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Das agile Manifest

Das agile Manifest im Überblick

Auf den Punkt gebracht

Das agile Manifest (Agile Manifesto) wurde 2001 veröffentlicht und enthält grundsätzliche Leitlinien für agile Software-Entwicklung. Darin werden 4 Werte und 12 Prinzipien vorgestellt, die für ein erfolgreiches agiles Arbeiten von allen Beteiligten einzuhalten sind. Mit steigender Popularität agiler Ansätze auch in anderen Branchen wird das agile Manifest inzwischen nicht mehr ausschließlich für Software-Projekte verwendet.

Wenn du dich im agilen Projektmanagement bewegst, bist du sicher schon einmal über den Begriff des „agilen Manifests“ gestolpert. Aber weißt du, was es damit auf sich hat? In diesem Artikel schauen wir genauer hin und du erfährst, welche grundlegenden Werte und Prinzipien für agiles Arbeiten wichtig sind.

Was ist das agile Manifest?

Das agile Manifest enthält grundlegende Leitlinien für die effiziente Entwicklung von Software. Der Ansatz: Alle ineffizienten und überflüssigen Dinge sollen vermieden werden, zum Beispiel unnötige Dokumentation, ausufernde Besprechungen oder das starre Einhalten von Prozessen.

Im agilen Manifest sind 4 agile Werte und 12 agile Prinzipien enthalten. Alle agilen Vorgehensmodelle basieren auf diesen Werten und Prinzipien.

Die Originalversion kannst du hier abrufen: https://agilemanifesto.org/iso/de/manifesto.html

Die Geschichte des agilen Manifests

Drehen wir das Rad der Zeit etwas zurück und begeben uns in die frühen 1990iger Jahre – eine schwierige Zeit in der Software-Entwicklung. Wenn zwischen dem Beginn der Entwicklung und der Lieferung an den Kunden bis zu drei Jahre liegen, dann kann zu Recht von einer „application development crisis“ gesprochen werden. In drei Jahren sind viele Technologien nicht nur überholt, auch die Anforderungen des Kunden haben sich oft radikal geändert. Das Ergebnis: Viel Geld wurde zum Fenster herausgeworfen.

Zum Glück gab es eine Reihe schlauer Köpfe, die nach einer Lösung für dieses Problem gesucht haben: In kleinen und entspannten Treffen wurden Ideen ausgetauscht, um Software effizienter und einfacher zu entwickeln.

Der Durchbruch gelang 2001, genauer gesagt zwischen dem 11. und 13. Februar im Snowbird Ski Resort, Wasatch Mountains, Utah. 17 führende Köpfe der Software-Entwicklung haben dort nicht nur die Piste unsicher gemacht – es gab auch genügend Zeit für entspanntes Plaudern. Das Ergebnis: Das agile Manifest wurde geboren als das „Manifesto for Agile Software Development“.

Nicht erst seit diesem Datum erleben agile Ansätze einen ständigen Aufschwung. Heute ist „agil“ überall: in Teams, Projekten und Organisationen.

Nicht mehr nur Software

Agil ist nur in der Software-Branche zu Hause? Das stimmt so nicht ganz. Richtig ist: Das agile Manifest wurde von Vertretern der Software-Branche veröffentlicht, auch hat sich agiles Projektmanagement zuerst in der Software-Entwicklung durchgesetzt.

In der Originalversion des agilen Manifests ist ausdrücklich von Software die Rede („We are uncovering better ways of developing software by doing it and helping others do it.“)

Wie du in den folgenden Abschnitten sehen wirst, sind die formulierten Werte und Prinzipien jedoch universell einsetzbar. Ersetze „Software“ durch Begriffe wie „Produkt“ oder „Lösung“ – und schon lassen sich die agilen Ideen auf andere Branchen übertragen.

In den kommenden Abschnitten verwenden wir den allgemeinen Begriff „Produkt“. Je nachdem, in welcher Branche du dich bewegst, kannst du auch „Lösung“, „Dienstleistung“ – oder eben „Software“ verwenden.

