Neues Team, neues Glück?

Projekte sind häufig interdisziplinär besetzt. Und nicht immer kennen sich die Mitglieder des Projektteams bereits. Ganz häufig entsteht so ein bunter Mix aus Personen und Qualifikationen. Und dieser Mix soll möglichst schnell und unkompliziert auf ein gemeinsames Ziel hinarbeiten.

Und das ist gar nicht immer so einfach.

Dass es durchaus gewissen Anlaufschwierigkeiten geben kann, ist ja klar. Aber das Ziel sollte schon immer sein, ein selbständig arbeitendes und motiviertes Team zu haben. Ein Team, dem du nicht ständig auf die Finger schauen musst.

Und das ist auf jeden Fall möglich!

Es dauert nur meist eine Weile.

Nun wäre es doch schön, wenn du a) wüsstest, wo dein Team gerade steht und b) was du tun kannst, um dein Team möglichst schnell in diese produktive Phase zu führen. Oder?

Es gibt eine gute Nachricht: Es gibt ein Modell, an dem du dich orientieren kannst! Ein Modell, das die Phasen der Teamentwicklung sehr schön und anschaulich beschreibt:

Die Teamuhr nach Tuckman

Die Teamuhr nach Bruce Tuckman stellt ein Modell der Teambildung dar. Der Prozess wird in fünf Phasen unterteilt, die jeweils eigene Merkmale aufweisen.

Für Projektleiter ist dieses Modell unglaublich nützlich, um den aktuellen Stand des Teams einschätzen zu können und um es zielgerichtet in die nächste Phase zu führen.

Ursprünglich gab es mal nur 4 Phasen. Erst später wurde mit der Adjourning-Phase (Auflösung) eine fünfte Phase ergänzt.

tuckman

Schauen wir uns die Phasen einmal genauer an:

Die Forming-Phase

In der ersten Phase, dem Forming (Test-Phase), steht das Kennenlernen der Mitglieder im Vordergrund. Der Umgang ist häufig noch sehr reserviert, vorsichtig und höflich. Man kennt sich eben noch nicht.

Klare Ziele und genaue Prozesse liegen noch nicht vor. Dementsprechend ist die fachliche Leistungsfähigkeit noch sehr gering.

Aufgaben für den Projektleiter:

  • Er spielt die Rolle des Gastgebers.
  • Er unterstützt den Kennenlernprozess.
  • Er sorgt dafür, dass sich alle wohl und willkommen fühlen.
  • Er achtet darauf, dass alle Beteiligten gut informiert sind.

Dass das Team nicht allzu lange in dieser Phase bleiben sollte, ist sicher klar. Also auf in Phase 2!

Die Storming-Phase

In der Storming-Phase (Kampfphase) kommen sich die Teammitglieder näher – und zwar sowohl positiv als auch negativ. Die Personen merken so langsam, „mit wem sie können“ – und mit wem eben nicht. Häufig bilden sich Grüppchen und unterschwellige Konflikte und Spannungen entstehen.

In vielen Fällen wird deutlich, dass die Arbeitsaufgabe komplizierter ist, als ursprünglich angenommen. Der erste Motivationseffekt ist verpufft, und es herrscht eine hohe Orientierung auf Probleme. Doch statt diese sachlich zu lösen, werden die Konflikte auf einer persönlichen Ebene ausgetragen.

In dieser Phase ist der Projektleiter besonders gefragt:

  • Er fungiert gleichermaßen als Schlichter und Antreiber.
  • Er sollte das Ruder nicht an sich reißen. Das könnte dazu führen, dass das Team in dieser wenig konstruktiven Phase verbleibt.
  • Er sorgt dafür, dass Konflikte nicht unter den Teppich gekehrt werden und jeder zu Wort kommen kann.
  • Er schafft eine Atmosphäre offenen Klimas.
  • Er sorgt dafür, dass Konflikte nicht eskalieren.
  • Er lenkt den Fokus des Teams auf die Projektziele.

Klingt nicht so richtig positiv, oder? Ist es auch nicht. Aber notwendig und wichtig, damit das Team in die nächste wichtige Phase gelangt:

Die Norming-Phase

In der Norming-Phase (Organisationsphase) bilden sich Prozesse und Regeln heraus, nach denen das Team miteinander arbeiten möchte. Es wird offen diskutiert, was sich auch als offene Konfrontation äußern kann.

Dieses offene Miteinander ist positiv: Es bilden sich die Rollen im Team und Arbeiten werden sinnvoll verteilt.

Das Team arbeitet nun deutlich lösungsorientierter, auch wenn noch nicht alles „rund läuft“.

Aufgaben des Projektleiters:

  • Je stärker die Regeln und Prozesse sich etablieren, desto eher kann der Projektleiter die Rolle eines Beraters oder Coachs einnehmen.
  • Er begleitet das Team bei der Findung der eigenen Spielregeln.
  • Er ist dafür verantwortlich, auf die Einhaltung der vereinbarten Spielregeln zu achten.
  • Der große Anteil der Team-Führung entwickelt sich nun wieder stärker in Richtung Aufgabenorientierung.

Diese Forming-Phase kann je nach Team schon etwas Zeit in Anspruch nehmen. Doch sie ist wichtig! Denn nach dem Durchlaufen kommen wir endlich zur gewünschten Phase:

Die Performing-Phase

Ziel eines jeden Teams ist es, in die Performing-Phase (Hochleistungsphase) zu gelangen. Jetzt ist das Team leistungsfähig und arbeitet effizient und eigenständig.

Besonders bemerkenswert ist der Umgang miteinander: Er ist geprägt von Wertschätzung und gegenseitigem Respekt. Die in der Norming-Phase entwickelten Rollen und Spielregeln führen zu einem konstruktiven und lösungsorientierten Arbeitsstil.

Der Projektleiter muss kaum noch eingreifen und kann sich jetzt etwas zurückziehen. Zielvorgaben, Moderation und Weiterentwicklung der einzelnen Mitglieder stehen nun im Vordergrund.

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Die Adjourning-Phase

Die fünfte Phase, die Auflösungsphase, wird als Ergänzung zur Teamuhr betrachtet. Der Prozess der Auflösungsphase wird vom Projektleiter aktiv gestaltet, um die vollbrachte Leistung zu würdigen und das Projekt angemessen abzuschließen.


Natürlich sind die einzelnen Phasen in Teams unterschiedlich stark ausgeprägt und dauern auch unterschiedlich lang. Es gibt einfach jede Menge Faktoren, die den Ablauf dieser Phasen bestimmen, z.B:

  • Art des Umfelds (locker, eher starr)
  • Größe der Gruppe
  • bereits miteinander bekannte Teammitglieder
  • Erfahrung und Führungskompetenz des Projektleiters

Doch auch wenn es Unterschiede gibt, so kann man einige Merkmale in der Praxis immer wieder beobachten. Also mach doch mal den Test! Betrachte dein Team und prüfe, in welcher Phase ihr euch befindet! So mancher hat auf diese Art festgestellt, dass er irgendwie nie aus der Storming-Phase herausgekommen ist


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