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Agiles Projektmanagement

Agiles Projektmanagement: Definition und geschichtliche Entwicklung

Auf den Punkt gebracht

Agiles Projektmanagement ist ein Sammelbegriff für verschiedene Projektmanagement-Methodiken wie Scrum oder Kanban. Alle folgen einem iterativen Ansatz, bei dem in kurzen Abständen (Teil)-Ergebnisse geliefert werden und schnelles Feedback von Stakeholdern eingeholt wird. Durch diese überschaubaren Abschnitte kann schnell auf geänderte Anforderungen reagiert werden.

Agiles Projektmanagement ist in aller Munde, verspricht es doch schnellere Ergebnisse, bessere Qualität und eine Art Projekte zu managen, die besser zum schnellen Puls der Zeit passt. In diesem Artikel schauen wir genauer hin, werfen einen Blick auf geschichtliche Entwicklung und darauf, wie agiles Projektmanagement definiert wird.

Was bedeutet agil?

Beginnen wir mit einem genaueren Blick auf den Begriff „agil“, der im alltäglichen Sprachgebrauch selten verwendet wird. Abgeleitet vom lateinischen Wort “agilis“ („flink, beweglich“), definiert der Duden „agil“ als

„von großer Beweglichkeit zeugend; regsam und wendig“

Duden

Im Management-Umfeld steht agil für ein schnelles Handeln, ein unbürokratisches Anpassen an geänderte Bedingungen und einfache Kurskorrekturen.

Gehen wir einen Schritt weiter und betrachten den Begriff „Agilität“ direkt im Wirtschaftsumfeld. Das Gabler Wirtschaftslexikon beschreibt Agilität als:

„… die Gewandtheit, Wendigkeit oder Beweglichkeit von Organisationen und Personen bzw. in Strukturen und Prozessen. Man reagiert flexibel auf unvorhergesehene Ereignisse und neue Anforderungen. Man ist, etwa in Bezug auf Veränderungen, nicht nur reaktiv, sondern auch proaktiv.“

Gabler Wirtschaftslexikon

Zusammengefasst: Wer agil handelt, der ist kein schwerfälliger Koloss, sondern reagiert flexibel und proaktiv auf Änderungen. Aber wie hat der Begriff Einzug in unser heutiges Projektmanagement gefunden? Was viele überrascht: Agile Ansätze gibt es nicht erst seit dem Boom der Software-Branche.

Der Ursprung: Produktions- und Fertigungsindustrie

Was steckt oft in den Köpfen, vielleicht auch in deinem? Projektmanagement war früher schwerfällig und planungsintensiv, erst mit der Digitalisierungen und größerem Gewicht auf Software-Projekten sind agile Ansätze entstanden und haben das veraltete Wasserfallmodell abgelöst. Schauen wir ein paar Jahrzehnte zurück, wurden aber schon deutlich früher agile Methoden eingesetzt:

  • In den 1950iger Jahren wurde Iterative and incremental development (IDD) in großen Organisationen wie der NASA und IBM eingesetzt
  • In den späten 1950iger und frühen 1960iger Jahren wurde das NASA-Projekt „Mercury“ mit Iterationen von einem halben Tag abgewickelt.
  • 1987 hat das amerikanische Department of Defense (DoD) nach einer Reihe von gescheiterten Projekten offiziell iterative Ansätze in seine Richtlinien aufgenommen.

Den endgültigen Durchbruch gab es allerdings tatsächlich in der Software-Branche.

Der Durchbruch: Agile Softwareentwicklung

Agil gehört in die Software-Entwicklung? Keine Frage: Erst in der Software-Branche haben sich agile Ansätze auf breiter Front durchgesetzt. Schauen wir auch hier auf ein paar Meilensteine:

  • 1986 beschreiben die Wissenschaftler Takeuchi und Nonaka zum ersten Mal den Begriff „Scrum“ in ihrem Buch „The New New Product Development Game“. Sie beschreiben Erfahrungen in Unternehmen wie Canon und Honda und verweisen auf die Wichtigkeit eigenverantwortlicher und selbstorganisierter Teams.
  • 1993 sprechen Jeff Sutherland und Ken Schwaber zum ersten Mal über Scrum in der Software-Entwicklung. Ihre Ideen basieren auf den Arbeiten von Takeuchi und Nonaka, ergänzt durch Erkenntnisse aus der Programmierung und inkrementeller Entwicklung von Software.
  • In den späten 1990iger Jahren wird Extreme Programming vorrangig von Kent Beck entwickelt und ist eine der ersten agilen Methoden, die in großem Stil angewendet wird.
  • 2001 wird das agile Manifest von führenden Köpfen der Software-Branche verfasst und veröffentlicht.

