Nett? Lieb? Projekte sind doch keine Kuschelveranstaltung, sondern Teil des Arbeitslebens!

Nein. Kuschelveranstaltungen sollen sie auch nicht sein. Trotzdem solltest du dir immer wieder bewusst machen, dass ohne Team nicht viel läuft. Ohne dein Team bist du nichts!

Daher in aller Kürze: Sei nett! Ja, vielleicht bist du ein harter Brocken, ein Alphatier. Außerdem ist klar, dass du allein das Sagen hast. Aber das gibt dir noch lange nicht das Recht, ungehobelt und aggressiv aufzutreten, oder noch schlimmer – unfair gegenüber deinem Team zu sein. Das alles sind Merkmale eines schwachen Führers. Als Projektleiter bist du in der Schlüsselrolle. Es ist deine Aufgabe, das Beste aus deinem Team herauszuholen und jeden zu motivieren.

Selbstverständlich weiß auch ich, dass nicht alle Teams gleich kompetent und effizient sind. Aber selbst wenn du ein schwaches Pferd reitest, hat es keinen Sinn, das Tier zu Tode zu prügeln. Es sei denn, du bist gern zu Fuß unterwegs.

Mach dir die Stärken bewusst

Nimm dir einfach mal ein paar Minuten Zeit und mache dir bewusst, wo die Stärken deines Projektteams liegen. Was können sie richtig gut? Allein darüber nachzudenken, es sich bewusst zu machen, hilft bereits, eine positive Einstellung gegenüber den Teammitgliedern aufzubauen.

Gewiss hat jeder im Team auch seine Schwächen, doch um diese geht es gerade nicht. Liste die Stärken jedes einzelnen im Team auf. Vielleicht wird dir auf diesem Wege auch bewusst, dass nicht jeder optimal und gemäß seiner Fähigkeiten eingesetzt wird.

Informiere so viel wie möglich

Regelmäßige Informationsrunden stehen doch sicher ohnehin schon auf der Tagesordnung, richtig? Sei es einmal pro Woche oder monatlich. Sei es in einem Besprechungsraum oder rein virtuell und online.

Wenn nicht, dann solltest du das schleunigst ändern! Es gibt kaum Schlimmeres als uninformierte Teammitglieder. Doch, eines ist schlimmer: Halbwahrheiten und Gerüchte. Zu wenig Information, und deine Leute beginnen, auf eigene Faust die Lücken zu schliessen – mit allem was sie finden. Wenn sie dann keinen Zugriff auf verlässliche Informationsquellen haben, so kann man sich denken, was dabei herauskommt. Schlimmstenfalls führt dies zu Mitarbeitern, die völlig in die falsche Richtung laufen oder das Rad mehrfach erfinden. In jedem Fall hast du bald eine verdammt schlechte Stimmung imTeam.

Doch Achtung: Man kann es mit dem Informieren auch übertreiben! Zu viele Meetings, und du stiehlst deinem Team die Zeit. Vielleicht ist es eine gute Idee, die Informationen bereits schriftlich zu verschicken, und im Meeting nur noch die wichtigsten Punkte anzusprechen. Finde ein gesundes Maß.

Bedanke dich

Deine Teammitglieder stellen dir ihre Zeit und Leistung zur Verfügung. Klar, das ist ihr Job. Aber dennoch: Wie viel Einsatz gezeigt und wie viel Mühe investiert wird, kann ziemlich variieren. Manche machen lediglich das Minimum, andere zeigen Enthusiasmus. Bedanke dich für gute Leistungen und Mitarbeit! Und dazu gehört auch das simple „Vielen Dank“ am Ende einer Sitzung. Mir ist klar, dass das manch einer es nicht gewohnt ist, dieses simple Wort „Danke“ in den Mund zu nehmen. Vielleicht fühlt es sich beim ersten Mal seltsam an, aber glaube mir, es ist genau so einfach, wie es klingt. Und … es wirkt!

Manchmal sind es genau diese kleinen Gesten, die einen Unterschied machen, an die man sich gut erinnert.

Feiere Erfolge

Es muss nicht immer die riesige Party zum Projektabschluss sein, oder bei Erreichen eines wichtigen Meilensteines. Aber zeige jedem, der etwas dazu beigetragen hat, wie wichtig seine Arbeit ist und dass sie wahrgenommen wird. Finde einen Weg, jeden für den Erfolg zu belohnen. Das kann einfaches Lob sein, eine Erwähnung im Firmen-Newsletter, oder auch eine Einladung zu einem gemeinsamen Essen – was immer alles zu deiner Stellung und zu deiner Organisation passt.

