Für Eilige: Alles Wichtige auf einen Blick
Artikel-Highlights
Du bist offiziell verantwortlich für dein Projekt, aber irgendwie fühlt sich dein Alltag oft so an?
- Aufgaben landen bei dir, weil sich sonst niemand zuständig fühlt.
- Entscheidungen werden von dir erwartet aber im Nachhinein infrage gestellt.
- Du hast das Gefühl, jeder versteht unter deiner Rolle etwas anderes.
In vielen Projekten sind Rollen nie bewusst geklärt, sondern entstehen „irgendwie“. Das führt dazu, dass Verantwortung, Entscheidungsspielraum und Erwartungen nicht sauber zusammenpassen.
Dieser Artikel hilft dir, deine Rolle strukturiert und pragmatisch zu klären – Schritt für Schritt.
Wann diese Anleitung passt und wann nicht
In vielen Projekten sind Rollen nicht sauber geklärt, auch wenn sie auf dem Papier existieren. Da gibt es die Projektleitung, einen Sponsor und womöglich einen Product Owner – und trotzdem ist im Alltag unklar, wer eigentlich was entscheiden darf, wofür jemand verantwortlich ist und wo Grenzen liegen. Genau für solche Situationen ist diese Anleitung gedacht.
Die folgende Tabelle zeigt, wann diese Anleitung gut geeignet ist – und wann weniger gut bzw. nur eingeschränkt:
| Die Anleitung passt gut, wenn … | Die Anleitung passt nicht oder nur eingeschränkt, wenn … |
|---|---|
| Rollen im Projekt nie bewusst geklärt wurden oder nur implizit existieren („Das war doch klar …“) | Aufgaben, Verantwortungen und Entscheidungsrechte klar und verbindlich dokumentiert sind |
| Du Verantwortung trägst, aber dein Entscheidungsspielraum unklar ist | Entscheidungsspielräume eindeutig zugeordnet und auch gelebt werden |
| Das Projekt übereilt gestartet wurde („Wir klären das später“) | Projekte erst nach vollständiger Setup-Phase starten |
| Reibung an Schnittstellen entsteht | Schnittstellen klar geregelt sind und stabil funktionieren |
| Du deine Rolle erst einmal für dich klären möchtest | Es ohnehin keinen Spielraum gibt, die Rolle projektseitig zu schärfen |
Schritt für Schritt: Deine Rolle klären
Die meisten der folgenden Schritte bearbeitest du für dich selbst. Schritt 7 ist dann entscheidend: Dann stimmst du dein erarbeitetes Rollenbild mit den Entscheidern ab.
1. Sammle Rollen-„Signale“
Bevor du deine Rolle definierst, brauchst du ein realistisches Bild davon, wie sie aktuell gelebt wird. Das kann sich davon unterscheiden, wie sie offiziell heißen könnte oder sollte. Nimm dir 10 Minuten Zeit und beantworte für dich:
- Welche Aufgaben landen gerade bei dir?
Denk an Meetings, Abstimmungen, Eskalationen, Nachfragen und „Kannst du das kurz klären?“-Themen. - Warum kommen diese Themen ausgerechnet bei dir an?
Weil du offiziell Projektleiter bist? Weil du erreichbar bist? Weil sonst niemand reagiert? - Welche Entscheidungen erwarten andere von dir, auch wenn es nirgends offiziell definiert wurde?
Schauen alle in deine Richtung, wenn es mal hakt? - Wofür wirst du verantwortlich gemacht, obwohl du keinen echten Einfluss hast?
Das sind oft die ersten Warnsignale für eine unsaubere Rolle. - Wann fühlt sich deine Rolle stimmig an und wann nicht?
Hör hier ruhig auf dein Bauchgefühl.
✅ Mini-Checkliste: Wann ist deine Rolle im Projekt gut geklärt?
Hake für dich gedanklich ab:
👉 Wenn du bei mehreren Punkten zögerst, lohnt sich ein bewusster Blick auf deine Rollendefinition.
2. Formuliere deinen Auftrag als kurze Arbeitshypothese
„Wofür bin ich da?“
Bevor du tiefer einsteigst, formulierst du einen einfachen Satz als Arbeitshypothese für deine Rolle. Er muss noch nicht perfekt sein, zeigt aber eine gute erste Richtung:
„Die Organisation braucht mich im Projekt, um _______ sicherzustellen, damit ________.“
3. Lege Verantwortungsbereiche fest
Jetzt wird es konkreter: Du klärst für dich, wofür du dich verantwortlich fühlst bzw. wofür du glaubst, Verantwortung zu haben. Nutze diese Leitfragen:
- Projektinhalt / Scope / Qualität: Wofür trägst du Verantwortung und wo endet sie?
