3 Brainstorming-Varianten, die du bestimmt noch nicht kennst

starbursting„Lass uns mal schnell brainstormen!“

Mit diesem Satz wird Mitarbeitern im besten Fall ein gelangweiltes Lächeln entlockt – im schlechten Fall ein genervtes Augenrollen. Brainstormings sind nicht überall beliebt. Das liegt meist weniger an der Methode  an sich, als oftmals an ungünstigen Rahmenbedingungen, unklaren Fragestellungen und der Nicht-Einhaltung der Brainstorming-Regeln.

Ausserdem laufen Brainstormings immer wieder nach Schema F ab, ohne an den jeweiligen Fall angepasst zu werden. Das ist unzweckmäßig und langweilig.

Aber das muss nicht sein!

Nachfolgend findest du drei Varianten, die du für deine eigenen Brainstormings ausprobieren kannst!

Limitiertes Brainstorming

Manchmal ist es leichter, eine Lösung innerhalb eines begrenzenden Rahmens zu finden, statt alle Möglichkeiten dieser Welt zur Verfügung zu haben. Diesen Ansatz verfolgt das limitierte Brainstorming: Es werden gezielt Einschränkungen und Grenzen vorgegeben, die bei der Ideenfindung berücksichtigt werden müssen.

Was zunächst den Grundprinzipien des Brainstormings zu widersprechen scheint, kann sogar die Kreativität fördern, weil wir gezwungen sind, in einem engeren Rahmen zu denken.

Wichtig für den Erfolg des limitierten Brainstormings ist eine passende Fragestellung, die noch konkreter als sonst formuliert wird:

Ursprüngliche Frage: Wie können wir mehr Kunden gewinnen?

Einschränkende Fragen:

  • Wie können wir mehr Kunden über die Website gewinnen?
  • Wie können wir mehr Kunden im nächsten Jahr gewinnen?
  • Wie können wir mehr Kunden in der Altersgruppe 50+ im nächsten Jahr über die Website gewinnen?
  • Wie können wir mehr Kunden über die Website gewinnen, wenn wir in maximal 3 Monaten Erfolge sehen wollen?
  • Wie können wir mehr Kunden in der Altersgruppe 50+ gewinnen, wenn uns nur ein Budget vom Betrag X zur Verfügung steht?
  • Welche Maßnahmen könnten wir sofort ergreifen, wenn wir nur 5 Tage und Budget X zur Verfügung haben?

Zeitreisen-Brainstorming

Die Zeitreise-Technik ist keine eigenständige Technik, sondern vielmehr  eine Art, die Ideen der Teilnehmer zu stimulieren. Wähle für diesen Ansatz folgende Fragen:

  • Wie würdet ihr mit dem Problem umgehen, wenn ihr euch in einer anderen Zeit befinden würdet?
  • Vielleicht vor 10 Jahren?
  • Oder vor 100 Jahren?
  • 1.000 Jahren?
  • Oder was ist mit der Zukunft?
  • Wie sähe das Problem in 10 Jahren aus?
  • In 100 Jahren?

Starbursting

Beim Starbursting werden im ersten Schritt keine Lösungen bzw. Antworten gesucht, sondern Fragen. Diese orientieren sich an den typischen W-Fragen und werden sternförmig angeordnet.

Der Ablauf:

  1. Das Problem wird erläutert.
  2. Vor der Gruppe wird ein Stern visualisiert, in dessen sechs Spitzen die folgenden Frageworte stehen: Wer? Was? Wie? Wo? Wann? Und Warum?
  3. Statt Antworten zu suchen, werden Fragen zum Problem gesucht und an den Spitzen des Sterns notiert.
  4. In einer zweiten Runde werden die Fragen beantwortet.

Erarbeitete Fragen oder Themen, die als komplex eingestuft werden, können in einem weiteren Stern bearbeitet werden.

Diese Methode bringt Struktur in ein traditionelles Brainstorming und eignet sich unter anderem hervorragend für frühe Phasen in einem neuen Projekt.