Aber was, wenn dein Projekt vor Abschluss gestoppt wurde, wenn das höhere Management dir einen Strich durch die Rechnung gemacht hat, oder aber der Kunde abgesprungen ist? Das ist zwar sicher nicht der richtige Moment, um zu feiern, aber dennoch kannst du deinem Team für seine Bemühungen Respekt zollen. Du solltest es sogar. Jetzt ist es sogar besonders wichtig. Wenn das Projekt ein großer Erfolg war, ist das Team sowieso zufrieden, doch gerade in enttäuschenden Situationen wie dieser brauchen sie unbedingt deine Unterstützung!


Deine Aufgabe

Nimm dir jetzt ein paar Minuten Zeit und überlege dir, was du an deinem Team hast. Vielleicht weißt du das alles schon, aber schreib es trotzdem auf, um es dir noch einmal vor Augen zu führen. Sollten jetzt auch einige negative Gedanken in dir aufsteigen, ignoriere sie! Keine Sorge, kurzes Verdrängen tut nicht weh und du kannst dich später immer noch gut um deinen Ärger über das Team und um dein Selbstmitleid kümmern.

Hast du eine Liste der positiven Seiten deines Teams zusammen? Egal wie kurz sie ist, finde einen Weg, die Leute dafür zu belohnen, Danke zu sagen.

Gib ihnen Gründe, gern für dich zu arbeiten. Das macht allen das Leben leichter. Nur ein motiviertes Team kann ein gutes Team werden.

Weitere Artikel der Serie:<< Die sechs Faustregeln: 2. Mache Werbung für dein ProjektDie sechs Faustregeln: 4. Erkenne deine Chancen >>
2 Kommentare
  1. Sven sagte:

    Hallo Alexander,

    Alphatiere braucht heute kein Team mehr (und wird es in der Regel auch nicht akzeptieren).

    Führen anstatt Leiten ist m. E. der Grundsatz der gelten muss. Und daraus ergibt sich die größte Schwierigkeit: Hier gilt es individuelle Stärken zu fördern und auch Schwächen durch gezieltes Feedback zu beheben.

    Eine große Herausforderung ist dabei immer: Jeder im Team möchte i. d. R. gleich behandelt werden. Gleich ist jedoch dehnbar und für den PL schwierig, da ja doch jeder im Team unterschiedlich ist. Und genau darin liegt die Herausforderung, finde ich.

    Insbesondere Teammitgliedern, die gegen jegliches Feedback immun sind, machen da gerne mal Probleme (oder sagen wir: stellen eine besonders reizvolle Aufgabe dar). :-)

    Kennst du das auch?

    Grüße
    Sven von http://www.agile-master.de

    • Alexander sagte:

      Hallo Sven,

      da antworte ich besser spät als nie, aber Urlaub muss ja auch mal sein :-)

      Bezüglich Alphatieren muss ich dir zum Teil widersprechen: Sie werden gebraucht! Das ist allerdings von der Art des Projektes und vor allem von der Branche abhängig.

      Ich habe es in verschiedenen Unternehmen erlebt, wie Projektleiter gescheitert sind, obwohl sie objektiv betrachtet alles richtig gemacht haben. Ihre Argumentation war richtig, sie hatten den Rückhalt des Managements, hatten das Projekt gut strukturiert usw.
      Aber wenn die harten Jungs aus dem Walzwerk Sätze wie „Von dem Jüngelchen lass ich mir doch nichts sagen“ fallen lassen, dann ist man mit Argumenten an der Stelle machtlos und bewirkt ohne Alphatier-Auftreten unter Umständen wenig.
      Und ich rede hier nicht von Unternehmen, wo die Grundstimmung schlecht ist.

      Das bedeutet selbstverständlich nicht, dass besagte Alphatiere unreflektiert und im autoritären Armeestil führen sollten oder müssen. Doch in gewissen Umfeldern ist es sehr hilfreich, wenn man zusätzlich zum guten Frührungsstil auch die Alphatier-Sprache beherrscht.

      Die von dir angesprochenen Unterschiede zwischen Teammitglieder finde ich sehr reizvoll. Auch wenn es zu Beginn eine gewisse Kennenlernphase benötigt, finde ich persönlich es sehr spannend, mich auf die unterschiedlichsten Persönlichkeiten einzustellen.

      Den Extremfall des Feedback-resistenten Mitarbeiters kenne ich selbstverständlich auch ;-) Das ist natürlich anstrengend …und führt selbst bei mir mit meiner engelsgleichen Geduld dazu, dass ich irgendwann auf „Order Mufti“ zurückgreife. Das macht zwar nicht immer Spass und sollte nicht überstrapaziert werden, kann aber in manchen Fällen ganz gut funktionieren. Und ich habe sogar Mitarbeiter erlebt, die mit der dann neuen, autoritäreren Situation viel zufriedener waren. Das hätte ich auch erst nicht für möglich gehalten ;-)

      Viele Grüße,
      Alexander

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