen wir uns ein paar Beispiele an:

Zeit vs. Kosten

Ein fester Endtermin für die Fertigstellung eines Hauses ist anvisiert, dieser wackelt allerdings. Ein Budget gibt es natürlich auch. Lösungsmöglichkeiten: Mehr Leute hinzu ziehen, die Bauarbeiter länger arbeiten lassen, usw. Funktioniert wunderbar – würde das nicht aufs Budget schlagen. Hier haben wir einen traditionellen Konflikt zwischen Kosten und Zeit.

Kosten vs. Leistung

Ähnliches Problem: Das Budget ist beinahe ausgereizt. Trotzdem muss das Haus fertiggestellt werden. Ohne Dach kann man es verständlicherweise nicht einweihen. Die minderwertigeren und günstigeren Dachziegel würden gerade noch ins Budget passen, entsprechen aber nicht den Ansprüchen des Auftraggebers. Ein klassischer Konflikt zwischen Kosten und Leistung.

Zeit vs. Leistung

Die kunstvoll geschnitzten Fensterläden sind im Hausbau-Projekt natürlich ebenfalls vorgesehen. Leider benötigen die dafür herangezogenen Fachmänner deutlich länger als geplant. Soll der Endtermin gehalten werden, so dürften die Schnitzer bei weitem nicht so filigrane Schnitzereien durchführen, wie sie eigentlich könnten. Hier haben wir einen Konflikt zwischen Zeit und Leistung.

 

Und was hat nun die oben erwähnte Kundenzufriedenheit damit zu tun?

Im Grunde geht es um die Zufriedenheit aller Stakeholder. Diese haben häufig unterschiedliche Ansprüche und Sichtweisen an die drei Zielgrößen. Während Herr Häuslebauer zwingend das Budget im Auge hat, legt Frau Häuslebauer vielleicht mehr Wert auf die kunstvoll verzierten Fensterläden.

 

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Als Projektmanager genügt es demnach nicht, nur die drei Eck-Größen des magischen Dreiecks nach seinem Ermessen im Auge zu behalten, sondern besonders auch auf die Bedürfnisse der Projektbeteiligten einzugehen.

Was ist nun die Aufgabe des Projektleiters: Klar, das Projekt zum Erfolg führen. Und zwar möglichst so, dass die Dimensionen des Dreiecks bestmöglich erfüllt und die Projektergebnisse durch die interessierten Parteien akzeptiert werden.

Nicht so einfach, oder? Wie sagte mein Chef immer: Wenn es einfach wäre, könnte es auch der Hausmeister machen.

Zur schnellen Visualisierung gibt es hier noch eine kostenlose Powerpoint-Vorlage zum Download:

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Zusammenfassung

Das traditionelle magische Dreieck enthält die Faktoren Kosten, Zeit und Leistung, die innerhalb eines Projekte ausbalanciert werden müssen. Später kam die Kundenzufriedenheit hinzu, die als weiterer Faktor beachtet werden muss. Aufgabe für den Projektleiter: Das Projekte unter Beachtung der Faktoren zum Erfolg führen.

Andrea Windolph ist als freiberufliche Autorin und Trainerin tätig, konzipiert Online-Trainings und unterstützt Unternehmen bei der Planung und Umsetzung von Projekten. Seit 2014 betreibt sie das Portal „Projekte leicht gemacht“, auf dem sie PM-Wissen vermittelt, das sowohl fundiert als auch leicht verständlich ist.
Andrea Windolph ist studierte Betriebswirtin und verfügt über langjährige Erfahrung in der IT-Branche und der Software-Entwicklung.
6 Kommentare
  1. Frieda Fischauge
    Frieda Fischauge says:

    Hausmeister oder Facility Manager so darzustellen, als wäre deren Aufgabe ein Leichtes, könnte man weglassen. Ansonsten easy zu lesen.

    Antworten
    • Andrea
      Andrea says:

      Du hast vollkommen Recht 🙂 Dieser Spruch meines damaligen Vorgesetzten hat sich einfach bei mir eingebrannt. Und ich bin sicher, dass er niemanden damit abwerten wollte 🙂

      Antworten
  2. PBU
    PBU says:

    Hallo Andrea,

    schöner und verständlicher Artikel 🙂 Ich bevorzuge allerdings die Aufteilung in Leistung und Qualität, wie es schon Harry M. Sneed im Teufelsquadrat gemacht hat (http://cio-blog.de/?p=103).

    Und ich hab‘ ein Problem damit, dass der Projektleiter diese Größen ausbalanciert, um zum Projekterfolg zu kommen. Wenn man sieht, dass das Projekt nicht in Time, Budget, Quality und Functionality zu schaffen ist, dann muss man als Projektleiter doch mit dem Auftraggeber die Alternativen durchsprechen. Und letzterer muss entscheiden, ob er einen späteren Termin, höhere Kosten, oder was auch immer am ehesten verschmerzen kann. Sonst kann es zu einem unschönen Bumerang für den Projektleiter werden 🙁

    Du hast das in Deinem Artikel angedeutet, ich finde jedoch, dass hier etwas mehr Klarheit gut tut 😉

    Herzlichen Gruß
    Peter

    Antworten
    • Andrea
      Andrea says:

      Hallo Peter,

      vielen Dank für deinen Kommentar!

      Die differenziertere Betrachtung des Teufelsquadrates gefällt mir ebenfalls gut! Ich werde dem Thema demnächst mal einen separaten Artikel widmen – vielen Dank für die Anregung 🙂

      Ich sehe es schon so, dass der Projektleiter die Aufgabe hat, das Projekt so zum Erfolg zu führen, dass die Zielgrößen des magischen Dreiecks erreicht werden. Sollte es allerdings zu einem Problem kommen, dann hast du vollkommen Recht: Die Entscheidung zur Priorisierung hat nicht mehr der Projektleiter zu treffen, sondern der Auftraggeber. Und du hast ebenfalls Recht, dass es durchaus gefährlich ist, als Projektleiter alles allein ausbalancieren zu wollen.

      Viele Grüße,
      Andrea

      Antworten
      • PBU
        PBU says:

        Das stimmt. Der Projektleiter ist für die Zielerreichung verantwortlich, also Leistung, Qualität, Termin und Kosten. Und solange die Ziele nicht gefährdet sind, ist Abstimmung mit dem Auftraggeber nicht erforderlich.

        Antworten

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