Für Eilige: Alles Wichtige auf einen Blick
Ressourcen
Stell dir vor, du wurdest zum Projektleiter eines großen IT-Projekts ernannt. Das Ziel: Ein neues System entwickeln und einführen. So weit, so gut – aber dann kommt der Schock: Das Ganze soll in sechs Monaten abgeschlossen sein.
Unrealistisch, findest du? Um das Projekt sinnvoll und vor allem in der erforderlichen Qualität umzusetzen, bräuchtest du mindestens zwölf Monate. Stattdessen siehst du jetzt schon die Zeit davonlaufen und spürst direkten Druck auf dich und das Team. Was also tun, wenn der Endtermin völlig aus der Luft gegriffen ist?
1. „Das schaffen wir nicht in der Zeit“ reicht nicht – Denk an Alternativen
Zuerst einmal: Die Aussage „Der Termin ist unrealistisch“ wird nicht ausreichen – das allein wird die Vorgesetzten kaum überzeugen, denn vermutlich gibt es gute Gründe für den Termin. Bevor du dich also in die Sache hineinsteigerst, kannst du noch einmal tief durchatmen und dich fragen: Wäre der Termin vielleicht doch irgendwie zu schaffen?
Hier ein paar Ansätze:
- Kannst du Aufgaben auslagern? Vielleicht gibt es bestimmte Teile des Projekts, die schneller umgesetzt werden können, wenn externe Dienstleister eingebunden werden.
- Gibt’s mehr Geld? Wenn ein höheres Budget zur Verfügung stehen würde, wäre der Termin dann durch einen höheren Ressourceneinsatz machbar?
- Kritischer Pfad: Welche Aufgaben sind so entscheidend, dass sie den gesamten Projektverlauf beeinflussen und kritisch für den Endtermin sind? Konzentriere dich darauf und finde heraus, was nötig ist, um diese Aufgaben schneller zu erledigen.
Wenn du diese Punkte durchdenkst, kannst du konkrete Zahlen und Fakten vorlegen. Zeig auf, was es kosten würde, den vorgegebenen Endtermin zu erreichen, und welche Risiken damit verbunden sind.
2. Staffelung der Ergebnisse – Ein schrittweises Einführen?
Ein anderer Ansatz: Ist es möglich, das Projekt in Absprache mit dem Auftraggeber in Etappen fertigzustellen? Womöglich könntest du zunächst nur die wichtigsten Funktionalitäten liefern und später nach und nach den Rest einführen. So könntest du dem Endtermin zumindest in Teilen gerecht werden, ohne die gesamte Qualität zu opfern. Das funktioniert nicht bei allen Projekten – kann aber eine Option sein.
3. Wenn Staffelung nicht geht: Fokus auf die Risiken
In manchen Projekten gibt es keine Möglichkeit, Ergebnisse gestaffelt einzuführen – es muss entweder alles fertig sein oder nichts. In diesem Fall ist der Qualitätsverlust dein größtes Argument.
Hier kommt der entscheidende Punkt: Dokumentiere ganz klar die Risiken. Was genau wird passieren, wenn der Termin eingehalten wird, aber die Qualität leidet? Diese Risiken sollten so klar wie möglich benannt und an die Entscheidungsträger kommuniziert werden. Beispielsweise könnten folgende negative Effekte auftreten:
- Erhöhte Fehleranfälligkeit des Systems
- Höhere Wartungskosten nach der Einführung
- Produktivitätsverluste bei den Nutzern
- Mögliche Umsatzeinbußen oder Kundenreklamationen
4. Die harte Realität: Manchmal ist der Endtermin nicht verhandelbar
Natürlich gibt es immer wieder Situationen, in denen Vorgesetzte trotz klarer Fakten einfach sagen: „Das ist mir egal, sorge dafür, dass es klappt.“ Das ist oft unglaublich frustrierend – aber diese Reaktion basiert oft darauf, dass Leute zu oft gesagt haben, dass etwas nicht geht. Ein gewisses Maß an Druck wird daher in vielen Organisationen als normal angesehen – schließlich könntest du ja doch Wege finden, die Prozesse zu beschleunigen, ohne auf die Qualität zu verzichten.
5. Wenn niemand zuhört: Klare Kommunikation und das Beste draus machen
Wenn der Endtermin nicht verschoben wird und alle deine Argumente auf taube Ohren stoßen, bleibt dir oft nichts anderes übrig, als das Beste draus zu machen. Kommuniziere die Risiken und Probleme weiterhin klar – und dokumentiere alles, um sicherzustellen, dass du später darauf zurückgreifen kannst. Und dann bleibt nur eines: Schau, wie du in dem gegebenen Rahmen die bestmöglichen Ergebnisse erzielen kannst.
6. Schluss mit Quick-Fix: Langfristige Lösungen
Bisher ging es um kurzfristige Lösungen für ein aktuelles Projekt. Dennoch sollten wir eines nicht aus den Augen verlieren: Damit so etwas nicht ständig passiert, sind langfristige Prozessverbesserungen notwendig. Unrealistische Deadlines sind oft ein Symptom von zu hohen Erwartungen der Auftraggeber in Kombination mit ungenauer Planung und dem Ignorieren von Einschränkungen.
Wenn du regelmäßig mit unerreichbaren Deadlines konfrontiert wirst, solltest du mit deinen Vorgesetzten grundsätzliche Gespräche führen: Wie sieht es mit alternativen Planungsansätzen aus, zum Beispiel der Nutzung agiler Methoden? Würde eine Weiterqualifikation von Mitarbeitern und bessere Ressourcenverfügbarkeit helfen? Wie könnt ihr Fehler zukünftig am besten vermeiden?
7. Wenn gar nichts mehr geht: Alternativen sichten
Es kann sein, dass all deine Bemühungen ins Leere laufen. In manchen Umgebungen sollen die Leute bewusst unter möglichst hohem Druck laufen – Deadlines wiegen schwerer als das Wohlbefinden der Teammitglieder.
Falls dir das schon häufiger passiert ist und keine Veränderung in Sicht ist: Überlege, ob dieses Umfeld für dich geeignet ist und du langfristig unter diesen Bedingungen arbeiten möchtest. Ein chronisch hoher Zeitdruck und unrealistische Erwartungen können zu Überlastung und letztlich zu Burnout führen – bei dir und deinem Team.
Fazit
Wenn dir ein völlig unrealistischer Endtermin für dein Projekt gesetzt wird, hilft es wenig, einfach nur zu sagen, dass das nicht geht. Du musst dir Alternativen überlegen, wie du zumindest einen Teil des Projekts bis dahin schaffen könntest, oder du musst die Risiken und Konsequenzen klar dokumentieren und kommunizieren. Wenn das alles nichts hilft und der Termin bleibt bestehen, kannst du nur noch schauen, wie du das Beste aus der Situation machst – und dich darauf vorbereiten, die Ergebnisse und Auswirkungen später aufzuzeigen.
Manchmal ist es eben so: Du kannst nicht immer die Vorgaben ändern, aber du kannst dafür sorgen, dass du immer klar und professionell agierst.