Das Innere Team: Bist du nur einer, oder doch viele?

inneres-teamKennst du das auch?

Du musst eine Entscheidung treffen, kommst aber einfach nicht zu einem Ergebnis. Vielleicht willst du ein neues Hemd kaufen und kannst dich nicht zwischen dem graukarierten (schön seriös!) und dem roten (endlich mal auffallen!) entscheiden.

Oder dich reizt es, den Motorradführerschein zu machen, spürst aber Bedenken (Was da alles passieren kann!) und Besorgnis (Ganz schön teuer!) in dir.

Diese verschiedenen Stimmen wurden in einem Modell des Inneren Teams des Hamburger Kommunikationswissenschaftlers Friedemann Schulz von Thun zusammengefasst, der z.B. auch das 4-Ohren-Modell beschrieben hat.

Das Innere Team – Ein Beispiel

In einem Forschungsprojekt besteht die Möglichkeit, herausragende Ergebnisse zu erzielen, wenn ein innovativer Versuch gestartet wird. Der Versuch ist jedoch sehr riskant und überzieht das genehmigte Budget.

Der Projektleiter kann nun verschiedene Team-Mitglieder in sich vereinigen:

  • Der Macher: Lass es uns einfach durchziehen!
  • Der Vorsichtige: Das ist zu riskant. Wir gehen lieber den sicheren Weg.
  • Der Hilfesuchende: Wer könnte mich bei meiner Entscheidung unterstützen?
  • Der Nachdenkliche: Wir sollten noch mehr Informationen sammeln und recherchieren.
  • Der Konstruktive: Wie könnten wir das Risiko senken?
  • Der Blockierer: Auf keinen Fall machen wir das!

Diese inneren Stimmen sind häufig widersprüchlich. Je nach Persönlichkeit sind oft einige Stimmen mehr, andere weniger ausgeprägt. Diese Ausprägungen sind auch nicht statisch, sondern können sich je nach Situation, Stimmung und Umgebung unterschiedlich auswirken.

Der Teamleiter

Zwar wohnen verschiedene Stimmen in uns, letztendlich sind wir jedoch eine Person. Ein „Ich“, das als Teamleiter das Sagen hat.

Dieses Ich kann entweder den Stimmen zuhören, oder aktiv eingreifen und mit den Stimmen sprechen – auch wenn du laute Selbstgespräche vielleicht besser in deine Freizeit verlegst, statt sie aktiv im Büro auszuleben 😉

Sei dir immer bewusst, dass jedes Teammitglied nur das Beste für dich möchte. Vielleicht magst du deinen inneren Kritiker nicht, dieser jedoch hat vermutlich gute Gründe, zur Vorsicht zu mahnen. Lass ihn zu Wort kommen und höre seine Argumente an – vielleicht können ihn andere Teile deiner Persönlichkeit überzeugen?

Das Team-Meeting

Es ist sehr nützlich, sich über das innere Team bewusst zu sein. Wie bei einem Projekt-Meeting kann man auch mit sich selbst ein Team-Meeting einberufen, dass von einem Moderator geführt wird.

Schaffe den unterschiedlichen Stimmen Gehör und gleiche die Argumente untereinander ab. Ziel ist es, zu einer Entscheidung zu kommen, die nach außen in der wirklichen Welt vertreten werden kann.

Wie in realen Meetings auch sollte jeder Teilnehmer ohne Vorurteile zu Wort kommen können. Nimm dir Zeit, die Stimmen anzuhören und gehe sachlich mit den Argumenten um.

Vorteile:

  • All deine Persönlichkeitsaspekte werden angehört und akzeptiert, statt die unliebsamen zu unterdrücken.
  • Du hältst inne und beleuchtest ein Problem von verschiedenen Seiten – das schützt vor voreiligen Entscheidungen.
  • Du stehst fest hinter deine Entscheidung, da du Alternativen untereinander abgewogen und die Entscheidung bewusst getroffen hast.
  • Viele allgemeine Regeln der Kommunikation und von Konflikten können auch hier zum Einsatz kommen.

Konfliktmanagement

Keine Frage: Auch im inneren Team kommt es zu Unstimmigkeiten. Du kennst sicher die Situationen, in denen du gern nach Hause gehen möchtest, es aber vernünftiger wäre, noch die Präsentation für morgen vorzubereiten. Verschiedene Stimmen melden sich zu Wort, buhlen um Freizeit am Abend und kämpfen darum, am nächsten Morgen länger schlafen zu können.

Gehe damit wie im wahren Leben um: Sammle Informationen, höre dir Argumente an und versuche, Kompromisse auszuhandeln.

Fazit

Auch wenn wir nur eine Person sind, wohnen verschiedene Persönlichkeitsanteile in uns. Unsere Entscheidungen fühlen sich besser an und werden fundierter, wenn wir diese Stimmen in uns zu Wort kommen lassen – und erst danach entscheiden. Probier es mal aus und berufe ein Team-Meeting ein!

Andrea Windolph ist als freiberufliche Autorin und Trainerin tätig, konzipiert Online-Trainings und unterstützt Unternehmen bei der Planung und Umsetzung von Projekten. Seit 2014 betreibt sie das Portal „Projekte leicht gemacht“, auf dem sie PM-Wissen vermittelt, das sowohl fundiert als auch leicht verständlich ist.
Andrea Windolph ist studierte Betriebswirtin und verfügt über langjährige Erfahrung in der IT-Branche und der Software-Entwicklung.
6 Kommentare
  1. mathias
    mathias says:

    Erlebe ich täglich die Situation, dachte schon ich bin allein mit dem Problem. Der Tipp mit den „lauten Selbstgesprächen im Büro“ bringt mich auf die altbekannte Lösung : Argumente (pro und kontra) aufschreiben, also visualisieren, sammeln, sammeln, sammeln, dann zurückziehen und entscheiden. Danke Andrea!

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    • Andrea
      Andrea says:

      Ich bin auch ein Fan von Pro- und Kontralisten! Auch wenn oft ein einziges Argument schwerer wiegt als viele andere. Doch allein das Aufschreiben hilft mir immer sehr, mich zu sammeln 🙂

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  2. julibito
    julibito says:

    Ich gehe in ähnlicher Weise vor. Allerdings nicht in Pro- und Contra-Listen sondern mit einer Mindmap. Vielen Gedanken sind nicht pro oder contra, sondern nur Gedankenbeeinflusser, wenn ihr wisst, was ich meine.

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  3. Martin
    Martin says:

    Interessanter Artikel. Ich glaube hier wird wieder einmal deutlich wie wichtig es ist, sich selbst und seine Stärken und Schwächen ehrlich einschätzen zu können und ein aktives Bewusstsein dafür zu entwickeln.

    Antworten

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