Die sechs Faustregeln: 6. Sei dir deiner Rolle bewusst

Dieser Artikel ist Teil 6 von 6 der Serie Die sechs Faustregeln im Projektmanagement

Rolle des ProjektleitersVielleicht erinnerst du dich noch an den Moment, als du dein allererstes größeres Projekt managen solltest? Oder vielleicht bist du gerade jetzt an diesem Punkt? Oder wirst es bald sein?

Plötzlich hat man diese neue Rolle als Projektmanager, gewollt oder ungewollt, und weiß noch nicht, worauf man sich eingelassen hat. Plötzlich hilft dir das reine Expertenwissen auf deinem Gebiet nicht mehr. Du musst Dinge tun von denen du keine Ahnung hast, wie man sie richtig macht – vielleicht weißt du nicht einmal, was du überhaupt alles tun musst.

Für frisch gebackene Projektmanager ist die Situation wie oben beschrieben häufiger die Regel, als man glauben mag. Was ist eigentlich deine Rolle? Selbst für die alten Hasen unter uns ist es sinnvoll, sich das immer einmal wieder zu fragen und klarzumachen.

Allzu oft wissen wir rein theoretisch, was unsere Rolle ist, sind uns dessen aber dennoch nicht wirklich bewusst. Es gibt Tage, da verhalten wir uns fast wie die anderen Teammitglieder. Vermutlich erledigen wir auch an diesen Tagen einen guten Job, aber eben nicht den des Projektmanagers. Wenn dein Team klein ist, dann musst du oftmals sogar andere Tätigkeiten verrichten. Vielleicht sind nur 20% deiner Zeit für das eigentliche Managen des Projektes vorgesehen. Ist dies der Fall, so passiert es schnell, dass man diese 20% gänzlich vergisst und im Tagesgeschäft versinkt.

Daher: Sei dir deiner Rolle bewusst! Nimm sie an und lebe sie! Sieh es als eine Chance, ein besserer Projektmanager zu werden.

Folgende Hinweise können dir dabei helfen:

Sieh dein Projekt als dein „Baby“ an

Klingt wie ein Klischee. Ist es auch. Aber es trifft es auch genau! Du bist dafür verantwortlich, dass es gut auf die Welt kommt, dass es wächst und gedeiht. Steuere es durch die Untiefen des Alltags und sorge dafür, dass es eines Tages gesund und volljährig das Haus verlässt. Oder in Projektsprache: dass es eines Tages erfolgreich abgeschlossen wird.

Kommuniziere und informiere

Kommunikation ist einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren eines Projektes. Als Projektleiter bist du verantwortlich dafür, dass reibungslos informiert und kommuniziert wird. Dein Team kann nur dann seinen Job erledigen, wenn es die dazu nötigen Informationen erhält. Außerdem werden sie nur motiviert sein, wenn sie die Zusammenhänge verstehen. Falls du feststellst, dass jemand nicht die Informationen erhalten hat, die er benötigt, musst du Wege finden, das in Zukunft zu verhindern.

Nicht vergessen: Selbstverständlich muss auch dein übergeordnetes Management informiert werden.

Steuere und entscheide

Sieh dich als Steuermann, der das Projekt-Boot sicher über die stürmische See in den nächsten Hafen steuert. Eisberg voraus? Maschinenschaden? Hartes Wetter im Anmarsch? Entscheide. Leite Gegenmaßnahmen ein. Warte nicht darauf, dass jemand anderes dies für dich übernimmt, denn dies ist dein Job.

Aber auch, wenn es eine Kurskorrektur braucht, verliere das Ziel nie aus den Augen.

Nimm unterschiedliche Perspektiven ein

Du kannst das Projekt nicht erfolgreich leiten, ohne die Bedürfnisse deiner Kunden, Unterauftragnehmer und anderer interner wie externer Stakeholder zu verstehen. Nimm daher von Zeit zu Zeit deren Perspektive ein. Was für Auswirkungen werden deine Entscheidungen auf die anderen haben? Versuche, die Dinge nicht ausschließlich aus deiner Sicht und der deines Teams zu sehen.

Sei aktiv

Vielleicht der wichtigste Hinweis: Du bist in der Verantwortung. Warte nicht darauf, dass es dir jemand leicht macht. Frage dich immer: Was kannst du tun, um dein Projekt zum Erfolg zu führen?

Niemand behauptet, dass das immer leicht ist. Mit Sicherheit nicht. Du musst deine Komfortzone verlassen, um dein Projekt gut zu leiten. Aber keine Sorge, Spaß kann es trotzdem machen.


Deine Aufgabe

Nimm dir kurz Zeit und denke noch einmal über dich und dein Projekt nach. Siehst du dich als Kapitän des Schiffs? Ist dir bewusst, dass du derjenige bist, der das Thema vorantreiben muss? Falls du Zweifel hast: Du bist der, der das Sagen hat. Du bist verantwortlich.

Es kann hilfreich sein, wenn du dich jeden Morgen kurz hinsetzt und die Antwort auf folgende Frage aufschreibst: „Was habe ich gestern getan, um mein Projekt voranzubringen, um es in die richtige Richtung zu steuern?“ Schreibe die Antwort nicht am Abend des gleichen Tages auf, sondern am folgenden Morgen. Falls die Liste nur kurz oder gar leer ist, so ist das eine gute Motivation es an diesem Tag besser zu machen.

Dr. Alexander Blumenau (*1972) ist Portfolio- und Projektmanager und blickt auf über ein Jahrzehnt im industriellen Umfeld zurück – sowohl in internationalen Projekten, als auch als Leiter von technologischen Entwicklungsabteilungen. Als promovierter Physiker verfügt er über Lehrerfahrung an deutschen und internationalen Universitäten.

Neben seinen Schwerpunktinteressen im Projektmanagement, Prozessmanagement und der Strukturierung, arbeitet er als freier Autor und Fotograf.

Weitere Artikel der Serie:<< Die sechs Faustregeln: 5. Sieh Probleme als Herausforderungen
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