Blog » Projektmanagement-Methoden » Projektstart » Sauberer Projektstart, Teil 3/4: Wer macht hier eigentlich was?
Sauberer Projektstart 3

Sauberer Projektstart, Teil 3/4: Wer macht hier eigentlich was?

Für Eilige: Alles Wichtige auf einen Blick

Was sind Rollen und Verantwortlichkeiten im Projekt?
Damit wird geklärt, wer im Projekt wofür zuständig ist, welche Entscheidungen jemand treffen darf und wo die eigene Verantwortung endet.
Warum ist das Thema wichtig?
Weil unklare Rollen für unnötige Rückfragen, liegen gebliebene Aufgaben und unnötige Konflikte sorgen.
Die wichtigsten Learnings:
➜ Rollen müssen konkret ausformuliert statt nur benannt werden.
➜ Aufgaben, Verantwortung und Entscheidungsbefugnisse sind nicht dasselbe.
➜ Implizite Erwartungen sollten ausdrücklich besprochen werden.

Artikel-Highlights

PDF-Download
Interaktiver Test

Ein guter Projektstart besteht nicht nur aus einem einzigen Kick-off – und genau deshalb schauen wir in dieser Serie genauer hin. In Teil 1 haben wir deshalb den Umfang des Projekts unter die Lupe genommen, in Teil 2 die Ziele. Jetzt geht es um die Menschen dazwischen: Wer übernimmt eigentlich was und wer darf entscheiden? 

Hätten wir mal … geklärt, wer hier eigentlich wofür zuständig ist

Beispiel:

Drei Wochen nach Projektstart später fragt der Auftraggeber, warum sich die Fachbereiche noch nicht über einen gemeinsamen Prozess abgestimmt haben. Die Projektleiterin ist irritiert – sie war davon ausgegangen, dass die jeweiligen Teilprojektleiter das übernehmen. Die wiederum dachten, sie sollten nur Inhalte zuliefern und die Abstimmung würde zentral über die Projektleitung laufen. Obwohl niemand etwas offensichtlich „falsch“ gemacht hat, wurde offensichtlich nie konkret geklärt, wer was übernimmt und was die Beteiligten voneinander erwarten.

Kommt dir das bekannt vor? Falls nicht, kennst du sicher Situationen wie diese:

  • Zwei Personen gehen davon aus, dass jeweils die andere eine Aufgabe übernimmt.
  • Der Auftraggeber erwartet von der Projektleitung Entscheidungen, die diese gar nicht treffen darf.
  • Ein Teammitglied arbeitet etwas aus und hört anschließend: „Das war doch gar nicht deine Aufgabe.“
  • Fachbereich und Projektteam haben völlig unterschiedliche Vorstellungen davon, wer das letzte Wort hat.
  • Der Klassiker: „Ich dachte, du kümmerst dich darum.“
Hätten wir das mal am Anfang besprochen.
Logo von "Projekte leicht gemacht"

Das eigentliche Problem dahinter

Unklare Rollen wirken auf den ersten Blick wie ein organisatorisches Problem: Offenbar hat nie jemand sauber definiert, wer wofür zuständig ist. Nur: In der Praxis steckt meist mehr dahinter, wie die folgenden Punkte zeigen:

1. Rollen werden unterschiedlich verstanden

„Projektleitung“, „Teilprojektleitung“, „Sponsor“ oder „Fachverantwortlicher“: All diese Rollen klingen eindeutig – sind sie aber oft nicht. Zwei Menschen können mit derselben Rolle völlig unterschiedliche Aufgaben und Befugnisse verbinden.

Beispiel:

Eine Teilprojektleiterin versteht ihre Rolle so, dass sie Inhalte koordiniert und an die Projektleitung berichtet. Die Projektleitung geht hingegen davon aus, dass sie ihr Teilprojekt weitgehend selbstständig steuert, Entscheidungen vorbereitet und Probleme direkt mit den Fachbereichen löst.

Eine Rollenbezeichnung ist also zunächst nur ein Etikett, das unterschiedlich interpretiert werden kann, sofern die Rollenbeschreibung nicht konkretisiert wird.

