Ein ganz normaler Montag Vormittag.

Bernd und Britta teilen sich ein Büro. Bernd stellt folgende Frage:

Britta fährt hoch, platzt heraus: „Immer muss ich Kaffee kochen!“ – und stürmt aus dem Büro.

Bernd ist perplex. Er hatte nicht die Absicht, sie zum Kaffeekochen aufzufordern! Im Gegenteil!

Was war passiert?

Die 4 Seiten

Gemäß des 4-Seiten-Modells (auch Kommunikationsquadrat genannt) von Friedemann Schulz von Thun weist jede übermittelte Nachricht vier Seiten auf. Jede Information kann also vom Sender auf vier verschiedene Arten gemeint sein und vom Empfänger auf vier unterschiedliche Arten interpretiert werden. Anders formuliert: Jede Person spricht mit vier Schnäbeln und hört mit vier Ohren.

Klingt nach einer potenziellen Ursache für Missverständnisse! Und das ist es auch. Deshalb ist es gut, die vier Seiten zu kennen:

Sachinhalt

Die Sachebene enthält die reinen Fakten der Information. Kommunizieren beide Gesprächspartner auf dieser Sachebene, hören beide genau die gleiche sachliche Information.

Selbstoffenbarung

Der Sender gibt hier etwas über sich selbst preis, zum Beispiel einen Wunsch, Gefühle, Werte …  Der Empfänger hört auf diesem Ohr genau auf diese Informationen des Senders.

Beziehung

Diese Ebene sagt etwas über die Beziehung zwischen Sender und Empfänger aus. Der Sender kann mit seiner Aussage Wertschätzung oder auch Kritik äußern. Die Beziehungsebene wird häufig durch nonverbale Signale noch verstärkt, wenn zum Beispiel mit einem Stirnrunzeln kommuniziert wird.

Beim Empfänger kann die Nachricht unterschiedlich aufgenommen werden: Respektiert, geachtet, kritisiert oder verachtet.

Appell

Auf der Appell-Ebene will ein Sender den Empfänger zu einer Handlung bewegen. Hört der Empfänger mit diesem Ohr zu, wird er sich zu einer Aussage oder Handlung veranlasst fühlen.

Anwendung am Beispiel

Schauen wir uns doch nun einmal an, wie die vier Seiten auf unser Kaffee-Beispiel angewendet werden können:

SENDEREMPFÄNGER
SachebeneIch wüsste gern, ob noch Kaffee da ist.Er wüsste gern, ob noch Kaffee da ist.
SelbstoffenbarungsebeneIch habe Durst!Er würde gern eine Tasse Kaffee trinken.
BeziehungsebeneIch könnte uns einen schönen, frischen Kaffee kochen.Immer bleibt das Kaffeekochen an mir hängen!
AppellebeneKoch doch bitte neuen Kaffee!Er will, dass ich Kaffee koche.

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Was können wir daraus lernen?

Wie bei vielen anderen Kommunikationsmodellen existiert auch beim 4-Seiten-Modell keine Zauberformel, wie Missverständnisse vermieden werden können. Allerdings lassen sich nützliche Schlussfolgerungen ableiten:

  • Sei dir bewusst, dass diese vier Seiten existieren.
  • Die 4 Seiten sind bei jeder Person unterschiedlich stark ausgeprägt. Sicher kennst du Personen, die sehr empfindlich sind und oft stark auf dem „Beziehungsohr“ hören. Oder andere Menschen, die sehr stark in Aufforderungen sprechen.
  • Reagiere mit Rückfragen, wenn du dir nicht sicher bist, wie die Information gemeint war.
  • Bist du dir deiner eigenen Kommunikation besser bewusst, kannst du sie im Alltag auch besser steuern.

Dieses Modell ist ganz hervorragend dafür geeignet, die Ursachen von Missverständnissen leichter zu erkennen und darauf zu reagieren. Schauen wir uns noch einmal unser Beispiel von oben an:

Wie hätte Britta auch reagieren können? Eine einfache Antwort mit „ja“ oder „nein“ auf der Sachebene wäre eine vollkommen neutrale Reaktion gewesen.

Und? Auf welchem Ohr hörst du häufig?

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