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Rollendefinition im Projekt

Schritt für Schritt: So klärst du deine Rolle im Projekt

Für Eilige: Alles Wichtige auf einen Blick

Wo liegt das Problem?
In vielen Projekten ist die Rolle der Projektleitung zwar offiziell benannt, wurde aber im Detail nicht wirklich geklärt.
Warum ist das wichtig?
Unklare Rollen kosten Zeit, Energie und Nerven, weil ständig nachjustiert, erklärt oder eskaliert werden muss.
Die wichtigsten Learnings:
➜ Rollenklarheit entsteht durch klare Verantwortungsbereiche und Entscheidungsrechte.
➜ Wer seine Rolle für sich selbst klärt, arbeitet strukturierter und souveräner.
➜ Je früher Rollen geklärt werden, desto weniger Reibung entsteht später.

Artikel-Highlights

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Anleitung
Mini-Checkliste

Du bist offiziell verantwortlich für dein Projekt, aber irgendwie fühlt sich dein Alltag oft so an?

  • Aufgaben landen bei dir, weil sich sonst niemand zuständig fühlt.
  • Entscheidungen werden von dir erwartet aber im Nachhinein infrage gestellt.
  • Du hast das Gefühl, jeder versteht unter deiner Rolle etwas anderes.

In vielen Projekten sind Rollen nie bewusst geklärt, sondern entstehen „irgendwie“. Das führt dazu, dass Verantwortung, Entscheidungsspielraum und Erwartungen nicht sauber zusammenpassen.

Dieser Artikel hilft dir, deine Rolle strukturiert und pragmatisch zu klären – Schritt für Schritt.

Wann diese Anleitung passt und wann nicht

In vielen Projekten sind Rollen nicht sauber geklärt, auch wenn sie auf dem Papier existieren. Da gibt es die Projektleitung, einen Sponsor und womöglich einen Product Owner – und trotzdem ist im Alltag unklar, wer eigentlich was entscheiden darf, wofür jemand verantwortlich ist und wo Grenzen liegen. Genau für solche Situationen ist diese Anleitung gedacht.

Die folgende Tabelle zeigt, wann diese Anleitung gut geeignet ist – und wann weniger gut bzw. nur eingeschränkt:

Die Anleitung passt gut, wenn …Die Anleitung passt nicht oder nur eingeschränkt, wenn …
Rollen im Projekt nie bewusst geklärt wurden oder nur implizit existieren („Das war doch klar …“)Aufgaben, Verantwortungen und Entscheidungsrechte klar und verbindlich dokumentiert sind
Du Verantwortung trägst, aber dein Entscheidungsspielraum unklar istEntscheidungsspielräume eindeutig zugeordnet und auch gelebt werden
Das Projekt übereilt gestartet wurde („Wir klären das später“)Projekte erst nach vollständiger Setup-Phase starten
Reibung an Schnittstellen entstehtSchnittstellen klar geregelt sind und stabil funktionieren
Du deine Rolle erst einmal für dich klären möchtestEs ohnehin keinen Spielraum gibt, die Rolle projektseitig zu schärfen
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Kurz gesagt
Je weniger Struktur das Projekt vorgibt, desto wertvoller ist diese Anleitung. Je stärker die Rolle bereits geklärt ist, desto mehr dient sie als Reflexionswerkzeug für dich selbst.

Schritt für Schritt: Deine Rolle klären

Die meisten der folgenden Schritte bearbeitest du für dich selbst. Schritt 7 ist dann entscheidend: Dann stimmst du dein erarbeitetes Rollenbild mit den Entscheidern ab.

1. Sammle Rollen-„Signale“

Bevor du deine Rolle definierst, brauchst du ein realistisches Bild davon, wie sie aktuell gelebt wird. Das kann sich davon unterscheiden, wie sie offiziell heißen könnte oder sollte. Nimm dir 10 Minuten Zeit und beantworte für dich:

  • Welche Aufgaben landen gerade bei dir?
    Denk an Meetings, Abstimmungen, Eskalationen, Nachfragen und „Kannst du das kurz klären?“-Themen.
  • Warum kommen diese Themen ausgerechnet bei dir an?
    Weil du offiziell Projektleiter bist? Weil du erreichbar bist? Weil sonst niemand reagiert?
  • Welche Entscheidungen erwarten andere von dir, auch wenn es nirgends offiziell definiert wurde?
    Schauen alle in deine Richtung, wenn es mal hakt?
  • Wofür wirst du verantwortlich gemacht, obwohl du keinen echten Einfluss hast?
    Das sind oft die ersten Warnsignale für eine unsaubere Rolle.
  • Wann fühlt sich deine Rolle stimmig an und wann nicht?
    Hör hier ruhig auf dein Bauchgefühl.
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Ergebnis dieses Schritts
Diese Liste zeigt dir, wie du deine Rolle im Projekt aktuell empfindest. Genau dieses Bild brauchst du als Ausgangspunkt für die nächsten Schritte.

