Der Mensch ist ja ein Gewohnheitstier.

Er ist in seiner eigenen Denkweise oft recht starr verankert.

Ein kleines Beispiel

Genau das habe ich in einem Meeting kürzlich wieder erlebt. Es sollten Ideen für die Optimierung eines bestehenden Online-Shops für Mode gesammelt werden.

Es entspann sich in etwa folgender Dialog:

Kommt dir so etwas bekannt vor?

Glaube mir: Beide Parteien haben das Meeting wenig zufrieden verlassen. Durchaus verständlich:

A hat ambitionierte Ideen und möchte einen Schritt nach vorn gehen. Er fühlt sich blockiert und ausgebremst von B. Die Ambitionen sollten wir B auch gar nicht absprechen! Er denkt nur gleich weiter und schaut, welche Probleme bei der Umsetzung auftreten könnten. Er hat das Gefühl, dass Einwände und Bedenken nicht gehört werden und die Probleme dann (wie immer) während der Umsetzung auftreten.

Die gute Nachricht ist:

Die Einstellungen und Ansichten beider Parten sind wertvoll und nützlich. Bringt es uns was, wenn wir nur hochfliegende Ideen haben, diese aber immer auf’s Neue während der Umsetzung kollabieren? Oder aber auf ewig Ideen bleiben, ohne dass überhaupt etwas passiert?

Genauso wenig bringt es uns etwas, wenn es zwar Ideen gibt, diese aber immer sofort kaputt geredet werden.

Um gegenseitiges Verständnis aufzubauen und auch mal über den Tellerrand zu blicken, existiert eine sehr schöne Methode, die Personen dazu zwingt, eben mal anders zu denken. So dass andere Perspektiven eingenommen und der berühmte „Blick über den Tellerrand“ gewagt wird.

Die Disney-Methode

Die Disney-Methode ist eine Kreativitätstechnik, die auf dem Konzept des Rollenspiels basiert. Zielstellung ist das Betrachten eines Problems aus unterschiedlichen Perspektiven. Die Technik zwingt die Teilnehmer, einen Sachverhalt aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten, als es ihrer üblichen Persönlichkeitsstruktur entspricht.

Die Disney-Methode wurde tatsächlich von Walt Disney begründet. Nett: Sie kann allein oder im Team durchgeführt werden.

Im ersten Schritt wird die Fragestellung, das Problem oder das Ziel möglichst konkret formuliert. Anschließend wird es aus unterschiedlichen Sichtweisen näher beleuchtet. Kernpunkt ist das Einnahmen von drei verschiedenen Rollen:

Die Rollen

Der Träumer

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Der Träumer geht davon aus, dass alles möglich ist. Er sieht keine Risiken und Probleme, sondern geht von einer idealen Welt aus. In dieser Rolle darf (und soll sogar!) ohne Grenzen fantasiert werden.

Diese Rolle fällt visionär veranlagten Menschen erfahrungsgemäß besonders leicht. Eher grüblerische Menschen müssen sich in dieser Rolle dazu zwingen, wirklich frei zu denken, statt in typische „Ja, aber …“-Haltungen zu verfallen.


Der Realist (auch: Der Macher)

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Der Realist betrachtet das Thema von der praktischen Seite:

  • Wie können wir das umsetzen?
  • Was ist alles zu tun?

Diese Rolle denkt weder überschwänglich positiv, noch übt sie Kritik, so ziemlich neutral eben.


Der Kritiker

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Als dritte Person kommt die Rolle ins Spiel, die visionär denkende Menschen zur Verzweiflung bringt: Der Kritiker tut das, was der Rollenname verspricht – er übt Kritik. Wo lauern Probleme? Welche Stolpersteine und Widersprüche gibt es?

Je nach Persönlichkeitsstruktur der Teilnehmer kann das Einnehmen der unterschiedlichen Rollen recht schwerfallen. Sehr kritische Menschen tun sich häufig schwer mit der Rolle des Träumers, während die Visionäre oft Probleme haben, kritische Punkte zu sehen.


Der Ablauf

Allein

Das schöne an dieser Methode ist, dass man sie ganz wunderbar allein als Gedankenspiel durchführen kann. Der Ablauf ist sagenhaft einfach:

Versetze dich einfach nacheinander in diese drei Rollen. Vielleicht hilft es dir, eine Mindmap zu verwenden mit drei Hauptzweigen für die drei Rollen.

Da du allein bist, ist es besonders wichtig, dass du auf die Einhaltung der Regeln achtest. Der Mensch ist nun einmal so gestrickt, dass er bevorzugt in bestimmte Denkweisen verfällt.

Tipp: Nutze einen Timer und zwinge dich, für einen bestimmten Zeitraum in einer bestimmten Rolle zu bleiben.

Im Team

Wird die Methode im Team durchgeführt, sollte jeder Teilnehmer jede Rolle einmal einnehmen, um eine möglichst umfassende Beurteilung zum Sachverhalt zu erhalten.

Zusätzlich sollte ein neutraler Beobachter beteiligt sein, der den Prozess moderiert und die Gedanken der Teilnehmer festhält. Dieser Beobachter sollte auch auf die Einhaltung der Regeln und Rollen achten.

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Das Ergebnis

Die Disney-Methode führt zunächst dazu, dass ein Problem oder ein Sachverhalt aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet wird. Konkrete Schlussfolgerungen für Handlungen gehören nicht zur eigentlichen Methode, sollten aber natürlich trotzdem bedacht werden. Sonst wäre das Ganze zwar vermutlich eine nette Veranstaltung gewesen, aber Ergebnisse fehlen.

Egal, ob du die Disney-Methode also allein oder im Team durchführst: Sorge dafür, dass die Ergebnisse in irgendeiner Form verwertet werden.

Sinnvoll ist die Erstellung einer Liste, in der folgende Fragen beantwortet und mit Verantwortlichkeiten hinterlegt werden:

  • Welche Träumer-Ideen sollen weiter verfolgt werden?
  • Welche Kritiker-Anmerkungen müssen beachtet und berücksichtigt werden?
  • Welche Macher-Schritte sollten als nächstes angegangen werden?

Probier es unbedingt mal aus! Die Methode kann auch im Alltag ganz wunderbar eingesetzt werden. Wie wäre es mit der Anwendung zur Frage: „Womit verbringe ich meine Zeit am Wochenende?“

Viel Spaß damit!


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