Eat that Frog

Iss einen Frosch und dein Tag wird großartig!

Eat that FrogStell dir vor, auf deinem Teller lieg ein lebendiger Frosch. Bereit, von dir verspeist zu werden.

Nichts gegen Frösche (die können sogar sehr niedlich sein!): Aber lebendig essen? Leicht glitschig, vielleicht frisch aus dem Schlamm?

Keine sonderlich erbauliche Aussicht.

Stell dir vor, du wärst gezwungen, diesen Frosch zu essen. Wäre es nicht gut, das so schnell wie möglich hinter sich zu bringen?

Genau diesen Ansatz verfolgt das bekannte „Eat that frog“-Prinzip, wenn es darum geht, deinen Arbeitstag zu gestalten. Falls du es noch nicht kennst – in diesem Artikel erfährst du mehr!

Was ist ein Frosch?

„Eat that Frog“ ist eine Aufforderung an dich, die schwierigste und wichtigste Aufgabe des Tages als allererstes zu erledigen – bevor du dich mit irgendwelchen anderen Dingen beschäftigst.

Aber warum ausgerechnet ein Frosch? Die Formulierung wurde an ein Zitat von Mark Twain angelehnt:

“Eat a live frog first thing in the morning and nothing worse will happen to you the rest of the day.”

Anders ausgedrückt: Erledige das Schlimmste am Morgen – schlimmer kann es nicht werden.

Betrachte deinen Frosch also als etwas hässliches und widerliches auf deinem Teller – die größte, schwierigste und herausforderndste Aufgabe des Tages.

Oder um es noch einmal mit Mark Twain zu sagen: Falls du zwei Frösche essen musst, dann iss den Größten zuerst.

Was passiert, wenn du deinen Frosch schon morgens isst.

Vielleicht kennst du auch dieses eigenartig angespannte Gefühl, das dich den ganzen Tag begleitet. Mit dem du womöglich schon am Vorabend ins Bett gegangen bist. Vielleicht ist es ein unangenehmes Telefonat, das du aufschiebst, oder eine komplizierte Präsentation, die du vorbereiten musst.

Fakt ist: Solange sie nicht erledigt ist, verfolgt dich die Aufgabe wie ein dunkler Schatten. Du magst nicht an ihr arbeiten, aber sie ist da!

Nun stell dir vor, du hättest es hinter dich gebracht. Fühlst du dich nicht automatisch ein ganzes Stück leichter?

Genau das bringt dir das „Eat that Frog“-Prinzip:

  • Du hast die schwierigste Aufgabe gemeistert.
  • Du bist stolz auf dich, weil du dich überwunden hast.
  • Du hast den Kopf frei für andere Aufgaben.
  • Du hast das gute Gefühl, an etwas Wichtigem gearbeitet zu haben, statt belanglosen Kleinkram zu erledigen.
  • Es gibt dir Schwung für den restlichen Tag.

Wie identifizierst du deinen Frosch?

Doch was ist die wichtigste Aufgabe? Gleich vorab: Es muss nicht immer die dringendste sein. Im Gegenteil sind die dringendsten Aufgaben sogar oft die, die langfristig die geringsten Effekte haben und die von außen auf uns einprasseln.

Diese kurzen Leitfragen helfen dir dabei, den wichtigsten Frosch zu identifizieren:

  1. Welches sind meine Aktivitäten mit der höchsten Auswirkung auf meine persönliche und berufliche Entwicklung?
  2. Für was genau werde ich bezahlt? Oder alternativ für Selbständige: Warum existiert mein Unternehmen – und was kann ich für meine Kunden tun? Konzentriere dich auf die Aufgaben, die wirklich zu deinem Job gehören, statt dich von Nebenschauplätzen ablenken zu lassen.
  3. Was kannst du (und nur du!) tun, das einen wirklichen Unterschied macht? Jeder von uns hat seine Stärken. Vielleicht kann eine Kollege eine Aufgabe ebenso gut wie du erledigen. Frage dich, an welchen Aufgaben wirklich du arbeiten solltest.
  4. Wie kann ich jetzt, in diesem Moment, meine Zeit am wertvollsten einsetzen?

Denke immer daran … du wirst nie genügend Zeit haben, ALLES zu tun. Scheinbar wichtige Dinge werden immer wegfallen – umso wichtiger ist es, die essentiellen Aufgaben zu identifizieren, die dich wirklich voranbringen. Es wäre doch schade, die Zeit mit Kleinigkeiten zu verbringen, um am Ende festzustellen, dass du etwas Wichtigeres hättest tun können.

Wie isst du deinen Frosch am besten?

Hier findest du eine praktisches Rezept für deinen persönlichen Frosch:

  1. Wähle deine wichtigste Aufgabe schon im voraus aus, am besten am Arbeitstag zuvor. Gehe mit dem sicheren Gefühl nach Hause, genau diesen Frosch gleich am Morgen verspeisen zu wollen. Betrachte es als festen Termin, der nicht verschoben werden kann.
  2. Beginne am nächsten Morgen als allererstes, den Frosch zu verspeisen. Bleibe bei deiner Entscheidung und gib dem Drang nicht nach, „noch kurz die Emails zu lesen“. Andere Frösche können warten.
  3. Spiele nicht mit deinem Essen herum und höre nicht damit auf, bis der Teller leer ist. Anders ausgedrückt: Arbeite konzentriert und lasse dich nicht ablenken, bis die Aufgabe erledigt ist.
  4. Fühl dich gut! Belohne dich für die große Leistung, den Frosch heruntergewürgt zu haben!
  5. Nutze das gute Gefühl für den Rest des Tages – vielleicht indem du dir gleich noch einen Frosch servierst.

