So motivierst du dein Team: Mit drei Faktoren zum Erfolg

Als Projektmanager hast du es definitiv nicht immer leicht. Nicht nur musst du dich selbst immer wieder motivieren, sondern auch deine Mitarbeiter benötigen häufig einen kleinen Schubs.

Oder?

Die Motivationslehre geht davon aus, dass Menschen nicht von außen motiviert werden können, sondern der Antrieb von innen heraus kommen muss.

Heißt das, du kannst nichts tun?

Im Gegenteil. Du kannst die Voraussetzungen schaffen, die hoher Motivation im Team zuträglich sind. Doch wo genau sollst du ansetzen? Gehaltserhöhungen? Gemeinsame Kegelabende? Öffentliches Lob?

Alles mehr oder weniger gute Ideen – doch die Basis für zufriedene und motivierte Mitarbeiter wird oft anderswo gelegt.

Die Forschung als Grundlage

2005 erschien ein bemerkenswertes Buch des Amerikaners David Sirota (The Enthusiastic Employee: How Companies Profit by Giving Workers What They Want ), der sich jahrelang intensiv mit Organisationen auseinandergesetzt und Umfragen von Millionen von Mitarbeitern als Basis für seine Arbeit genutzt hat.

Eine der Erkenntnisse seiner Forschungen kurz und knapp: Gebt den Mitarbeitern, was sie wollen!

Die Ausgangssituation

Vielleicht kennst du diese Situation von dir selbst: Du beginnst einen neuen Job oder ein neues Projekt – und deine Motivation ist unendlich hoch. Du willst Bäume ausreißen oder Berge versetzten. Laut Sirota ist diese hohe Motivation zu Beginn ganz natürlich und muss nicht künstlich herbeigeführt werden. (Ja, wir kennen auch Gegenbeispiele. Aber dann ist schon frühzeitig einiges gehörig schief gelaufen.)

Jedoch …

Nach und nach sinkt die Motivation. Nicht aus ebenso natürlichen Gründen, sondern aufgrund von mangelhafter Unterstützung im Unternehmen, den immer wiederkehrenden Problemen und Abläufen, fehlender Unterstützung des Managements. Irgendwie ist doch alles überall gleich – gleich zäh und anstrengend.

Die Begeisterung ist dahin – bis irgendwann mit hoher Motivation ein neues Projekt gestartet wird.

Wie also kann diese natürliche Anfangs-Motivation auf Dauer erhalten werden?

Die wichtigsten Prinzipien

Sirota entwickelte die Drei-Faktoren-Theorie, die sehr schön beschreibt, wie optimale Voraussetzungen für Motivation geschaffen werden können.

Diesen Überlegungen liegen drei Prinzipien zugrunde:

  • Die Ziele der Organisation stehen nicht in Konflikt zu den Zielen des Mitarbeiters: Im Zweifel tendieren Mitarbeiter dazu, ihre eigenen Bedürfnisse in den Vordergrund zu stellen. Selbst wenn nicht, verursacht ein Interessenskonflikt Unbehagen und Stress.
  • Mitarbeiter haben Grundbedürfnisse, die von der Organisation erfüllt werden sollten: Umgang, Sicherheit und Bezahlung sind nur ein paar der essentiellen Punkte.
  • Begeisterte und engagierte Mitarbeiter sind ein Wettbewerbsvorteil: Am Ende ist es nicht die Technik, die ein Unternehmen vorantreibt, sondern immer die Menschen. Smarte Unternehmen verstehen dies und handeln entsprechend.

Doch das waren nur die grundlegenden Erkenntnisse. Was bedeuten diese in der Praxis? Schau dir jetzt die drei wichtigen Faktoren an, mit denen die Motivation von Mitarbeitern laut Sirota dauerhaft am Leben erhalten werden kann:

Faktor 1: Gerechtigkeit und Fairness

Mitarbeiter wollen fair behandelt werden!

Dieser Faktor bezieht sich nicht nur auf eine Gleichbehandlung aller Mitarbeiter, wobei auch diese selbstverständlich eine Rolle spielt. Wichtig ist ebenso die Frage, ob ein angemessenes Verhältnis zwischen geleisteter Arbeit besteht und dem, was der Mitarbeiter zurückbekommt – und das können ganz grundlegende (und eigentlich selbstverständliche) Dinge sein:

  • Sorgt das Unternehmen für die körperliche Sicherheit, z.B. bezüglich der Arbeitsbedingungen?
  • Bewegt sich die oft beschworene Work-Life-Balance in einem sinnvollen Rahmen?
  • Wird offen und ehrlich kommuniziert?
  • Werden Kündigungen nachvollziehbar begründet?
  • Werden angemessene Gehälter gezahlt?
  • Werden Mitarbeiter für gleiche Arbeitsleistungen gleich entlohnt?
  • Herrscht eine respektvolle Atmosphäre?

