Es gibt ein Problem. In deinem Projekt. Nur eins? Unzählige! Und die wollen (müssen) gelöst werden. Ein wichtiger Schritt in einem Problemlösungsprozess ist die Identifikation von Ursachen. Sind diese nämlich erst einmal gefunden, so können sie zielgerichtet beseitigt werden. Und hier kommen die Fischgräten ins Spiel.

Das Ishikawa-Diagramm

Was wollen wir tun? Möglichst viele Ursachen für ein Problem sammeln und strukturiert darstellen. Genau dafür eignet sich ein Ursache-Wirkungsdiagramm. Das Ishikawa-Diagramm (auch Fischgräten-Diagramm genannt) ist die beliebteste Darstellungsform, da sie Ursache- und Wirkungsbeziehungen übersichtlich darstellt. Das sind die Vorteile:

  • detaillierte Sammlung von Ursachen für Probleme
  • Darstellung der Wirkungszusammenhänge von Problemen
  • übersichtliche grafische Darstellung
  • Methode zur visuellen Erarbeitung von Ursachen im Team
  • sinnvolle Strukturierung von Prozessen
  • leicht einsetzbar und erlernbar

Der Aufbau

Es ist wenig verwunderlich, woher das Diagramm seinen tierischen Namen hat. Die grafische Darstellung ähnelt ganz klar einem Fisch mit seinen Gräten. Das Diagramm besteht aus folgenden Bestandteilen:

  1. Der Kopf Hier wird das zu analysierende Problem notiert. Und zwar kurz und knackig.
  2. Die Hauptgräten An den Hauptzweigen befinden sich mögliche Ursachen. Zur Orientierung werden mögliche Kategorien von Ursachen vorgegeben. Durchgesetzt hat sich eine Kategorisierung nach der 8M-Methode:
    • Mensch
    • Material
    • Maschine
    • Methode
    • Mitwelt (eigentlich eher „Umfeld“ – aber das beginnt ja nicht mit „M“)
    • Management
    • Messbarkeit
    • Money (ja, auch „Geld“ beginnt nicht mit „M“)

    Nicht all diese Kategorien passen auf jedes Problem und müssen verwendet werden. Sie dienen einfach zur Orientierung. Solltest du andere Kategorien nutzen wollen – tu es!

  3. Verzweigungen An jedem Hauptzweig werden mögliche konkrete Ursachen notiert, die auch weiter verzweigt werden können.

Und so sieht das Ergebnis dann aus:

Der Ablauf

Wie also läuft so eine Ursachensammlung im Team ab? Schauen wir uns das mal an:

1. Diagramm vorbereiten

Zeichne zunächst das Diagramm. Nutze z.B. eine Vorlage wie die am Ende des Artikels.

oder zeichne es für eine Teamsitzung groß an Flipchart oder Whiteboard. Notiere das Problem im Kopf des Fisches und hinterlege die Hauptkategorien für mögliche Ursachen

2. Ursachen sammeln

Sammle Ursachen und ordne sie den Kategorien zu. Ursachen können auch in Haupt- und Nebenursachen untergliedert werden. Bei diesem ersten Schritt der Ursachensammlung ist es sinnvoll, sich an die Brainstorming-Regeln zu halten: Es geht hier noch nicht darum, nur qualitativ hochwertige Ursachen zu sammeln, sondern zunächst möglichst frei zu denken. Besonders im Team hilft das beim gegenseitigen Inspirieren. Deine Aufgabe als Moderator: Stelle Fragen! Ziel ist es, nicht nur die oberflächlichen Ursachen zu finden, sondern auch die weniger sichtbaren. Die perfekte Frage, um genau das zu erreichen: „Warum?“ Hinterfrage jede gefundene Ursache noch einmal, um das Problem tiefer zu durchdringen.

3. Vollständigkeit prüfen

Ob wirklich alle möglichen Ursachen gefunden wurden, wirst du wohl nie wissen. Aber eine abschließende Prüfung und Kontrolle aller Kategorien ist sinnvoll.

4. Ursachen bewerten und auswählen

Ab diesem Schritt wird es meist so richtig produktiv: Aus den vielen gesammelten Ursachen werden die wahrscheinlichsten ausgewählt. Dieser Schritt ist häufig gar nicht so einfach. Besonders dann, wenn sehr viele Ursachen gesammelt wurden. In einer Diskussion besteht hier sehr schnell die Gefahr des Verzettelns. Eine sehr schöne Variante funktioniert wie folgt: Bitte deine Teilnehmer, ihre wahrscheinlichsten Ursachen mit einem roten Punkt oder einer sonstigen Markierung zu versehen. Dabei erhält jeder Teilnehmer beispielsweise drei Punkte, wobei auch mehrere Punkte einer Ursache zugeordnet werden können. Der Vorteil: Jeder Teilnehmer kann zunächst für sich eine Entscheidung fällen. Und so nebenbei wird das Bewertungsergebnis auch noch grafisch dargestellt. Praktisch, oder? Eine Diskussion wird durch dieses Verfahren nicht vollständig ersetzt, aber zumindest existiert eine Grundlage. Das Ergebnis dieses Schritts: Die identifizierte Hauptursache für das Problem. In Ausnahmefällen können das durchaus auch mehrere sein.

5. Maßnahmen ableiten

Was nützt so eine Methode, wenn man am Ende zwar die Hauptursache(n) gefunden hätte, aber nichts daraus macht? Im letzten Schritt warten also noch einmal folgende Aufgaben auf dich:

  • Prüfung der gewählten Hauptsache(n) auf Richtigkeit
  • Ableitung von Maßnahmen und nächsten Schritten

Tipps

  • Achte darauf, dass bei sehr komplexen Zusammenhängen kein grafisches Chaos entsteht. Ist absehbar, dass für einen Zweig sehr viele Ursachen gesammelt werden, visualisiere diesen besser separat.
  • Die Methode eignet sich nicht nur zur Problemlösung, sondern auch allgemein zum Sammeln von Ideen zur Erreichung eines Ziels: Notiere das Ziel im Kopf des Fisches und sammle mögliche Wege, um es zu erreichen.
  • Behalte im Hinterkopf, dass das Diagramm eine Vereinfachung darstellt. Besonders bei komplexen Zusammenhängen mit vielen Wechselbeziehungen stößt es an seine Grenzen.
ishikawa-beispiel

So könnte das Ishikawa-Diagramm für ein Projekt aussehen, in dem die Ursachen für Software-Abstürze gesucht werden:

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Vorlage

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