Wie funktioniert die SMART-Formel?

Dieser Artikel ist Teil 4 von 10 der Serie Ziele

smart-formel

Nur wer sein Ziel kennt, findet den Weg.

(Lao-tse, Chinesischer Philosoph)

SMART … ist das nicht mittlerweile ein alter Hut? Kennt doch jeder! Wird in jedem Seminar und jeder Weiterbildung durchgekaut.

Komisch ist nur, dass trotzdem so viele Fehler bei der Formulierung von Zielen gemacht werden. Also ist es ja scheinbar doch nicht so einfach, oder?

Es kann nicht häufig genug betont werden, wie wichtig konkrete und messbar formulierte Ziele sind.

Warum ist die SMART-Formel wichtig?

Ganz einfach: Weil viele Ziele vorgegeben werden, die gar keine Ziele sind. Eher verkleidete Aktivitäten, die nur nach außen als Ziele dargestellt werden.

Beispiele gefällig?

  • Verbesserte Nutzeroberfläche
  • Geringere Herstellungskosten
  • Umsetzung so schnell wie möglich
  • Hohe Qualität
  • Umzug in neues Bürogebäude

Was passiert mit solchen Zielen am Ende des Projektes? Der Projektleiter ist der Meinung, das Projekt wäre abgeschlossen – der Auftraggeber ist ganz anderer Meinung. Wäre es nicht auch Zufall, wenn bei solch vage formulierten Zielen beide das gleiche Bild im Kopf hätten?

Okay. Das muss besser gehen. Und dabei hilft die SMART-Formel!

Wie ist die SMART-Formel aufgebaut?

Ganz einfach: Fünf Anfangsbuchstaben – fünf Kriterien, die ein gutes Ziel erfüllen sollte. Schau sie dir mal an:

S – Spezifisch

Ein Ziel sollte so genau und konkret wie möglich sein. Beispiel: “Bau eines Einfamilienhauses in Massivbauweise mit max. 125 qm Wohnfläche auf einem Grundstück in Hanglage mit Fertigstellung bis 30.11.2013.” statt “Bau eines Einfamilienhauses”.

M – Messbar

Wichtig ist hier die Nennung eines Mengengerüstes, einer Zeitangabe oder eines sonstigen messbaren Kriteriums. Ungünstige Formulierungen sind beispielsweise “möglichst niedrige Kosten”, “Erhöhung der Qualität”, “Ausbau des Marktanteiles” usw. All diesen Formulierungen fehlt ein konkretes messbares Kriterium. Beispiel: “Einhaltung des Projektbudgets von 300.000 Euro.” statt “Geringe Projektkosten”.

A – Akzeptiert

Ziele, die im Projektteam als unakzeptabel angesehen werden, haben wenig Aussicht auf Erfolg. Beispiel: “Verputzung des Einfamilienhauses mit rosafarbenem Putz und Anbringung eines Blümchenmusters.” mag vom Bauamt nicht akzeptiert werden im Gegensatz zu “Verputzung des Hauses im gleichen Farbschema wie das der Nachbarschaft.”

R – Realistisch

Dieses Kriterium hängt eng mit dem vorigen Punkt zusammen: Realistische Ziele werden leichter akzeptiert und motivieren deutlich stärker, als solche, die bereits im Vorfeld als unrealistisch angesehen werden. Beispiel: “Fertigstellung des Hauses bis 30.11.2013″ statt “Fertigstellung des Hauses bis Ende des kommenden Monats.”

T – Terminierbar

Ein einfaches Kriterium: Die Nennung einer Zeitangabe. Trifft nicht immer auf alle Ziele zu. Handelt es sich beispielsweise um ein rein finanzielles Ziel (z.B. Budget-Einhaltung) oder ein rein technisches (“dunkelrote Dachziegel”), spielt die Terminierbarkeit häufig keine Rolle. Terminziele werden häufig separat formuliert. Beispiel: “Einzugsfertiges Erdgeschoss bis 20.11.2013.” statt “Erdgeschoss früh bezugsfertig.”.

Müssen immer alle Kriterien der SMART-Formel erfüllt sein?

Wie so häufig gibt es nicht nur Schwarz und Weiß, sondern auch hier einen Graubereich: Nicht jedes Ziel muss wirklich jedes dieser Kriterien vollständig erfüllen.

Akzeptierte und realistische Ziele ergeben sich häufig wie von allein. Wer wählt schon Ziele aus, die ohnehin niemand erreichen kann? (Ich sehe praktisch, wie du dein Gesicht verziehst, weil dein Chef sehr wohl der Meinung ist, unrealistische Ziele vorgehen zu müssen. Aber das ist ein anderes Thema.)

Der Knackpunkt ist immer wieder die Messbarkeit: Woran kann ich messen bzw. prüfen, dass das Ziel tatsächlich erreicht wurde? Welche konkreten Zahlenwerte, Termine, Vergleichswerte kann ich nutzen?

Beispiele für die SMART-Formel

Schlecht: Ich will weniger rauchen.
Besser: Ab dem 1.5. Rauche ich keine einzige Zigarette mehr – bis zum Rest meines Lebens.

Schlecht: Die Stakeholder sollen informiert werden.
Besser: Alle in der Stakeholder-Analyse mit Priorität A gekennzeichneten Stakeholder erhalten jeweils zum Monatsende einen 2-seitigen Statusbericht mit Angaben über Soll- und Ist-Stand des Projektes und aktuelle Aktivitäten per Mail zugesendet.

Schlecht: Bessere Nutzerfreundlichkeit.
Besser: Die Usability der Software wird von mindestens 90% der Teilnehmer eines Usability-Tests mit „Sehr gut“ bewertet.

Schlecht: Umsatzsteigerung
Besser: Die Bruttoumsätze in der Produktkategorie „Damenhüte“ steigen im 2. Quartal des Jahres um mindestens 15% im Vergleich zum Vorjahr.

Schlecht: Einhaltung des Kostenrahmens
Besser: Das Projektbudget i.H.v. 100.000 Euro wird nicht überschritten.

Noch jede Menge weitere Beispiele erhältst du hier:

Fazit

Wenn die SMART-Formel wirklich ausgelutscht wäre, würden alle Projektziele dieser Welt perfekt formuliert werden – was aber nicht der Fall ist.

Nutze diese super-einfache Formel und prüfe, ob deine Ziele die Kriterien erfüllen. Sind sie Kriterien erfüllt – prima! Dann ist eine gute Basis für die weitere Arbeit geschaffen.

Einen weiteren spannenden Artikel zur SMART-Formel findest du hier: Smarte Ziele formulieren: So machst du es richtig (und so falsch machen es andere)

 

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Andrea Windolph ist als freiberufliche Autorin und Trainerin tätig, konzipiert Online-Trainings und unterstützt Unternehmen bei der Planung und Umsetzung von Projekten. Seit 2014 betreibt sie das Portal „Projekte leicht gemacht“, auf dem sie PM-Wissen vermittelt, das sowohl fundiert als auch leicht verständlich ist.
Andrea Windolph ist studierte Betriebswirtin und verfügt über langjährige Erfahrung in der IT-Branche und der Software-Entwicklung.
Weitere Artikel der Serie:<< Das Zielkreuz – Das beste Werkzeug zur Zielermittlung6 Tipps zur Zielformulierung im Projektmanagement >>
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  1. […] Überprüfe, ob es smart ist, also ob es für Dich wirklich stimmt – da es dafür unzählige Anleitungen gibt, habe ich Dir hier welche verlinkt […]

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