- Zeit und Budget: Was steuerst du aktiv und was behältst du lediglich im Blick?
- Koordination und Kommunikation: An welchen Stellen sorgst du für Verbindlichkeit und Transparenz?
Dieser Schritt kann bewusst noch etwas oberflächlich ausfallen – die nächsten Schritte gehen mehr in die Tiefe.
4. Definiere deinen Entscheidungsspielraum
Jetzt kommt der entscheidende Punkt: Was darfst du entscheiden und was nicht? Wenn dieser Punkt einer Rolle nicht sauber geklärt ist, kann das unheimlich frustrieren und zu unnötigen Verzögerungen führen. Mach es pragmatisch: Liste typische Projektentscheidungen auf und ordne sie zu:
- Ich entscheide
- Ich bereite vor, andere entscheiden
- Ich empfehle, andere entscheiden
- Ich informiere nur
5. Ziehe klare Grenzen
Nachdem deine Verantwortungsbereiche klar sind, musst du genauso klar benennen, wo deine Rolle endet. Formuliere bewusst 3–5 Punkte nach dem Muster: „Dafür bin ich nicht zuständig.“
6. Kläre Schnittstellen
Viele Konflikte entstehen durch unterschiedliche Erwartungen. Deshalb klärst du jetzt bewusst die Zusammenarbeit mit deinen wichtigsten Schnittstellen. Wähle 4–6 Schlüsselrollen in deinem Projekt und halte pro Rolle kurz fest:
- Was erwarte ich von den anderen?
- Was können sie von mir erwarten?
7. Mach es verbindlich
Der entscheidende finale Schritt! Bisher hast du alles für dich allein erarbeitet – das reicht aber nicht aus. Jetzt geht es noch darum, deine Rolle mit den entscheidenden Personen abzugleichen und gemeinsam Klarheit zu schaffen.
Sprich gezielt mit den entscheidenden Rollen wie Auftraggeber oder Lenkungsausschuss und formuliere deine Rollenbeschreibung als gemeinsames Ziel, das allen dient.
Typische Stolperfallen und Tipps
- Starte bei dir selbst: Klär deine Rolle zuerst für dich wie in den Schritten oben beschrieben. Je sicherer du dich fühlst, desto klarer kannst du deine Interessen vertreten.
- Nutze reale Probleme als Aufhänger: Rollendefinition wirkt am besten, wenn es einen konkreten Anlass gibt (Verzögerungen, Eskalation, ständige Reibungspunkte) – nicht als „theoretisches Thema“.
- Halte es kurz und übersichtlich: Eine Seite oder eine Folie reichen aus. Je kompakter, desto höher die Chance, dass es verstanden und genutzt wird.
- Verknüpfe Rollendefinition mit Nutzen: Nicht: „Ich möchte meine Rolle klären“, sondern: „So vermeiden wir Abstimmungschaos und Verzögerungen.“
- Baue es in bestehende Termine ein: Nutze Kick-offs, Statusmeetings oder Retrospektiven statt zur Rollenklärung einen zusätzlichen Workshop anzusetzen.
- Halte Entscheidungen schriftlich fest: Eine kurze Zusammenfassung per Mail verhindert spätere Rückfragen und Interpretationen.
- Plane einen Rollen-Check ein: Zum Beispiel nach Meilensteinen oder bei größeren Änderungen im Projekt.
Fazit
Je klarer eine Rolle im Projekt definiert ist, desto reibungsloser läuft die Zusammenarbeit. Entscheidungen werden schneller gefällt, Zuständigkeiten sind nachvollziehbar, Konflikte können schneller gelöst werden – oder entstehen erst gar nicht.
Und selbst wenn du (noch) nichts offiziell klärst: Schon eigene Klarheit verändert dein Arbeiten: Du priorisierst bewusster, setzt sauberer Grenzen und trittst sicherer auf. Genau das macht es für andere leichter, sich an dir zu orientieren.
Rollenklarheit ist deshalb weder ein formales Extra noch ein Ego-Thema oder unnötiger Luxus, sondern eine wirkungsvolle Stellschraube, um Projekte effizienter und mit weniger Reibungsverlusten durchzuführen – entspannter für alle Beteiligten.










