Wirklich? Werbung machen, Anzeigen schalten? Oder etwa Flyer verteilen?

Wohl kaum.

Aber was ist denn noch mal der Sinn von Werbung? Laut Wikipedia geht es um die

… Bekanntmachung, Verkaufsförderung oder Imagepflege von … Produkten und Dienstleistungen

Nun, als Leiter eines bereits genehmigten Projektes willst du dieses in der Regel nicht wie ein Produkt an einen Endverbraucher zu verkaufen. Aber für den Projekterfolg ist es überlebenswichtig, Zugriff auf benötigte Ressourcen zu haben, Budget-Kürzungen zu vermeiden und die allgemeine Unterstützung anderer Personen zu erhalten.

Und bei all dem hilft Werbung.

Der Nutzen von Projektmarketing

1. Projektmarketing macht dein Projekt bekannter

Egal, in welchem Umfeld du dein Projekt durchführst: Je mehr Leute über dein Projekt reden, desto einfacher ist es, gesehen und gehört zu werden, eine Stimme zu haben. Je mehr über das Projekt nachgedacht und gesprochen wird, als desto wichtiger wird es wahrgenommen.

2. Projektmarketing vermindert Widerstände

Zu Beginn gibt es kaum jemanden, der dein Projekt haben will. Das ist die Regel! Ein neues Projekt wird knappe Ressourcen verbrauchen, es bedeutet zusätzliche Arbeit und manchmal wird es alte Gewohnheiten und die Routine stören. Damit dein neues Projekt bei den Kollegen und in der gesamten Organisation akzeptiert wird, musst du die Menschen aktiv überzeugen. Je früher du damit beginnst, dein Projekt zu vermarkten, umso besser – es braucht eine Weile, bis Menschen etwas Neues in ihrem Inneren akzeptieren.

3. Projektmarketing steigert die Identifikation deines Teams

Ein starker „Führer“ hält das Team zusammen und kann einem Projekt eine ganz eigene Dynamik geben. Wenn du das Projekt bewirbst, dann bewirbst du gleichzeitig diejenigen, die daran arbeiten. Kämpfst du für das Projekt, dann wird dies wahrgenommen als: „Hey, da kämpft jemand für uns und unsere Sache!

Kann es eine bessere Motivation für dein Team geben?

4. Projektmarketing macht dich stärker

Selbst wenn es schon Unterstützer gibt, die auf deiner Seite stehen, ist das noch kein Garant dafür, dass alles einfach wird. Oft steht ein Projekt im Wettbewerb mit anderen hoch-priorisierten Aufgaben und Projekten. In diesem Fall ist es selbst für deine Unterstützer schwierig, die richtige Wahl zu treffen.

Oft werden nur die gehört, die am lautesten schreien. Dies mag eine unschöne Erkenntnis sein, aber es ist dennoch eine Wahrheit. Erfolg und Ergebnisse werden oftmals kaum wahrgenommen und bemerkt, wenn man sie nur im stillen Kämmerlein feiert. Du musst mindestens so laut sein wie deine Kollegen!

Dies alles ist selbstverständlich weniger wichtig, wenn du sowieso schon das einzige überwichtige, überlebenswichtige, superstrategische Projekt deiner Organisation leitest. Aber das ist meist die Ausnahme.

Was kannst du also tun?

Projektmarketing – Erste Maßnahmen

1. Kommuniziere den Projektnutzen

Für Entscheider – oftmals die Hüter wichtiger Ressourcen – geht es nicht darum, nett zu dir zu sein. Alles was für sie (hoffentlich) zählt, ist der Nutzen für die Organisation, das erhoffte Ergebnis. Mache daher bei jeder Gelegenheit klar, was verloren geht und was für das Unternehmen auf dem Spiel steht, sollte sich das Projekt wegen fehlender Ressourcen verzögern oder gar im Ganzen gefährdet werden.

2. Liefere Statusberichte

Nicht in allen Unternehmen und Organisationen gibt es regelmäßige Termine mit Entscheidungsgremien. Manchmal gibt es nicht einmal ein offiziellen Lenkungskreis für das Projekt. In diesem Fall besteht die Gefahr, schlichtweg vergessen zu werden. Nicht selten verlieren Projekte an Schwung und laufen längere Zeit auf Sparflamme, weil niemand über sie redet. Frustrierend sowohl für den Projektleiter als auch für den Auftraggeber. Liefere – auch unaufgefordert – Statusberichte an das Management. Stelle Probleme und Erfolge dar, bringe dich ins Gespräch. Ein Projektmanager, der sich ständig in der Deckung versteckt, nützt niemandem.

3. Sprich über erste Projekterfolge

Die Mittagspause, das Gespräch auf dem Gang, das Warten auf den Kaffee: Im Büroleben gibt es viele Möglichkeiten über die Fortschritte zu reden. Damit ist selbstverständlich nicht gemeint, dass man ständig allen erzählen sollte, was für ein toller Hecht man ist. Protze nicht! Es reicht, über das Projekt und die ersten Erfolge und Erkenntnisse zu reden. Auf welchem Wege hast du das ein oder andere Problem gelöst? Deine Gesprächspartner sollen das Gespräch in guter Erinnerung behalten.