Faktor 2: Leistung und Erfolg

Mitarbeiter wollen nützliche, wichtige Aufgaben erledigen und dafür anerkannt werden!

Kaum jemand wird dauerhaft motiviert sein, wenn seine Arbeitsaufgabe langweilig, wenig fordernd und zu allem Überfluss auch noch nutzlos ist.

Die wichtigsten Ansätze dieses Faktors lauten daher wie folgt:

  1. Schaffe eine ansprechende Arbeitsumgebung: Achte darauf, dein Team möglichst wirkungsvoll einzusetzen. Vermeide widersprüchliche Ziele, zu viel Bürokratie und Micromanagement. Versuche stattdessen, Vertrauen und so viel Freiheit wie angemessen zu verteilen.
  2. Verteile anspruchsvolle Aufgaben: Manche Aufgaben müssen erledigt werden, auch wenn sie langweilig sind. Erledigt jedoch immer nur ein Teammitglied diese Dinge, wird dies auf Dauer unzufrieden machen. Jongliere mit Tasks und den Fähigkeiten deiner Mitarbeiter und überlege immer mal wieder, ob du mit einer anderen Verteilung einen neuen Reiz setzen könntest. Das schöne ist: Selten sind alle Mitarbeiter auf einem Level und nicht jeder kann alles – es gibt also immer Raum für neue Ansätze.
  3. Nutze Feedback, Anerkennung und Belohnungen: Der Klassiker! Woher sollen deine Leute wissen, dass du mit ihnen zufrieden bist, wenn du es ihnen nicht sagst? Achte darauf, Leistungen angemessen zu würdigen und behalte immer im Hinterkopf, dass es dir auch gut tut, solche Worte zu hören.
  4. Schaffe Prinzipien und Sinnhaftigkeit: Zugegeben … in deinem Projekt wirst du nicht immer die Wahl haben. Nicht jeder kann mit seinen Projekten die Welt retten. Und doch: Hebe immer wieder den Nutzen des Projektes hervor, um deinen Mitarbeitern aus dem Motivationsloch zu helfen. Und wenn alle, selbst du, an der Sinnhaftigkeit zweifeln, dass Management aber unbedingt das Projekt durchgeführt sehen will? Dann hast du ein Problem! Wir haben allerdings auch schon Situationen erlebt, in denen Projektmitarbeiter ganz deutlich gesagt haben, sie tun das alles nur für das Team oder ihren Chef – um niemanden hängen zu lassen. Im Zweifelsfall kann selbst dies eine Motivation sein. Und damit kommen wir gleich zum nächsten Faktor:

Faktor 3: Kameradschaft

Mitarbeiter wollen positive Beziehungen mit ihren Kollegen haben!

Arbeitsaufgaben können noch so anspruchsvoll und spannend sein: In einem unangenehmen Umfeld geht jeder Spaß verloren. Als motivierend gelten nach Sirotas Untersuchungen folgende Punkte:

  • Teamwork und Interaktion zwischen den Mitarbeitern ist wünschenswert.
  • Positive Leistungen als Team sollten hervorgehoben werden.
  • Werte wie Respekt und Ehrlichkeit sollten promotet werden.
  • Grundlegende Teamregeln sind oft hilfreich.
  • Konflikte sollten nicht unter den Teppich gekehrt, sondern mittels Konfliktlösungsmethoden offen angegangen werden.

Fazit

Gerechtigkeit und Fairness, Erfolg und Anerkennung, Kameradschaft: Jeder dieser Faktoren mag simpel und selbstverständlich klingen – die Umsetzung ist jedoch nicht immer leicht.

Obwohl Sirotas Untersuchungen sich auf komplette Organisationen und nicht auf einzelne Projekte beziehen, sind sie für Projektmanager anwendbar. Und wenn es nur dabei hilft, ab und zu an Selbstverständlichkeiten zu denken, wie deine Leute für einen erreichten Meilenstein zu loben.

Du willst mehr lesen?

The Enthusiastic Employee: How Companies Profit by Giving Workers What They Want
  • David Sirota, Douglas Klein
  • Pearson FT Press
  • Kindle Edition
  • Auflage Nr. 2 (24.07.2013)
  • Englisch

Andrea Windolph ist als freiberufliche Autorin und Trainerin tätig, konzipiert Online-Trainings und unterstützt Unternehmen bei der Planung und Umsetzung von Projekten. Seit 2014 betreibt sie das Portal „Projekte leicht gemacht“, auf dem sie PM-Wissen vermittelt, das sowohl fundiert als auch leicht verständlich ist.
Andrea Windolph ist studierte Betriebswirtin und verfügt über langjährige Erfahrung in der IT-Branche und der Software-Entwicklung.

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