Die sechs Faustregeln: 5. Sieh Probleme als Herausforderungen

Dieser Artikel ist Teil 5 von 6 der Serie Die sechs Faustregeln im Projektmanagement

Herausforderungen statt ProblemeIn Projekten gibt es doch ständig Probleme. Ein ewiger Kampf um Ressourcen, sich ändernde Anforderungen, Budgetkürzungen und unnötige Verzögerungen stehen auf der Tagesordnung.

Richtig!

Projekte sind nun einmal von Unsicherheiten geprägt, oftmals sogar mit konkurrierenden Zielen dekoriert. Ohne das dramatisieren zu wollen: So ist das Projektgeschäft. Da kann man nichts machen.

Wirklich nichts? Keine Ideen?

Stecke den Kopf in den Sand

Das intuitive Reaktion einiger Projektleiter bei unerwarteten Problemen sieht so aus:

  1. Sich ärgern.
  2. Das Problem widerwillig lösen. Sich darüber aufregen und die Welt dafür hassen.
  3. Hoffen, dass es jetzt endlich mal ohne Probleme weiter geht und den Kopf in den Sand stecken.
  4. Feststellen, dass diese Hoffnung vergebens war.

Klingt für mich nach einem verdammt frustrierenden Prozess. Das muss doch auch anders gehen.

Stelle dich den Herausforderungen

Probleme sind da, um gelöst zu werden. Stell dich der Herausforderung! Versuche, unerwartete Probleme nicht als lästige Ärgernisse zu sehen, sondern als Teil deines Jobs, dein tägliches Brot. Probleme sind nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Daher ist es unsinnig, sie nicht zu akzeptieren. Sieh es mal so: Gäbe es keine Probleme, bräuchte niemand einen Projektmanager. Vielleicht gäbe es dann Projektplaner, aber deren Arbeit wäre erledigt, sobald das Projekt startet. Keine Probleme, kein Job für dich. So einfach ist das.

Von daher: Nimm diese Herausforderungen an und freue dich über die Möglichkeit, dich zu beweisen. Wenn es einfach wäre, könnte es ja jeder machen.

Klar, das sagt sich alles leichter, als es ist. Das weiß ich auch. Aber es ist die einzig sinnvolle Herangehensweise. Vielleicht hilft es, ein paar echte Vorteile darin zu erkennen:

  • Eine Herausforderung anzugehen, macht viel mehr Spaß, als einem nervigen Problem nachzujagen. Der ein oder andere mag nun sagen, hier geht es ja nur um die Wortwahl. Falsch! Hier geht es um deine Einstellung. Einfache Psychologie, und sie funktioniert genau dann, wenn du nicht nur Herausforderung sagst, sondern auch Herausforderung meinst.
  • Probleme geht man oft erst an, wenn es sich nicht mehr vermeiden lässt, wenn es richtig brennt. Aber bis es so weit ist können die Probleme unbemerkt gewachsen und komplexer geworden sein. Dann wird schnell mal die Zeit knapp, wenn es nicht gar schon zu spät ist. Eine Herausforderung hingegen nimmt man oft viel früher an. Man freut sich förmlich darauf.
  • Je mehr Herausforderungen du meisterst, desto besser wirst du dich fühlen. Zukünftige Probleme – Verzeihung: Herausforderungen – wirst du viel selbstbewusster und entspannter angehen.

Deine Aufgabe

Denke an ein aktuelles Problem in deinem Projekt. Wie fühlst du dich? Genervt? Das ist ein guter Anfang. Würde es sich nicht toll anfühlen, das Problem zu lösen?

Stell dir vor, du bist der Feuerwehrmann (oder Frau)! Hassen Feuerwehrleute das Feuer? Nein! In der Regel lieben sie es. Wenn es irgendwo ein Feuer gibt, können sie endlich beweisen, dass sie es drauf haben, können das tun, wofür sie trainiert haben. Als Projektleiter bist du der Feuerwehrmann deines Projektes. Und all die unerwarteten Probleme sind die Brandherde.

Vielleicht hast du schon von Feuerwehrleuten gehört, die das Feuer so sehr geliebt haben, dass sie später als Brandstifter überführt wurden. Das würde auch im Projekt etwas weit gehen. Aber schau dir ein wenig von der positiven Einstellung der Feuerwehrleute ab und freu dich auf die Herausforderungen, die vor dir liegen. Problemlösen ist eine deiner Hauptaufgaben.

Siehst du die Probleme als Herausforderungen an, kann es sogar richtig Spaß machen, sie zu lösen. Probier es aus!

Dr. Alexander Blumenau (*1972) ist Portfolio- und Projektmanager und blickt auf über ein Jahrzehnt im industriellen Umfeld zurück – sowohl in internationalen Projekten, als auch als Leiter von technologischen Entwicklungsabteilungen. Als promovierter Physiker verfügt er über Lehrerfahrung an deutschen und internationalen Universitäten.

Neben seinen Schwerpunktinteressen im Projektmanagement, Prozessmanagement und der Strukturierung, arbeitet er als freier Autor und Fotograf.

Weitere Artikel der Serie:<< Die sechs Faustregeln: 4. Erkenne deine ChancenDie sechs Faustregeln: 6. Sei dir deiner Rolle bewusst >>
2 Kommentare
  1. Udo Gepperth
    Udo Gepperth says:

    „Ängstlich zu sinnen und zu denken, was hätte man tun können, ist das Übelste, was man tun kann“ (Georg Christoph Lichtenberg)

    Feuerwehrleute reagieren schnell, überlegt und wohl trainiert und haben immer das Risiko vor Augen und im Bewusstsein.

    … and have a lot of fun and more
    Udo Gepperth

    Antworten

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