2. Aufgaben, Verantwortung und Entscheidungsbefugnis werden vermischt

Wer eine Aufgabe übernimmt, darf nicht automatisch auch alles entscheiden. Und wer für ein Ergebnis verantwortlich ist, muss die Arbeit nicht unbedingt selbst erledigen. Im Projektalltag werden diese Ebenen trotzdem schnell in einen Topf geworfen.

Beispiel:

Die Projektmanagerin soll einen neuen Prozess einführen und koordiniert dazu mehrere Fachbereiche. Als sich zwei Bereiche bei einer zentralen Frage nicht einigen, erwarten beide von ihr eine Entscheidung. Sie hat jedoch gar nicht die Befugnis, diese fachlich zu treffen.

Du siehst: Die Antwort auf die Frage „Wer macht das?“ reicht häufig nicht aus. Stattdessen sollten immer auch folgende Fragen geklärt werden: Wer trägt die Verantwortung? Und wer hat das letzte Wort?

3. Erwartungen bleiben unsichtbar

Viele Erwartungen werden nie ausgesprochen, weil sie für die Beteiligten selbstverständlich wirken. Problematisch werden sie erst, wenn jemand gegen diese Erwartungen verstößt bzw. sie nicht erfüllt.

Beispiel:

Der Auftraggeber erwartet, bei Verzögerungen sofort informiert zu werden. Die Projektleitung geht hingegen davon aus, kleinere Probleme zunächst selbst lösen zu sollen und berichtet erst im nächsten Statusmeeting darüber. Als das Thema dort zur Sprache kommt, ist der Auftraggeber verärgert: „Warum erfahre ich das erst jetzt?“ Für die Projektleitung war genau dieses Vorgehen bislang professionell. Beide Seiten hatten eine klare Erwartungshaltung – nur eben leider nicht dieselbe.

Rollen entstehen nicht nur durch Organigramme, sondern auch durch Erwartungen, Gewohnheiten und unausgesprochene Annahmen.
Logo von "Projekte leicht gemacht"

4. Rollen verändern sich unbemerkt

Selbst gut geklärte Rollen bleiben nicht automatisch konstant über den gesamten Projektverlauf. Projekte sind dynamische Vorhaben, in denen neue Themen hinzukommen, Personen ausgetauscht werden oder sich Entscheidungswege verschieben. Die tatsächliche Rolle verändert sich häufig schleichend.

Beispiel:

Zu Beginn sollte ein Fachexperte lediglich beratend unterstützen. Im Laufe des Projekts wird er jedoch bei fast jeder wichtigen Entscheidung hinzugezogen und übernimmt Abstimmungen im Team. Irgendwann erwarten alle von ihm, dass er diese Führungsrolle weiter übernimmt, obwohl sie ihm offiziell nie gegeben wurde.

Learning
Der entscheidende Punkt ist also: Eine Rolle ist erst dann wirklich geklärt, wenn nicht nur ihr Name feststeht, sondern auch Aufgaben, Verantwortung, Entscheidungsbefugnisse und gegenseitige Erwartungen für alle klar sind.

Interaktiver Test

Stress-Test: Sind Rollen und Erwartungen ausreichend geklärt?

Ihr habt die Aufgaben im Projekt verteilt und ein Organigramm erstellt – gut! Aber wie sieht es mit den Dingen aus, die häufig nicht explizit besprochen werden? Beantworte die folgenden fünf Fragen mit Ja, Teilweise oder Nein.

Frage 1 von 5

1

Ist klar, wer welche Entscheidungen treffen darf?

Betrachte nicht nur: „Wer bearbeitet ein Thema?“ sondern auch: „Wer darf entscheiden, wann muss abgestimmt werden und wann braucht es eine Eskalation?“

🔴 Warnsignal: Wichtige Entscheidungen wandern im Projekt von Person zu Person, weil niemand sicher ist, wer tatsächlich das letzte Wort hat.

🟢 Ja
🟡 Teilweise
🔴 Nein
2

Ist geklärt, was ausdrücklich nicht zur jeweiligen Rolle gehört?

Rollen werden meist über Zuständigkeiten definiert. Mindestens genauso wichtig sind ihre Grenzen: Was übernimmt die Projektleitung nicht? Was muss der Auftraggeber selbst entscheiden? Wo endet die Verantwortung eines Teilprojektleiters?

🔴 Warnsignal: Aufgaben landen regelmäßig bei denjenigen, die sich ohnehin kümmern – unabhängig davon, ob sie dafür zuständig sind.

