Bedürfnispyramide Maslow

Bedürfnispyramide nach Maslow: Was du als Projektleiter wissen musst

Bedürfnispyramide MaslowWas motiviert dich?

Ist es vielleicht Geld, Status, der Wunsch nach Anerkennung? Oder ziehst du deine Befriedigung aus herausfordernden Aufgaben?

Bestimmt hast du schon einmal von Maslows Bedürfnispyramide gehört. Dieses Modell versucht auf einfache Weise, die Grundmotivationen von Menschen zu erklären.

In diesem Artikel lernst du noch einmal die Grundlagen des Modells kennen und erfährst, wie es auf Projekte und Projektmitarbeiter angewendet werden kann.

Die Bedürfnispyramide

Die Bedürfnispyramide nach Maslow ist ein Modell, das menschliche Bedürfnisse und Motivationen beschreibt.

Das Modell geht davon aus, dass die menschlichen Bedürfnisse hierarchisch angeordnet sind. Nur wenn eine Ebene erfüllt ist, treten neue Bedürfnisse einer höheren Ebene in den Vordergrund.

Bedürfnispyramide

Die Ebenen werden wie folgt beschrieben:

Physiologische Bedürfnisse

Dies sind die grundlegendsten und mächtigsten aller Bedürfnisse, wie Nahrung, Schlaf, körperliche Unversehrtheit. Sind diese nicht erfüllt, machen sie sich sehr stark auf einer körperlichen Ebene bemerkbar und lassen andere Bedürfnisse in den Hintergrund treten.

Sicherheitsbedürfnisse

Die Freiheit von Angst, sowie der Wunsch nach Sicherheit und Stabilität gehören zu den Sicherheitsbedürfnissen. Im Arbeitsleben sind Faktoren wie Kündigungsschutz und sicherer Arbeitsplatz von Bedeutung.

Zugehörigkeitsbedürfnisse / Soziale Bedürfnisse

Menschen haben einen starken Drang nach Beziehungen zu anderen Menschen und Zuneigung. Im Arbeitsleben beziehen sich die Bedürfnisse auf Teamarbeit und Kommunikation.

Achtungsbedürfnisse / Individualbedürfnisse

Anerkennung, Wertschätzung, Macht, Stärke, hohe Bezahlung und Statussymbole sind Bedürfnisse, die auf dieser Ebene in der Arbeitswelt von Bedeutung sind.

Selbstverwirklichung

Bedürfnisse auf dieser Ebene liegen in dem Wunsch, das eigene Potenzial voll auszuschöpfen und sinnstiftend zu arbeiten.

Kritik an der Bedürfnispyramide

Wie bei allen Modellen gibt es jede Menge Kritik – und so auch hier. Besonders wird häufig auf die Vereinfachung eingegangen: Kann menschliches Verhalten wirklich in einem so einfach strukturiertem Modell abgebildet werden?

Weitere Kritikpunkte:

  • Die Ebenen lassen sich nicht eindeutig und scharf voneinander trennen. Menschen funktionieren unterschiedlichen und würden ihre unterschiedlichen Bedürfnisse in jeweils verschiedene Schubladen einsortieren.
  • Die Anwendbarkeit der Ebenen hängt stark von den individuellen Möglichkeiten des Einzelnen ab.
  • Oft wird die Hierarchie generell infrage gestellt: Bei manchen Menschen mag eine höhere Ebene deutlich stärker ausgeprägt sein als eine untere, Reihenfolgen scheinen umgekehrt zu werden.

Bei aller Kritik – vielleicht hilft dir auch folgender Denkansatz: Maslow’s Modell ist eben genau dies – ein Modell. Theoretische Modelle vereinfachen immer und sind selten auf jeden Einzelnen hundertprozentig anwendbar. Trotzdem bieten sie Denkanstöße und Erklärungsversuche. Ziehe dir einfach die Informationen heraus, die dir sinnvoll erscheinen.

Die Bedürfnispyramide im Projektmanagement

Die in der allgemeinen Bedürfnispyramide genannten Bedürfnisse können auch konkret auf Projekte und Projektmitarbeiter übertragen werden. Die Ebenen sind die gleichen – die Inhalte speziell auf Projekte angepasst.

Die nächsten beiden Abschnitte beantworten zwei Fragen:

  • Welche Bedürfnisse hat ein Projektmitarbeiter?
  • Und was braucht ein Projekt, um gut zu funktionieren?