Aktive Kommunikation ist der Schlüssel zum Erfolg. Probier es aus!

Weitere Artikel der Serie:<< Die sechs Faustregeln: 1. Visualisiere deine ZieleDie sechs Faustregeln: 3. Sei nett zu deinem Team >>
4 Kommentare
  1. Sven sagte:

    Hallo Alexander,

    das Projektmarketing als Faustregel zu sehen finde ich gut.

    Ich erlebe bei meiner täglichen Arbeit auch, dass dieses Thema oft vernachlässig wird. Oder noch schlimmer – völlig unterbleibt.

    Was ich bei meinem Marketing auch immer mit einbaue: Reduziere Komplexität, mache das Projekt greifbar.

    Vielleicht kennst du das auch. Oft wird das Projekt abgelehnt, weil es schlichtweg niemand blickt und es nicht greifbar ist. Hier kannst du als Projektleiter eine Menge tun. In der Regel hast du als PL ja den besten Gesamtüberblick. Und dieses gilt es dann zielgruppengerecht aufzubereiten und zu kommunizieren. Ich habe schon öfter gemerkt: Sofern das Projekt greifbar wird und nicht mehr als undurchschaubar angesehen wird – dann steigt auch die Akzeptanz. Als Basis für die zielgruppengerechte Aufbereitung ziehe ich dann meistens die Ergebnisse der Stakeholderanalyse ran.

    Insgesamt finde ich es wichtig, dass beim Marketing pragmatisch vorgegangen wird. So wie du es auch schreibst: Mittagspause, Gespräche auf dem Gang, usw. Sonst werden alle Aktionen wieder als Overhead wahrgenommen. Und das nervt meistens alle Beteiligten.

    Wie planst du deine Marketingaktivitäten bzw. wie gehst du diese an?

    Grüße und gute Projekte
    Sven

    • Alexander sagte:

      Hallo Sven,

      zielgruppengerechte Kommunikation ist in der Tat verdammt wichtig! Bei allem, nicht nur im Projektmanagement ;-)

      Unabhängig davon, ob man eine formale Stakeholderanalyse gemacht hat oder nicht, sollte man seine Stakeholder gut kennen, und Informationen passend aufbereiten.

      Für mich hat das zielgruppengerechte Marketing innerhalb der eigenen Organisation vor allem zwei Dimensionen, die BEIDE unbedingt beachtet werden müssen:

      1. Was interessiert mein Gegenüber? Den Ingenieur oder den Produktionsmitarbeiter interessieren in der Regel nicht die Feinheiten der Markteinführung. Umgekehrt sind für das Konzerncontrolling die technologischen Herausforderungen in der Tiefe uninteressant.
      Jeder bekommt von mir also das, was für ihn offensichtlich interessant ist. Den Rest gibt es dann zunächst nur in Andeutungen, die vielleicht neugierig machen. Wenn dann Nachfragen kommen, dann hat man schon gewonnen ;-)

      2. Was ist die Vorbildung meines Gegenübers? Vereinfachungen sind hier nicht nur OK, sondern zwingend! Wenn ich beim Arzt die Diagnose bekommen, möchte ich die schliesslich auch so präsentiert bekommen, dass ICH sie verstehe.

      Man könnte sogar noch eine dritte Dimension anfügen: Welche „Sprache“ spricht mein Gegenüber? In manchen Bereichen ist ein „Jungs, mit Feature XYZ des neuen Produktes machen wir die Konkurrenz platt!“ genau der richtige Ton. Und das nicht nur in der Produktion, sondern oft auch vor der Geschäftsführung oder vor Investoren ;-) Die Qualitätssicherung wird allerdings bei solcher Wortwahl oftmals argwöhnisch die Nase rümpfen und sich fragen, ob man sein Projekt ernsthaft betreibt.

      Gruß zurück,
      Alexander

      • Sven sagte:

        Hi Alexander,

        ja, das mit der Sprache kann ich bestätigen. :-)

        Ich mache ja hauptsächlich IT Projekte in der Softwareentwicklung. Ich kann sagen, dass es unter den Entwicklern (und in meiner Zusammenarbeit mit ihnen) teilweise zugeht wie auf dem Bau (und das meine ich absolut positiv). Unverblümt, direkt und an der Lösung orientiert.

        …das würde ich mir auf darüberliegenden Ebenen auch oft wünschen. :-)

        • Alexander sagte:

          Ja, das ist in vielen Branchen auf der operativen Ebene so. Und so verschieden ist IT und das Baugewerbe ja auch gar nicht ;-) Der eine Baut virtuell, der andere in der realen Welt ;-)

          Ich kenne allerdings auch Vorstände, die gern Tacheles hören. Vor allem dann, wenn sie sich entweder hochgedient haben und die Basis kennen, oder aber zumindest ein großes Vertrauen in die Basis haben und wissen, dass dort das Herz ihres Konzerns schlägt.

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