🟢 Ja
🟡 Teilweise
🔴 Nein
3

Wissen die Beteiligten, wann sie einbezogen werden wollen oder müssen?

Manche Stakeholder wollen nur bei Entscheidungen eingebunden werden, andere bereits bei der Vorbereitung. Manche Teammitglieder erwarten frühzeitige Abstimmung, andere möglichst viel Eigenständigkeit.

🔴 Warnsignal: Du hörst Sätze wie „Warum wusste ich davon nichts?“ oder „Warum muss ich bei so etwas überhaupt dabei sein?“.

🟢 Ja
🟡 Teilweise
🔴 Nein
4

Habt ihr unterschiedliche Erwartungen an zentrale Rollen tatsächlich ausgesprochen?

Was erwartet der Auftraggeber von der Projektleitung? Was erwartet die Projektleitung vom Team? Wie selbstständig sollen Teilprojektleiter handeln? Solche Erwartungen erscheinen oft selbstverständlich, bis sich herausstellt, dass jeder etwas anderes darunter versteht.

🔴 Warnsignal: Konflikte drehen sich weniger um Ergebnisse als um Vorwürfe wie „Ich dachte, du kümmerst dich darum“ oder „Das hätte ich von dir erwartet“.

🟢 Ja
🟡 Teilweise
🔴 Nein
5

Ich könnte in zwei bis drei Sätzen erklären, wofür meine eigene Rolle im Projekt verantwortlich ist – und wofür nicht.

Kannst du klar benennen, was zu deiner Verantwortung gehört, wo deine Entscheidungsbefugnis endet und welche Themen ausdrücklich bei anderen Rollen liegen?

🔴 Warnsignal: Du übernimmst regelmäßig Aufgaben, weil sich sonst niemand zuständig fühlt, oder bist unsicher, ob du bestimmte Entscheidungen überhaupt treffen darfst.

🟢 Ja
🟡 Teilweise
🔴 Nein

Was tun bei roten Ampeln?

Zunächst: keine Panik. Einzelne ungeklärte Punkte sind nicht ungewöhnlich und müssen nicht zwangsläufig zu einem großen Problem werden. Trotzdem lohnt sich ein Blick auf mögliche Lösungen, um spätere Probleme zu vermeiden:

Eine Sache, die du direkt tun kannst: Deine eigene Rolle beschreiben

Nimm dir fünf Minuten und vervollständige für deine eigene Rolle diese drei Sätze:

Ich bin verantwortlich für …
Ich darf selbst entscheiden über …
Ich bin nicht verantwortlich für …

Wenn du bei einem Satz ins Stocken gerätst oder sofort denkst „Kommt drauf an“, hast du ziemlich wahrscheinlich einen Punkt gefunden, den du vor dem eigentlichen Projektstart noch klären solltest.

Fazit

Klare Rollen entstehen nicht dadurch, dass im Projektplan hinter jedem Namen eine Rollenbezeichnung als Etikett steht. Viel wichtiger ist, dass die Beteiligten wissen, wofür sie verantwortlich sind, was sie entscheiden dürfen und was sie voneinander erwarten.

In Teil 4 unserer Serie wird es dann noch einmal unangenehm: Wir schauen auf die Frage „Was könnte uns eigentlich um die Ohren fliegen?“

Projektstart 360

Du willst deinen Projektstart sauber durchziehen?

Mit dem Scope-Check hast du einen wichtigen Punkt geklärt – für einen wirklich soliden Projektstart braucht es aber mehr. Projektstart 360 hilft dir dabei, alle wichtigen Punkte systematisch anzugehen, ohne etwas zu vergessen. Das steckt drin:

👉 Online-Kurs „Projektplanung Kompakt“
👉 Step-by-Step-Guide Projektplan
👉 Kick-off-Vorlagenpaket
👉 Checkliste Projektstart

Projektmanagement-Artikel als PDF herunterladen

Diesen und alle anderen Artikel als PDF herunterladen

Hol dir Zugriff auf alle Artikel zum Offline-Lesen:

  • Bibliothek mit PDF-Downloads aller Artikel
  • Plus:  >40 kostenlose Projektmanagement-Vorlagen
  • Plus: Regelmäßig aktuelles PM-Knowhow 
Nach oben scrollen