Ebenen für Projektmitarbeiter

Die folgenden Bedürfnisse gelten genau genommen nicht nur für Teammitglieder in Projekten, sondern generell für Mitarbeiter. In der Tabelle findest du jeweils die Bedürfnisebene und eine Erläuterung, wie sich diese im Arbeitsalltag auswirken:

Physiologische BedürfnisseGrundlegende Anforderungen an die Arbeitsumgebung: Ergonomie, gute Möglichkeiten zur Pausengestaltung, etc.
SicherheitsbedürfnisseElementare Sicherheit, Arbeitssicherheit, Gehalt. Aber auch: Verlässlichkeit der Kollegen und des Projektleiters und das Vorhandensein von passenden Werkzeugen zur Erfüllung der Aufgaben
Soziale BedürfnisseRegelmäßiger Austausch mit Team-Mitgliedern und Vorgesetzten, regelmäßige Meetings, Feiern von gemeinsamen Erfolgen, angenehme Arbeitsatmosphäre
AchtungsbedürfnisseWertschätzung für erledigte Aufgaben, Gefühl der eigenen Wichtigkeit für das Projekt
SelbstverwirklichungBerücksichtigung der individuellen Ziele beim Zuweisen von Aufgaben, Fördern von Entwicklung und Wachstum des einzelnen Mitarbeiters

Wie in der allgemeinen Bedürfnispyramide sollte auch hier darauf geachtet werden, in jedem Fall die Basisbedürfnisse sicherzustellen. Schafft man als Projektleiter Rahmenbedingungen, die es dem Mitarbeiter ermöglichen, auch die höheren Ebenen der Pyramide zu befriedigen, so erhöht dies sowohl Motivation als auch Loyalität. Desto höher in der Pyramide, um so besser.

Erreicht man gar die höchste Ebene, die Selbstverwirklichung, so wird sich der Mitarbeiter persönlich zu 100% mit den Zielen seiner Teilaufgaben im Projekt identifizieren. Zugegebenermassen ist dies ein Idealzustand, der in der Regel nicht, oder meist nicht vollständig zu erreichen ist. Doch auch wenn der Idealzustand unerreicht bleibt, jeder noch so kleine Schritt in diese Richtung hilft dem Mitarbeiter und dem Projekt.

Ebenen für das Projekt

In der zweiten Herangehensweise betrachten wir nicht den Mitarbeiter als Einzelnen, sondern das gesamte Projekt. Welche Bedürfnisse hat das Projekt an sein Umfeld, um „funktionieren“ zu können?

Physiologische Bedürfnisse – Ressourcen Bedarf an Budgets, Personal, Zeit und Sachressourcen
Sicherheitsbedürfnisse – StabilitätBedürfnis nach stabilen Anforderungen, sicheren Arbeitsbedingungen, reibungslosen Prozessen und Unabhängigkeit von Umstrukturierungen
Soziale Bedürfnisse – Unternehmensnutzen Bedürfnis, gemeinsam mit anderen Projekten einen positiven Beitrag zum Unternehmenserfolg zu leisten
AchtungsbedürfnisseBedürfnis nach einer robusten Planung und Ausführung und herausfordernden Zielen; Bedürfnis nach Prestige
Selbstverwirklichung – LieferungPünktlicher Abschluss des Projekte innerhalb des Budgets; Ausnutzen von Chancen und Lieferung von zusätzlichen Features ohne Zusatzkosten

 

Was solltest du daraus mitnehmen? Wann immer es irgendwo knirscht und nicht ganz rund läuft: Frage dich, ob die einzelnen Ebenen der Pyramide erfüllt sind und steuere wenn nötig gegen.

Fazit

Trotz aller Kritik: Maslows Bedürfnispyramide ist ein leicht verständliches Modell, das menschliche Bedürfnisse erklärt. Es lässt sich leicht auf ganze Projekte sowie einzelne Projektmitarbeiter anwenden. Projektleiter und Geschäftsführung sollten auf die Erfüllung der Bedürfnisse achten – es wird sich positiv in der Stimmung im Team und in den Leistungen niederschlagen.

Andrea Windolph ist als freiberufliche Autorin und Trainerin tätig, konzipiert Online-Trainings und unterstützt Unternehmen bei der Planung und Umsetzung von Projekten. Seit 2014 betreibt sie das Portal „Projekte leicht gemacht“, auf dem sie PM-Wissen vermittelt, das sowohl fundiert als auch leicht verständlich ist.
Andrea Windolph ist studierte Betriebswirtin und verfügt über langjährige Erfahrung in der IT-Branche und der Software-Entwicklung.
2 Kommentare
  1. Friederike Matheis
    Friederike Matheis says:

    Liebe Andrea, das war wieder einmal ein schöner und sehr alltagstauglicher Beitrag von Dir. Auch wenn ich diese Maslow’sche Pyramide schon seit vielen Jahren kenne (und im Bereich Kommunikations-Training nutze), hat mir gerade die ausführliche Umsetzung auf das Thema Projektmanagement gut gefallen.Danke !

    Antworten

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