5 Wege, um deine Mitarbeiter am Projektende unglücklich zu machen

erfolge-feiern-2Erinnerst du dich?

In der letzten Woche haben wir uns angeschaut, mit welchen Mitteln Projekterfolge gefeiert werden können. Vom kleinen „Danke“ bis hin zur Mega-Party ist alles erlaubt.

Doch man kann so einen Projektabschluss auch so richtig vermasseln. Dabei geht es nicht nur darum, das Feiern komplett zu vergessen, sondern auch darum, es nicht ganz richtig zu machen.

Schauen wir uns fünf typische Fehler einmal näher an:

1. Von einem Projekt ins nächste

Stell dir vor, du hast wie ein Irrer für ein Projekt geackert. Am Ende des Projektes (Durchatmen!) wirst du sofort einem neuen und fordernden Projekt zugewiesen.

Das ist Alltag, klar!

Aber fühlt sich das wie eine Belohnung an? Ganz sicher nicht. Du würdest dich vermutlich wie in einem Hamsterrad fühlen.

Die sofortige Zuweisung zum nächsten Projekt kann schnell als Strafe interpretiert werden, nach dem Motto: „Ich war gut – und als Strafe muss ich sofort wieder ran.“

Das ist nicht motivierend.

Eine kleine Verschnaufpause sollte immer drin sein. Das heißt nicht, dass die Mitarbeiter auf der faulen Haut liegen müssen. Aber es gibt sicher Aufgaben, die liegengeblieben sind und die erledigt werden müssen, und das ohne den Stress einer letzten Projektphase.

2. Geld zahlen

Ist Geld die passende Belohnung für gute Leistungen und abgeschlossene Projekte? Klar: Mehr Geld im Portemonnaie ist immer gut.

Die Frage ist nur: Fühlt es sich für den Mitarbeiter wie eine Belohnung an? Dass Geld nicht der treibende Faktor für die Motivation ist, ist allgemein bekannt. Wenn, dann wirkt der positive Effekt nur kurzfristig.

Der falsche Weg sähe in etwa so aus:

Ein Bonus wird zusammen mit der regulären Gehaltszahlung ausgeschüttet und erscheint als kleiner Zusatzposten auf der Abrechnung. Die Summe sieht im ersten Moment gut aus, relativiert sich allerdings bei einem Blick auf den Betrag nach Steuern.

Das ist wenig befriedigend.

Viel besser ginge es zum Beispiel so:

Dem Mitarbeiter wird ein hochwertig aufgemachtes Schreiben überreicht, vielleicht in Form einer Urkunde oder eines Zertifikats. Die Übergabe passiert nicht im Vorbeigehen, sondern von einem möglichst „hohen Tier“. Mit Schleife.

Übertrieben? Kann man so sehen! Geht es aber darum, Mitarbeiter wirklich zu belohnen und langfristig zu binden, dann ist dieses Vorgehen definitiv angemessen.

3. Nur im Erfolgsfall feiern

Natürlich: Jeder möchte gern einen Projekterfolg feiern. Was ist jedoch mit den vielen Projekten, die nicht erfolgreich abgeschlossen wurden?

Dass Projekte scheitern, ist leider Gottes nicht ungewöhnlich, sei es, weil der Geldhahn zugedreht oder falsch geplant wurde.

Unabhängig von der Begründung: Was ist mit den Mitarbeitern, die vielleicht schon Monate intensiver Arbeit in das Projekt gesteckt haben? Steht ihnen nicht in jedem Fall eine Aufmerksamkeit zu – unabhängig vom Projekterfolg?

Gewertschätzt werden sollte das Engagement und die Leistung, nicht ausschließlich der letztendliche Projekterfolg. Das gilt besonders dann, wenn die Gründe für das Scheitern des Projektes nicht beeinflusst werden konnten.

So ein Projektabschluss wirkt dann vermutlich nicht wie der große ausgelassene Paukenschlag. Aber er signalisiert den Teammitgliedern: „Hey, vielen Dank für eure Arbeit. Lasst uns für die Zukunft lernen.“

4. Nur selektiv belohnen

Ein Beispiel:

Du arbeitest seit langem in einem Projekt, und nur der andere Überflieger erhält Aufmerksamkeit, obwohl du ebenso viel Arbeit investiert hast. Fühlt sich das gut an? Eher nicht.

Achte als Projektleiter darauf, dass alle ein Stück vom Kuchen abbekommen!

5. Bis ganz zum Ende warten

Dieser letzte Punkt ist eine Erinnerung an eine Selbstverständlichkeit:

Gefeiert werden sollte nicht nur zum Abschluss eines Projektes. Das gilt ganz besonders für die Langläufer, die sich über viele Monate oder Jahre hinziehen.

Hier ist nicht die Rede von großen Events, Feiern oder Geschenken. Es sind die kleinen Aufmerksamkeiten, die die Motivation im Team hochhalten.

Es gibt IMMER etwas zu feiern und Wertschätzung zu äußern. Und dafür sollte auch immer Zeit sein. Sei es beim erreichten Meilenstein, dem fertigen Prototyp oder der Tatsache, dass Herr Müller gerade Opa einer süßen Enkeltochter geworden ist.

Fazit

Ob ein Mitarbeiter motiviert oder demotiviert aus einem Projekt in das nächste geht, kann direkt beeinflusst werden.

Schau dir an, welche positiven Möglichkeiten zur Wertschätzung du hast (siehe letzter Artikel) und vermeide die Fehler, die oben beschrieben wurden.

Zwei Effekte werden spürbar sein:

  1. Deine Mitarbeiter werden es dir danken.
  2. Etwas zu geben, macht Spaß!

Und da nicht nur am Projektende belohnt werden sollte (siehe Punkt 5!), kannst du auch sofort damit anfangen. Leg los!


Andrea Windolph ist als freiberufliche Autorin und Trainerin tätig, konzipiert Online-Trainings und unterstützt Unternehmen bei der Planung und Umsetzung von Projekten. Seit 2014 betreibt sie das Portal „Projekte leicht gemacht“, auf dem sie PM-Wissen vermittelt, das sowohl fundiert als auch leicht verständlich ist.
Andrea Windolph ist studierte Betriebswirtin und verfügt über langjährige Erfahrung in der IT-Branche und der Software-Entwicklung.
1 Antwort
  1. Peter
    Peter says:

    Gegenbeispiel zu Punkt 4: wer alle lobt, lobt keinen. Ist ähnlich wie bei den Prioritäten.

    Ich würde das Lob nicht am Projekterfolg festmachen, sondern diesen sehr wohl mit allen gemeinsam feiern. Aber ein Lob ist meines Erachtens nur dann wirksam, wenn sich der/die Gelobte damit ausgezeichnet fühlt. Dazu muss es aber etwas Besonderes sein. D.h. nur wenige werden gelobt und das Lob erfolgt öffentlich, also z.B. auf einer Abteilungssitzung, Weihnachtsfeier etc.

    Ach ja, Grundregel für alle Führungskräfte (im Projekt wie auch in der Linie): „Erwisch‘ sie, wenn sie gut sind!“ Ein Lob wird nur ernst genommen, wenn man selbst das Gefühl hat, einen guten Job gemacht zu haben. Ein aufmerksamer Chef findet immer wieder Beispiele dafür.

    Gruß
    Peter

    Antworten

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