Für Eilige: Alles Wichtige auf einen Blick
Artikel-Highlights
In den vergangenen Wochen haben wir uns Schritt für Schritt an einen guten Projektstart herangearbeitet: Wir haben Fragen zum Umfang und Zielen geklärt sowie einen Blick auf Rollen und Verantwortlichkeiten geworfen. Bevor es jetzt endgültig losgeht, fehlt allerdings noch eine ziemlich unbequeme Frage:
Was könnte uns um die Ohren fliegen?
In diesem Artikel steigen wir bewusst nicht tief ein eine Risikoanalyse mit Eintrittswahrscheinlichkeiten, Berechnung von Risikowerten und Strategien ein, sondern konzentrieren uns auf etwas Einfaches: die richtigen Fragen zu stellen.
Hätten wir mal … früher darüber gesprochen, was schiefgehen könnte
Risiken sind tückisch, schließlich wirken sie im Nachhinein oft viel offensichtlicher als vorher. Sobald etwas schiefgegangen ist, passen alle Warnzeichen und kleinen Hinweise plötzlich sauber zu einem schlüssigen (und bedrohlichen) Bild zusammen. Nur … warum wurden Hinweise nicht angesprochen oder ernst genommen?
Das eigentliche Problem dahinter
Risikomanagement im Projekt scheitert selten am fehlenden Methodenwissen . Fast jeder weiß, dass Risiken früh erkannt, bewertet und im Blick behalten werden sollten. Oft hakt es an ganz anderen Stellen:
- Wir wollen endlich loslegen: Nach Wochen der Vorbereitung ist die Stimmung auf Start gestellt. Wer jetzt noch mit möglichen Problemen kommt, fühlt sich schnell wie derjenige, der unnötig auf die Bremse tritt.
- Optimismus gehört zum Projektstart fast automatisch dazu: „Das bekommen wir schon hin“ ist motivierend, kann aber dazu führen, dass Warnsignale zu schnell kleingeredet werden.
- Viele Risiken stecken in Annahmen: Solange Annahmen nicht als solche thematisiert werden, wirken sie schnell wie Tatsachen, z. B. „Der Lieferant wird rechtzeitig liefern“ oder „Die Technik wird funktionieren“.
- Niemand möchte als Schwarzseher gelten: Besonders in motivierten Teams braucht es manchmal Überwindung, die unbequeme Frage zu stellen: „Und was, wenn das nicht klappt?“
- Unsichere Risiken wirken zu abstrakt: Zehn konkrete Aufgaben liegen auf dem Tisch? Dann bekommen diese oft mehr Aufmerksamkeit als ein mögliches Problem, das erst in sechs Monaten eintreten könnte – oder auch gar nicht.
- Bekannte Risiken werden irgendwann „normal“: Wir Menschen als Gewohnheitstiere nehmen bestimmte Risiken schnell als gegeben hin: „Das wissen wir doch.“ Das heißt aber noch lange nicht, dass alle darauf vorbereitet sind.
Interaktiver Test
Stress-Test: Wo könnte euer blinder Fleck liegen?
Lies dir jede Frage einmal durch und überlege: Fällt dir dazu spontan etwas Konkretes aus deinem Projekt ein? Wenn ja, notiere es. Wenn du nur ein diffuses Gefühl hast, markiere die Frage ebenfalls, denn besonders dort lohnt sich oft ein zweiter Blick.
Frage 1 von 6
Welche Sache müsste nur einmal anders laufen als gedacht, damit unser Plan plötzlich nicht mehr aufgeht?
Worauf verlassen wir uns gerade, obwohl es eigentlich außerhalb unserer Kontrolle liegt?
Welche Annahme behandeln wir bereits wie eine Tatsache, obwohl sie noch niemand wirklich geprüft hat?
Welches Problem würden wir heute wahrscheinlich kleinreden, wenn jemand es im Meeting ansprechen würde?
Was würde uns in drei Monaten besonders ärgern, weil wir im Nachhinein sagen würden: „Eigentlich gab es dafür schon Hinweise“?
Wenn eine wichtige Rahmenbedingung morgen wegfällt: Wüssten wir, was wir dann zuerst tun?
Wichtig: Je mehr konkrete Beispiele dir einfallen, desto eher hast du ein mögliches Risiko tatsächlich gefunden. „Nichts“ ist also nicht automatisch gut: Es kann genauso bedeuten, dass ihr einen blinden Fleck habt.
Drei mögliche Ergebnisse und was du daraus machen solltest
Der Stress-Test produziert im besten Fall ein paar hilfreiche Gedanken, offene Fragen und vielleicht auch ein paar „Stimmt, daran haben wir noch gar nicht gedacht“-Momente. Was kannst du konkret daraus machen?
Nimm mit: Viele Treffer sind nicht schlecht und wenige Treffer nicht automatisch gut. Entscheidend ist, ob ihr kritisch genug hingeschaut habt.
Eine Sache, die du direkt tun kannst: Mini-Pre-Mortem
Nimm dir mit deinem Kernteam 15 Minuten und stellt euch nur diese Frage:
„Angenommen, wir sitzen in drei Monaten zusammen und sagen: Dieses Problem hätten wir wirklich vorhersehen können. Was ist passiert?“
Jede Person notiert still drei Antworten, die anschließend zusammengetragen und gebündelt werden. Tut dann Folgendes:
- Wählt die drei gefährlichsten Punkte aus.
- Legt jeweils fest: Woran merken wir frühzeitig, dass es eintritt?
- Überlegt: Was können wir heute tun, um es zu verhindern?
Das ist im Grunde ein kleiner Pre-Mortem im Mini-Format.
Fazit
Wenn du schon eine Weile Projekte leitest, dann weißt du: Es müssen Ziele geklärt, Stakeholder verstanden und die Projektorganisation sauber aufgesetzt werden. Anders ausgedrückt: Die meisten wissen sehr genau, was wichtig ist. Dummerweise gehen solche Selbstverständlichkeiten im Projektalltag schnell mal unter, vielleicht weil Zeit fehlt, weil alle loslegen wollen oder weil niemand „noch einen Workshop“ machen möchte.
Genau deshalb haben wir in dieser Artikelserie bewusst auf einfache Fragen und kleine Realitätschecks gesetzt. Diese sollen keine kompletten Projektmanagement-Prozesse ersetzen, aber im entscheidenden Moment Impulse geben, damit es später nicht unnötig nervig oder teuer wird.
Wenn du deine Projekte zukünftig sicherer starten möchtest, dann schau dir Projektstart 360 an: Hier führen wir dich strukturiert durch die wichtigsten Themen rund um den Projektstart – mit E-Learning, Vorlagen und konkreten Hilfen, die du direkt für dein eigenes Projekt nutzen kannst.










