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Meine Erfahrungen mit der Pomodoro®-Technik: Wie du das Beste aus der Tomate herausholst

pomodoro-timerWie bitte? Tomate?

Ich mag ja Tomaten. Darum soll es aber nicht in diesem Artikel gehen. Immer wieder stoße ich auf Fragen zur Pomodoro®-Technik, meine bevorzugt eingesetzte Methode zum Selbstmanagement. Da diese Fragen oft Kritik an der Methode beinhalten, fühle ich mich hiermit dazu berufen, Antworten zu finden, wie sie sich für mich bewährt haben.

Bereit? Dann los!

Grundlagen

Ein paar Infos über die Technik findest du in einem alten Blog-Artikel oder auf der offiziellen Website. Unter letzterem Link gibt es auch sehr ausführliche Anleitungen sowie praktische Schulungen.

Hier noch einmal eine Zusammenfassung:

Die Pomodoro®-Technik ist eine Methode des Zeit- und Selbstmanagements. Der Arbeitstag oder die Aufgaben werden in kurze Blöcke gesplittet, in denen konzentriert gearbeitet wird. Durch regelmäßige Pausen soll die Produktivität deutlich erhöht werden.

Klingt gut, oder?

Und so funktioniert es in Kurzform:

  1. Du planst am Morgen, welche Aufgaben du erledigen möchtest und ordnest sie 25-Minuten-Abschnitten zu (den Pomodoros).
  2. Du arbeitest für 25 Minuten absolut ohne Ablenkungen an einer definierten Aufgabe.
  3. Du machst fünf Minuten Pause, in der du dich vom Arbeitsplatz entfernst und nicht etwa irgendwelche anderen Kleinigkeiten erledigst.
  4. Du arbeitest erneut für 25 Minuten und legst anschließend fünf Minuten Pause ein.
  5. Nach vier Pomodoros machst du eine längere Pause .

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Einfach, oder?

Der Trick dabei ist, in den 25 Minuten wirklich konzentriert an der Sache zu arbeiten, die du dir vorgenommen hast. Fallen dir andere Aufgaben oder Probleme ein, die du unbedingt auch noch erledigen musst, dann haben sie in diesem Pomodoro keinen Platz: Du notierst sie dir einfach auf einem Zettel und kümmerst dich später darum.

So entkommst du dem ständigen Reagieren auf Gedanken, die dich bei der eigentlichen Arbeit stören.

Fragen und Antworten

Ich habe eine große Aufgabe, die länger als 25 Minuten dauert. Wie gehe ich damit um?

Dann verteilst du sie einfach auf mehrere Pomodoros. Das kann so aussehen:

„Konzept schreiben“ => 3 Pomodoros

Ich habe eine kleine Aufgabe, die maximal fünf Minuten dauert. Wann erledige ich die?

Es ist nicht das Ziel, alle Aufgaben gezielt länger dauern zu lassen, damit sie einen kompletten Pomodoro-Abschnitt ausfüllen. Oft gibt es zumindest einen Pomodoro, in dem mehrere Kleinigkeiten abgearbeitet werden können.

Beispiel:
„Tag planen, Emails beantworten, Telefonat führen“ => 1 Pomodoro

Ich muss schnell eine Email beantworten, die in keinen Pomodoro-Zeitraum fällt. Wenn ich das Konzept streng durchziehe, würde diese Email ja dann liegenbleiben, oder?

Kein Mensch verbietet dir, auch mal eine Email zu beantworten. Wende die Technik immer praxistauglich an! Achte nur darauf, dass du dich nicht in den 25-Minuten-Abschnitten von der eigentlichen Arbeit ablenken lässt. Sinnvollerweise hast du dein Email-Programm in diesen Zeiten ohnehin abgeschaltet.

Stellst du in einer Pause fest, dass du dringend reagieren musst – dann tu es einfach. Achte nur darauf, dass du danach eine Pause einlegst.

Ist die Technik für mich ungeeignet, wenn ich mit dem 25-Minuten-Rhythmus nicht klarkomme? Ich fühle mich nach der kurzen Zeit immer komplett herausgerissen.

Die 25 Minuten wurden nicht ohne Grund festgelegt: Sie führen dazu, dass du eine Menge schaffen kannst und trotzdem regelmäßige Pausen machst.

Trotzdem: Wenn das für dich nicht gut funktioniert, dann passe es doch einfach an! Ich arbeite je nach Aufgaben auch gern mit 45-10-Abschnitten, weil ich mich so wohler fühle. Spiele mit der Technik und finde heraus, was für dich am besten funktioniert. Wichtig ist es nur, die grundlegenden Regeln zu beherzigen:

  • Während der Pomodoros ablenkungsfrei arbeiten.
  • Regelmäßige Pausen einlegen.

Die Technik ist doch komplett unrealistisch. Wer hat schon einen ganzen Tag ablenkungsfreie Zeit zur Verfügung?

Klar: Nicht jeder hat den Luxus, sich seine Arbeitszeit vollkommen frei einteilen zu können. Das heißt nicht, dass die Technik an sich nicht funktioniert. In den meisten Fällen ist es möglich, sich Freiräume zu schaffen. Warum die Technik nicht auch mal nur für einen Nachmittag pro Woche anwenden? Oder immer für die frühen/späten Stunden, in denen weniger los ist? Auch wenn du nicht den gesamten Tag frei einteilen kannst, kannst du von den Vorteilen der Technik profitieren.