Die 4 agilen Werte

Folgende vier Werte sind im agilen Manifest definiert:

  1. Individuen und Interaktionen haben Vorrang vor Prozessen und Werkzeugen: Würden wir uns zu sehr auf auf Prozesse und Tools verlassen, könnten wir weniger schnell auf Veränderungen reagieren. Stattdessen wird der Mensch in seiner Rolle als Entscheider höher gewichtet.
  2. Funktionsfähige Produkte haben Vorrang vor umfangreicher Dokumentation: Ist Dokumentation überflüssig? Auf keinen Fall. Der agile Wert betont jedoch, dass ein funktionierendes Produkt wertvoller als seine Dokumentation ist. Diese sollte nicht abgeschafft, aber auf das Nötigste reduziert werden. Der Ansatz: So viel wie nötig, nicht so viel wie möglich.
  3. Zusammenarbeit mit dem Kunden hat Vorrang vor Vertragsverhandlungen: Dieser agile Wert betont die Wichtigkeit, den Auftraggeber oder allgemein interne und externe Stakeholder während des gesamten Entwicklungsprozesses einzubinden. So kann regelmäßig Feedback eingeholt und sichergestellt werden, dass das finale Produkt den Vorstellungen entspricht. Der Ansatz: Wir reden nicht nur zu Beginn und bei der Abnahme des Projekts miteinander, sondern während der gesamten Projektlaufzeit.
  4. Das Reagieren auf Änderungen hat Vorrang vor striktem Einhalten eines Plans: In traditionell geplanten Projekten ist eine Einhaltung des Plans wünschenswert. Änderungen kosten oft Geld und sollten deshalb vermieden werden. Agile Projekte hingegen heißen neue Anforderungen und Änderungswünsche jederzeit herzlich willkommen. Der Ansatz: Wir möchten schnell auf geänderte Anforderungen reagieren können.

Wichtig: Es könnte fälschlich der Eindruck entstehen, laut agilem Manifest sind viele traditionelle Werte überflüssig. Das ist jedoch nicht der Fall – es bewertet lediglich andere Werte höher und plädiert für eine bedachten Einsatz von Prozessen, Dokumentation, Verträgen und Plänen.

Die 12 agilen Prinzipien

4 Werte sind schön und gut, aber geht es noch ein wenig konkreter? Ja, das geht: Die folgenden 12 Prinzipien basieren auf den Werten, hauchen ihnen gewissermaßen Leben ein und stellen konkrete Handlungsanweisungen dar. Schau dir an, nach welchen Prinzipien agile Projekte abgewickelt werden sollten:

  1. Oberste Priorität hat die Zufriedenheit des Kunden, indem wir frühzeitige und kontinuierlich wertvolle Produkte bereitstellen.
  2. Geänderte Anforderungen heißen wir willkommen, auch wenn sie erst spät im Entwicklungsprozess auftreten. Agile Prozesse nutzen Veränderungen zum Wettbewerbsvorteil des Kunden.
  3. Wir liefern regelmäßig funktionsfähige Produkte an den Kunden, in Zeiträumen zwischen einigen Wochen und einigen Monaten, wobei der kürzere Zeitraum bevorzugt wird.
  4. Manager und Entwickler müssen während des gesamten Projekts täglich zusammenarbeiten.
  5. Projekte werden rund um motivierte Personen gebaut. Wir geben ihnen das Umfeld und die benötigte Unterstützung und vertrauen darauf, dass sie ihre Arbeit erledigen.
  6. Persönliche Gespräche sind die effizienteste und effektivste Methode, um Informationen an und innerhalb eines Entwicklungsteams zu übermitteln.
  7. Der wichtigste Indikator zur Fortschrittsmessung sind funktionierende Produkte.
  8. Agile Prozesse fördern eine nachhaltige Entwicklung. Alle Beteiligten (Sponsoren, Entwickler und Benutzer) sollen in der Lage sein, auf unbestimmte Zeit ein konstantes Tempo beizubehalten.
  9. Agilität wird durch ein ständiges Augenmerk auf technische Exzellenz und gutes Design erhöht.
  10. Einfachheit ist essentiell und damit die Kunst, die Menge der nicht erledigten Arbeit zu maximieren.
  11. Die besten Architekturen, Anforderungen und Entwürfe entstehen in selbstorganisierten Teams.
  12. In regelmäßigen Abständen überlegt das Team, wie es effektiver werden kann, und passt sein Verhalten entsprechend an.

Werden in deinem Team oder Unternehmen die Prinzipien verfolgt, dann arbeitet ihr mit hoher Wahrscheinlichkeit agil. Aber wie genau? Welche Rollen, Abläufe und Verantwortlichkeiten gibt es? Solche Antworten gibt das agile Manifest nicht. Verstehe es vielmehr als eine Art Grundsatzdokument für agiles Arbeiten.

Fazit

Im agilen Manifest sind die grundlegenden Leitlinien für agile Projekte festgeschrieben. Vorgehensmodelle und Frameworks wie Scrum basieren auf den Werten und Prinzipien und schaffen einen konkreten Rahmen, in dem du dein Projekt abwickeln kannst. Um erfolgreich agil arbeiten zu können, sollte das Manifest von allen Beteiligten als eine Art Verhaltenskodex betrachtet werden – vom obersten Manager bis hin zum einzelnen Teammitglied.

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