Richtig Feedback geben – Der Feedback-Burger

feedback-burgerIch habe die manchmal eigenartige Angewohnheit, allen möglichen Leuten ungefragt Feedback zu geben. Als grundsätzlich erst einmal wertschätzender Mensch starte ich intuitiv meist mit einem Lob, einer Bestärkung oder manchmal auch schierer Begeisterung 😉 Kritik und Verbesserungspotenzial werden anschließend erwähnt, bis zum Schluss noch einmal ein positiver Ausblick kommt.

Sowohl im beruflichen als auch im privaten Bereich beobachte ich jedoch häufig ein anderes Verhalten. In den letzten Tagen habe ich zwei sehr ähnliche Situationen erlebt:

 

Beispiel Feedback

Person A hat an einer Aufgabe recht intensiv und lang gearbeitet und sollte die Ergebnisse dieser Arbeit vorstellen. Keine ausgefeilte Präsentation, einfach den erarbeiteten Stand „mal zeigen“. Person B ist Auftraggeber bzw. gleichwertiges Teammitglied. In beiden Situationen war der Ablauf wie folgt:

Person A stellt vor. Ist augenscheinlich noch etwas unsicher und noch nicht rundum zufrieden mit dem aktuellen Stand.
Person B verfolgt das aufmerksam und ist sehr angetan.
Person B sieht noch ein paar Defizite oder Optimierungspotenzial und beginnt im Kopf sofort mit der Lösungsfindung.
Person A beendet die Präsentation.
Person B beginnt mit der Einschätzung der noch vorhandenen Probleme und versucht, Lösungen anzubieten.
Person A wird mit den Unzulänglichkeiten der Arbeit konfrontiert und fühlt sich bestätigt, dass der aktuelle Stand noch bei weitem nicht den Erwartungen entspricht.

Wie gehen beide Personen aus diesem Gespräch heraus? Ich beginne mal in umgekehrter Reihenfolge:

Auswertung Beispielsituation

Person B ist hochzufrieden. Der aktuelle Stand ist schon sehr solide und eine gute Basis. Mögliche Optimierungen wurden identifiziert und angesprochen. Person B geht selbstverständlich davon aus, dass auch Person A mit dem Stand zufrieden ist.

Person A fühlt sich in ihrer Unsicherheit vermutlich bestätigt. Sie wurde mit den aktuellen Problemen/Optimierungspotenzialen konfrontiert und geht davon aus, dass der Stand noch bei weitem nicht den Erwartungen entspricht.

Was ist an dieser Stelle passiert? Es fehlt einfach an richtigem Feedback! Person A wurde in keinster Weise bestätigt, dass der erarbeitete Stand zufriedenstellend ist.  Person B hat diese Bestätigung nicht bewusst unterschlagen, sondern geht davon aus, dass mit konstruktiver Kritik und Lösungsmöglichkeiten am besten geholfen werden kann. Diese Einschätzung ist auch absolut richtig, nur sollte dieser sachliche Teil gut verpackt werden:

Der Feedback-Burger

Wie, Fastfood? So ähnlich. Der Feedback-Burger sagt im Grunde nichts anders, als dass der kritische oder sachliche Teil gut zwischen zwei „lockere, fluffige Brötchen“ verpackt werden soll:

feedback-burger

Den Brötchenhälften kommt dabei eine extrem wichtige Bedeutung zu. Betrachten wir uns die folgenden Schichten:

1. Untere Brötchenhälfte

Die Basis: Hier geht es um den positiven Einstieg. Grundsätzliches Lob über die Bemühung und die erbrachte Leistung. Hier wird die positive Grundhaltung des Gesprächs gesichert. Jeder Feedbacknehmer wird beruhigt sein, zunächst ein paar positive Worte zu hören.

2. Der Belag

Das Sachliche: Hier geht es um die konkrete Kritik. Das Modell des „Powwwer-Burgers“ konkretisiert die Schichten mit den drei W-Fragen:

  • Was habe ich wahrgenommen?
  • Wie hat es auf mich gewirkt?
  • Was würde ich mir wünschen?

Der Vorteil an diesen Fragen: Der Feedback-Geber verwendet Ich-Botschaften, die dazu führen, dass Kritik nicht als Anklage wahrgenommen wird.

3. Obere Brötchenhälfte

Der Ausstieg: Wir schließen positiv ab. Ziel ist, den Feedbacknehmer mit einem positiven Ausblick aus dem Gespräch zu verabschieden.

Und wenn es nichts Positives zu sagen gibt?

Manchmal muss man ja eine so richtig schlechte Leistung einschätzen. Eine, an der man absolut nichts Positives entdecken kann. Es geht nicht darum, das Gegenüber in den Himmel zu loben, aber um zunächst eine angenehme Gesprächsatmosphäre zu schaffen. Ein paar Anregungen hier:

  • Statt der Leistung kann man das Bemühen bewerten: „Ich finde es gut, wie viel Arbeit du schon investiert hast.“
  • Die Präsentation an sich bewerten: „Schön, dass du mir den Stand mal zeigst.“
  • Positiven Ausblick geben: „Das bekommen wir doch alles hin!

Und wenn es wirklich nichts Positives zu sagen gibt?

Natürlich gibt es auch Situationen, in denen Klartext geredet werden muss. In denen eine positive Atmosphäre vielleicht gar nicht gewünscht oder sogar hinderlich ist. Einziger Rat hier:

Klartext reden! Du musst nicht auf Zwang unbedingt positive Punkte erfinden.

Fazit zu Feedbacks

  • Die Schaffung einer positiven Gesprächsatmosphäre ist wichtig.
  • Obwohl die Lösungsmöglichkeiten schon im Kopf sind: Einfach noch einmal kurz zurücknehmen. Durchatmen und sich darauf konzentrieren, die positiven Eindrücke auch verbal zu äußern.
  • Es geht nicht darum, etwas zu beschönigen: Defizite und Kritik müssen geäußert werden.
Andrea Windolph ist als freiberufliche Autorin und Trainerin tätig, konzipiert Online-Trainings und unterstützt Unternehmen bei der Planung und Umsetzung von Projekten. Seit 2014 betreibt sie das Portal „Projekte leicht gemacht“, auf dem sie PM-Wissen vermittelt, das sowohl fundiert als auch leicht verständlich ist.
Andrea Windolph ist studierte Betriebswirtin und verfügt über langjährige Erfahrung in der IT-Branche und der Software-Entwicklung.
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  1. […] in einem Gespräch besonders viele Negativpunkte anzusprechen – manchmal gibt es eben nicht viel zu loben – ist beim Feedbackgeber besonderes Fingerspitzengefühl gefordert. Er begibt sich auf ein […]

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