Mini-Checkliste: Wann ist deine Rolle im Projekt gut geklärt?

Hake für dich gedanklich ab:

Ich kann in zwei bis drei Sätzen erklären, wofür ich im Projekt zuständig und verantwortlich bin.
Es ist klar, welche Entscheidungen ich treffe und welche nicht.
Meine wichtigsten Schnittstellen wissen, was sie von mir erwarten können.
Ich kenne meine Grenzen und muss sie nicht ständig neu verteidigen.
Wenn etwas schief läuft, ist klar, wo es adressiert werden muss.

👉 Wenn du bei mehreren Punkten zögerst, lohnt sich ein bewusster Blick auf deine Rollendefinition.

2. Formuliere deinen Auftrag als kurze Arbeitshypothese

„Wofür bin ich da?“

Bevor du tiefer einsteigst, formulierst du einen einfachen Satz als Arbeitshypothese für deine Rolle. Er muss noch nicht perfekt sein, zeigt aber eine gute erste Richtung:

„Die Organisation braucht mich im Projekt, um _______ sicherzustellen, damit ________.“

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Ergebnis dieses Schritts
Dieser Satz zeigt dir, was (vermutlich) von dir und deiner Rolle erwartet wird. Daran kannst du die nächsten Schritte ausrichten.

3. Lege Verantwortungsbereiche fest

Jetzt wird es konkreter: Du klärst für dich, wofür du dich verantwortlich fühlst bzw. wofür du glaubst, Verantwortung zu haben. Nutze diese Leitfragen:

  • Projektinhalt / Scope / Qualität: Wofür trägst du Verantwortung und wo endet sie?
  • Zeit und Budget: Was steuerst du aktiv und was behältst du lediglich im Blick?
  • Koordination und Kommunikation: An welchen Stellen sorgst du für Verbindlichkeit und Transparenz?

Beispiel: Projektleitung in einem Projekt zur Einführung eines IT-Systems

Inhalt / Scope / Qualität:
Meine Arbeit orientiert sich am Pflichtenheft und ich stelle sicher, dass der Projektumfang nicht ausufert. Detailentscheidungen zur fachlichen Lösung trifft der Fachbereich.
Zeit, Budget, Qualität:
Ich verfolge Termine und Budget aktiv, spreche Abweichungen früh an und eskaliere bei Bedarf.
Koordination und Kommunikation:
Ich sorge dafür, dass Entscheidungen vorbereitet, getroffen und an alle sauber kommuniziert werden. Ich halte mich an die internen Reporting-Vorgaben.

Dieser Schritt kann bewusst noch etwas oberflächlich ausfallen – die nächsten Schritte gehen mehr in die Tiefe.

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Ergebnis dieses Schritts
Du schaffst ein konkreteres Verständnis für deine Rolle und zeigst: Hier werde ich gebraucht – und an anderer Stelle nicht.

4. Definiere deinen Entscheidungsspielraum

Jetzt kommt der entscheidende Punkt: Was darfst du entscheiden und was nicht? Wenn dieser Punkt einer Rolle nicht sauber geklärt ist, kann das unheimlich frustrieren und zu unnötigen Verzögerungen führen. Mach es pragmatisch: Liste typische Projektentscheidungen auf und ordne sie zu:

  • Ich entscheide
  • Ich bereite vor, andere entscheiden
  • Ich empfehle, andere entscheiden
  • Ich informiere nur

Beispiel:

Priorisierung von Projektaufgaben → Ich entscheide
Fachliche Ausgestaltung der Lösung → Fachbereich entscheidet, ich bereite vor
Anpassung des Go-live-Termins → Sponsor entscheidet, ich liefere Entscheidungsgrundlagen
Kommunikation von Entscheidungen ins Team → Ich informiere

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Ergebnis dieses Schritts
Du weißt und zeigst, wo deine Verantwortung endet und die der anderen beginnt.

5. Ziehe klare Grenzen

Nachdem deine Verantwortungsbereiche klar sind, musst du genauso klar benennen, wo deine Rolle endet. Formuliere bewusst 3–5 Punkte nach dem Muster: „Dafür bin ich nicht zuständig.“

Beispiel:

Ich bin nicht für fachliche Detailentscheidungen verantwortlich.
Ich ersetze keine Linienführung und priorisiere keine Aufgaben außerhalb des Projekts.
Ich übernehme keine operative Umsetzung, sondern koordiniere sie.

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Ergebnis dieses Schritts
Mit diesem Schritt wird deine Rolle besonders klar. Du zeigst nach außen (und für dich selbst!), an welchen Stellen du nicht verantwortlich bist.