42 Fragen zum Thema Brainstorming

Mehr Input gefällig? Wir haben ein wunderbares Buch verfasst, in dem nicht nur 20 weitere Brainstorming-Varianten beschrieben werden, sondern in dem wir auch 42 der wichtigsten Fragen aus der Praxis beantworten.

Hier eine Auswahl der Fragen:

  • Wie lange sollte ein Brainstorming dauern?
  • Wie sieht die ideale Brainstorming-Gruppe aus?
  • Kann ich ein Brainstorming auch allein durchführen?
  • Brauche ich eine konkrete Fragestellung?
  • Wie kann ich meine Gruppe motivieren?
  • Wie bringe ich Ordnung in die vielen Ideen?
  • Wie schließe ich ein Brainstorming sinnvoll ab?
  • Welche Methoden eignen sich zur Nachbereitung eines Brainstormings?
  • Was sollte ich als Moderator in jedem Fall vermeiden?
  • Was tue ich, wenn die Teilnehmer die Methode ablehnen?
  • Was tue ich, wenn ich eine zu große Gruppe habe?
  • Wie gehe ich damit um, wenn ein Teilnehmer immer wieder kritisiert?

Brainstorming-42-Fragen-gross

 

Andrea Windolph ist als freiberufliche Autorin und Trainerin tätig, konzipiert Online-Trainings und unterstützt Unternehmen bei der Planung und Umsetzung von Projekten. Seit 2014 betreibt sie das Portal „Projekte leicht gemacht“, auf dem sie PM-Wissen vermittelt, das sowohl fundiert als auch leicht verständlich ist.
Andrea Windolph ist studierte Betriebswirtin und verfügt über langjährige Erfahrung in der IT-Branche und der Software-Entwicklung.
2 Kommentare
  1. Fabian
    Fabian says:

    Liebe Andrea,
    toller Artikel! Ich kann dir nur zustimmen: Leider hat Brainstorming einen unnötig schlechten Ruf.
    Aber gerade bei kreativen Methoden werden häufig die Regeln außer Acht gelassen und dann hat man statt Kreativität schnell Plan-/Ziellosigkeit…
    Dagegen helfen deine „einschränkenden Fragen“ sehr gut, denn dadurch wird ein klar(er)es Ziel beschrieben, welches dann mit der kreativen Methode bearbeitet werden kann…
    Viele Grüße und erfolgreiche Projekte!
    Fabian

    Antworten
    • Alexander
      Alexander says:

      Hallo Fabian,
      da Andrea gerade offline ist, antworte ich mal schnell.

      Wie du schon sagst, Brainstormings und andere Kreativmethoden können schnell schiefgehen, wenn man sich nur um das „Kreativ“ kümmert, aber nicht um die „Methode“ 😉
      Das führt leider häufig dazu, dass im günstigsten Fall eine reine Debattierrunde entsteht, aus der aber nichts abgeleitet wird. Reden ist ja oft auch viel einfacher als etwas zu tun. 😉

      Mit ein bisschen Disziplin sieht das alles aber schnell ganz anders aus. „Einschränkende Fragen helfen“ insbesondere, wenn ein Team oder der Leiter des Brainstormings mit der völligen Freiheit überfordert ist. Das kann selbst erfahrenen Teilnehmern passieren, wenn plötzlich zu viele Ideen in verschiedenstes Richtungen sprudeln. Wenn man eine solche Runde moderiert, muss man dann aufpassen nicht in einer Ideenflut zu ertrinken. Umgekehrt, wenn kaum oder keine Ideen gefunden werden, hilft die Einschränkung manchmal bei der Fokussierung.
      Wie bei den meisten Kreativmethoden, sind Brainstormings etwas sehr individuelles, hängen sehr von der Fragestellung, dem Umfeld, den Teilnehmern und ihrer Erfahrung mit der Methode ab. Es lohnt sich, zu üben und auszuprobieren.

      Antworten

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