Ein simples Konzept, oder? Doch wenn es so einfach wäre, würden wir alle nur noch Frösche essen. Stattdessen gibt es laute innere Stimmen in uns, die uns andere Dinge tun lassen:

Typische Einwände

Aber ich muss doch zuerst

… Emails lesen … Berichte auswerten … Blumen gießen … meinen Kalender prüfen … was auch immer.

Jeder von uns hat seine Vorlieben, unliebsamen Aufgaben aus dem Weg zu gehen. Manche von ihnen sind offensichtliche Ablenkungen (Blumen? Kaffee?), andere klingen sinnvoll – oder solltest du nicht schauen, ob dein Chef dir gestern Abend noch eine Email geschickt hat?

Klare Antwort: Nein. Das solltest du nicht. Du hast deinem Frosch eine hohe Priorität gegeben und solltest diese auch einhalten. Was, wenn du eine Stunde später ins Büro gekommen wärst und erst dann deine deine Mails lesen könntest? Dann würde die Welt sich auch weiter drehen. Dementsprechend kannst du diese Zeit auch dafür verwenden, dich um deinen Frosch zu kümmern.

Mein Frosch ist zu groß für einen einzigen Morgen!

Und das ist ein Grund, gar nicht erst damit anzufangen? Wohl kaum. Breche den Frosch in Zwischenziele auf – als Projektleiter hast du damit doch Erfahrung.

Mein Frosch ist später am Tag!

Vielleicht ist dein Frosch ein bestimmter Termin, oder du kannst einen schwierigen Kunden erst gegen Mittag erreichen. Auch wenn es diese Einschränkungen von außen gibt, kannst du das „Eat that frog“-Prinzip anwenden: Sorge dafür, dass dieser Frosch zu diesem Zeitpunkt auch wirklich erledigt wird – ohne Ausreden, ohne Aufschieben.

Fazit

„Eat that Frog“ ist nur eines von 21 Prinzipien, das Brian Tracy in seinem Buch beschreibt, um „sein Zaudern zu überwinden und in weniger Zeit mehr zu erledigen.“ Obwohl viele dieser Grundregeln bekannt sind, ertappen wir uns ehrlich gesagt selbst immer wieder dabei, sie zu brechen.

Umso spannender ist es, ab und zu in das Buch hineinzulesen – oder zu hören.

In diesem Sinne: Was ist dein größter Frosch? Und bist du bereit, ihn zu verspeisen?

Lust auf mehr? Dann wirf einen Blick in das Buch!

Eat that frog (GABAL Business)
  • Brian Tracy, Frank M. Scheelen
  • Herausgeber: GABAL
  • Auflage Nr. 10 (01.04.2002)
  • Gebundene Ausgabe: 112 Seiten

… oder wie wäre es mit einem Hörbuch auf dem Weg zur Arbeit?




Andrea Windolph ist als freiberufliche Autorin und Trainerin tätig, konzipiert Online-Trainings und unterstützt Unternehmen bei der Planung und Umsetzung von Projekten. Seit 2014 betreibt sie das Portal „Projekte leicht gemacht“, auf dem sie PM-Wissen vermittelt, das sowohl fundiert als auch leicht verständlich ist.
Andrea Windolph ist studierte Betriebswirtin und verfügt über langjährige Erfahrung in der IT-Branche und der Software-Entwicklung.

8 Kommentare
  1. Jeanette Ottmar
    Jeanette Ottmar says:

    Liebe Andrea,
    was für eine Bereicherung dein newsletter doch jedesmal wieder ist. Mir gefällt vor allem die Mischung aus professionellen Themen und deinem persönlichen Sti – ein echter Lesespaß mit Tiefgang.Und plötzlich schmecken die Frösche gar nicht mehr ganz so schlimm….
    Weiter so!
    Jeanette

    Antworten
    • Andrea
      Andrea says:

      Hallo Jeanette,

      vielen Dank für die lieben Worte! Das nehme ich mal als Motivation mit, genau auf diese Weise weiterzumachen 🙂

      Viele Grüße
      Andrea

      Antworten
  2. S. P.
    S. P. says:

    Um beim Beispiel Essen zu bleiben: Schwere Kost verdaulich aufbereitet …
    Vor kurzem habe ich deine Seite entdeckt und mit jedem Artikel wächst meine Begeisterung!

    Antworten
  3. Dr. Gabriele Frings, Schreibtrainerin
    Dr. Gabriele Frings, Schreibtrainerin says:

    Hallo Andrea,

    tja, den Frosch auf dem Teller kennt wohl jeder, auch die Ablenkungsmöglichkeiten (E-Mails, Netzwerke etc. etc.), wirklich Messer und Gabel in die Hand zu nehmen und mit dem Mahl zu beginnen. Ich als Schreiberin schlage diesen Möglichkeiten ein Schnippchen, indem ich für meine Schreibaufgaben ein Laptop ohne Internetanschluss benutze. Das hilft garantiert, an einem Text vom Anfang bis zu seinem Ende dranzubleiben. 🙂
    Liebe Grüße
    Gabriele

    Antworten
    • Andrea
      Andrea says:

      Hallo Gabriele,

      das Internet auszuschalten ist auch einer meiner absoluten Erfolgsfaktoren! Es ist regelrecht wohltuend, sich bewusst abzukoppeln.

      Viele Grüße
      Andrea

      Antworten
  4. Silvia
    Silvia says:

    Liebe Andrea,
    danke für den super Artikel und die klare Sprache.
    Jeden Tag ein Frosch und der Rest läuft. Gerade das Erfolgserlebnis bzw. die Entspannung nach dem Frosch ist ein richtiger Energieschub ;-).
    Wünsche dir viel Spaß beim Froschessen!

    Gruß
    Silvia

    Antworten

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