6. Kläre Schnittstellen

Viele Konflikte entstehen durch unterschiedliche Erwartungen. Deshalb klärst du jetzt bewusst die Zusammenarbeit mit deinen wichtigsten Schnittstellen. Wähle 4–6 Schlüsselrollen in deinem Projekt und halte pro Rolle kurz fest:

  • Was erwarte ich von den anderen?
  • Was können sie von mir erwarten?

Beispiel:

Sponsor
Erwartung an ihn: Klare Entscheidungen bei Ziel- oder Terminabweichungen
Erwartung an mich: Saubere Entscheidungsgrundlagen und frühzeitige Eskalation
Fachbereich
Erwartung an ihn: Verbindliche fachliche Entscheidungen
Erwartung an mich: Strukturierte Vorbereitung und klare Kommunikation
Technischer Lead
Erwartung an ihn: Realistische Aufwandseinschätzungen
Erwartung an mich: Priorisierung und Schutz vor „Muss schnell gehen“-Themen

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Ergebnis dieses Schritts
Du schaffst eine solide Basis für die Zusammenarbeit und verringerst das Risiko für unnötigen Frust.

7. Mach es verbindlich

Der entscheidende finale Schritt! Bisher hast du alles für dich allein erarbeitet – das reicht aber nicht aus. Jetzt geht es noch darum, deine Rolle mit den entscheidenden Personen abzugleichen und gemeinsam Klarheit zu schaffen.

Sprich gezielt mit den entscheidenden Rollen wie Auftraggeber oder Lenkungsausschuss und formuliere deine Rollenbeschreibung als gemeinsames Ziel, das allen dient.

Beispiel zur Kommunikation / Idealerweise untermalt mit einem One-Pager

Mir ist wichtig, dass wir im Projekt möglichst wenig Reibung durch unklare Zuständigkeiten haben. Deshalb würde ich kurz spiegeln, wie ich aktuell meine Rolle sehe und prüfen, ob das für euch so stimmig ist:

Ich übernehme die Priorisierung der Projektaufgaben und halte Zeitplan und Abhängigkeiten im Blick.
Fachliche Detailentscheidungen liegen beim Fachbereich.
Wenn Terminverschiebungen oder eine Überziehung des Budgets absehbar sind, bereite ich Optionen vor und wende mich an den Lenkungsausschuss.
Getroffene Entscheidungen kommuniziere ich verbindlich ins Team und verfolge die Umsetzung.

Wenn wir uns darauf einigen können, haben wir aus meiner Sicht eine gute Basis, um effizient weiterzuarbeiten.

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Ergebnis dieses Schritts
Erst durch Abstimmung bzw. Abgleich mit anderen wird deine Rolle offiziell geklärt.

Typische Stolperfallen und Tipps

  • Starte bei dir selbst: Klär deine Rolle zuerst für dich wie in den Schritten oben beschrieben. Je sicherer du dich fühlst, desto klarer kannst du deine Interessen vertreten.
  • Nutze reale Probleme als Aufhänger: Rollendefinition wirkt am besten, wenn es einen konkreten Anlass gibt (Verzögerungen, Eskalation, ständige Reibungspunkte) – nicht als „theoretisches Thema“.
  • Halte es kurz und übersichtlich: Eine Seite oder eine Folie reichen aus. Je kompakter, desto höher die Chance, dass es verstanden und genutzt wird.
  • Verknüpfe Rollendefinition mit Nutzen: Nicht: „Ich möchte meine Rolle klären“, sondern: „So vermeiden wir Abstimmungschaos und Verzögerungen.“
  • Baue es in bestehende Termine ein: Nutze Kick-offs, Statusmeetings oder Retrospektiven statt zur Rollenklärung einen zusätzlichen Workshop anzusetzen.
  • Halte Entscheidungen schriftlich fest: Eine kurze Zusammenfassung per Mail verhindert spätere Rückfragen und Interpretationen.
  • Plane einen Rollen-Check ein: Zum Beispiel nach Meilensteinen oder bei größeren Änderungen im Projekt.

Fazit

Je klarer eine Rolle im Projekt definiert ist, desto reibungsloser läuft die Zusammenarbeit. Entscheidungen werden schneller gefällt, Zuständigkeiten sind nachvollziehbar, Konflikte können schneller gelöst werden – oder entstehen erst gar nicht.

Und selbst wenn du (noch) nichts offiziell klärst: Schon eigene Klarheit verändert dein Arbeiten: Du priorisierst bewusster, setzt sauberer Grenzen und trittst sicherer auf. Genau das macht es für andere leichter, sich an dir zu orientieren.

Rollenklarheit ist deshalb weder ein formales Extra noch ein Ego-Thema oder unnötiger Luxus, sondern eine wirkungsvolle Stellschraube, um Projekte effizienter und mit weniger Reibungsverlusten durchzuführen – entspannter für alle Beteiligten.

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