Ich merke, dass ich öfter faulenze, wenn ich eine Aufgabe beendet habe, die 25 Minuten aber noch nicht vorbei sind. Führt das nicht dazu, dass ich weniger schaffe?

Das kommt darauf an, wie du damit umgehst 😉 Niemand zwingt dich, für zehn Minuten Däumchen zu drehen und aus dem Fenster zu schauen – auch wenn das ab und zu ganz schön sein kann 😉 Vielleicht findest du noch eine Kleinigkeit, du du erledigen könntest?

Wenn du dir das häufiger passiert, schätzt du vielleicht die Aufwände ständig zu gering ein. Dann kann eine Änderung der Tagesplanung helfen.

Wenn ich gerade mitten im Satz bin und der Wecker klingelt – muss ich dann wirklich aufhören?

Noch einmal: Wende die Methode so an, wie es für dich passt. Grundsätzlich wurde die Technik nicht ohne Grund so erfunden. Es ist also einen Versuch wert, mal wirklich einen angefangenen Satz stehenzulassen und die Pause einzulegen. Ich persönlich habe kein Problem damit, noch eine Minuten dranzuhängen und den Gedanken abzuschließen. Hauptsache, ich mache danach meine Pause.

Tools

Gibt es Hilfsmittel, um die Technik anzuwenden? Na klar! Auf der offiziellen Website findest du den Original-Kurzzeitwecker in Tomatenform. Keine Sorge: Es funktioniert auch ohne.

Das einfachste Tool hast du vermutlich ohnehin immer bei dir: Dein Smartphone hat bestimmt einen Timer, den du einstellen kannst. Du musst nur aufpassen, dass du nicht zu oft auf das Telefon schaust und durch Anrufe oder Nachrichten abgelenkt wirst.

Ansonsten gibt es jede Menge Tools und Apps, von denen hier nur einige genannt werden sollen:

TomatoTimer http://tomato-timer.com

Marinaratimer http://www.marinaratimer.com

Tomighty http://www.tomighty.org

Focus Booster https://www.focusboosterapp.com

iOS-App Pomodoro-Timer https://itunes.apple.com/us/app/pomodoro-timer-focus-on-your/id872515009?mt=12

Andoid-App ClearFocus https://play.google.com/store/apps/details?id=personal.andreabasso.clearfocus&hl=de

Fazit

Jedes Werkzeug ist nur so gut, wie man es anwendet. Ich habe folgende guten Erfahrungen gemacht:

  1. Für einen definierten Zeitraum wende ich die Technik so an, wie sie vorgesehen ist und schaue, wie sie für mich funktioniert.
  2. Falls ich das Gefühl habe, etwas ändern zu wollen, dann tue ich das und schaue, ob ich noch immer von den Vorteilen profitieren kann.

In diesem Sinne: Probiere es einfach aus und finde für dich den optimalen Weg! Ich garantiere dir, dass du allein durch die ablenkungsfreie Arbeit und die regelmäßigen Pausen mehr geschafft bekommst.

Andrea Windolph ist als freiberufliche Autorin und Trainerin tätig, konzipiert Online-Trainings und unterstützt Unternehmen bei der Planung und Umsetzung von Projekten. Seit 2014 betreibt sie das Portal „Projekte leicht gemacht“, auf dem sie PM-Wissen vermittelt, das sowohl fundiert als auch leicht verständlich ist.
Andrea Windolph ist studierte Betriebswirtin und verfügt über langjährige Erfahrung in der IT-Branche und der Software-Entwicklung.
3 Antworten
  1. Marco Feltmann
    Marco Feltmann says:

    Als Ergänzung der Tools Liste kann ich für Android wärmstens ‚Clockwork Tomato‘ empfehlen.
    https://play.google.com/store/apps/details?id=net.phlam.android.clockworktomato&hl=de

    Im Gegensatz zu vielen anderen Apps (wie auch das gelistete ClearFocus) verzichtet Clockwork Tomato komplett auf den ganzen Planungsaspekt. Es tickert einfach nur die Zeit herunter und führt Statistiken über die fertigen Tomaten.
    Es ersetzt also ganz praktisch die Funktionalität der ursprünglichen Eieruhr, welche sich im Büro mit mehreren Leuten jetzt nicht so gut macht.

    Noch eine weiterführende Literaturempfehlung für alle an Anpassungen interessierte:
    http://pomodoro-book.com

    Antworten
  2. Martin
    Martin says:

    Hallo Andrea,

    danke für den schönen Artikel. Ich kann diese Technik nur empfehlen. Nachdem ich irgendwann im Herbst bei Claudia Kauscheder wieder mal auf die Pomodoro-Technik aufmerksam gemacht wurde, wende ich sie seit geraumer Zeit an – nicht immer, aber immer öfter. Und bekomme so definitiv mehr erledigt.

    Und wie Du ja auch schreibst, muss sich nicht jeder krampfhaft an die 25/5-Regel halten, wenn’s vielleicht anders besser funktioniert.

    Schöne Grüße,
    Martin

    Antworten

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