Agiles Projektmanagement: Eine Definition

Gleich vorab: Es gibt keine klare Definition, die überall einheitlich verwendet wird. Stattdessen finden sich in der Literatur wiederkehrende Merkmale, die agiles Projektmanagement auszeichnen. Fassen wir diese zusammen, landen wir bei folgender Definition:

Agiles Projektmanagement ist ein iterativer Ansatz zur Planung und Steuerung von Projekten. In kurzen Zyklen werden regelmäßig Ergebnisse fertiggestellt, hierzu Feedback eingeholt und das weitere Vorgehen entsprechend angepasst.

Diese Definition beschreibt das agile Projektmanagement bereits gut – jetzt zerlegen wir sie in ihre Bestandteile.

Iterativ

Agiles Arbeiten verläuft iterativ. Was heißt das? In kurzen Schleifen (Iterationen, Zyklen, Sprints) werden Ergebnisse fertiggestellt. Die Iterationen werden nicht wie im klassischen Projektmanagement im Vorhinein im Detail geplant, stattdessen bauen sie auf den Erkenntnissen der vorangegangenen Iteration auf.

Beispiel: In einem Unternehmen soll ein neuer Online-Shop entwickelt werden. Statt alle Designs, Seiten und Funktionen im Detail vorab zu konzipieren, arbeitet das Projektteam agil. In der ersten Iteration wird dem Geschäftsführer lediglich das geplante Farbschema und ein erster Entwurf der Warenkorb-Seite präsentiert. Basieren auf den Erkenntnissen kann das Team in der nächsten Iteration das Design auf weitere Seiten übertragen.

Ansatz und Denkweise

Agiles Projektmanagement ist kein Framework, keine Methodik und beschreibt keinen Schritt-für-Schritt-Prozess. Vielmehr basiert agiles Arbeiten auf Prinzipien und Werten, die allen Projekten zugrunde liegen sollten. „Agil“ ist also ein Mindset-Thema, eine Art zu denken, gemeinsam Probleme zu lösen den Fokus auf schnelle und effiziente Ergebnisse zu lenken.

Im agilen Manifest sind 4 Werte und 12 Prinzipien formuliert, die in alle agilen Projekte einfließen sollten. Eine genaue Beschreibung zum Vorgehen sind auch diese nicht. Stattdessen gibt es eine Reihe von Frameworks und Methodiken wie Scrum oder Extreme Programming (XP), die auf den agilen Grundsätzen basieren.

Feedback und Kommunikation

Beim agilen Projektmanagement dreht sich alles um effiziente Kommunikation und Feedback. Übermäßige Dokumentation, verworrene E-Mail-Ketten oder ausufernde Besprechungen sollen der Vergangenheit angehören. Auch eines der 12 agilen Prinzipien besagt: „Persönliche Gespräche sind die effizienteste und effektivste Methode, um Informationen an und innerhalb eines Entwicklungsteams zu übermitteln.“

Eine wichtige Rolle spiel die kontinuierliche Einbindung des Kunden bzw. der Stakeholder. Statt nur zu Projektbeginn und bei Abnahme über das Projekt(ergebnis) zu sprechen, sind in agilen Projekten die Beteiligten in ständigem Austausch miteinander.

Beispiel: Das Online-Shop-Projekt (siehe Beispiel oben) wird mit Scrum abgewickelt. Täglich trifft sich das Projektteam zum Daily Scrum, um die nächsten Aufgaben zu priorisieren. Am Ende der aktuellen Iteration (Sprint) wird dem Geschäftsführer die Funktion zum Suchen und Filtern vorgelegt. Dieser kann und soll mit Feedback und Änderungswünschen reagieren, die in die nächste Iteration einfließen.

Fokus auf Ergebnisse

Am Ende einer Iteration wird eine Art Aktivitätsbericht abgeliefert im Sinne von „An Punkt A, B und C haben wir gearbeitet?“ Das passt nicht zum agilen Vorgehen. Stattdessen soll nach Abschluss eines jeden Zyklus ein konkretes Ergebnis vorliegen. Oder um es mit einem Prinzip des agilen Manifests zu sagen: „Der wichtigste Indikator zur Fortschrittsmessung sind funktionierende Produkte“.

Beispiel: Im Online-Shop-Projekt werden nach jeder Iteration konkrete Ergebnisse zur Begutachtung vorgelegt, beispielsweise die Filter-Funktion, der Warenkorb oder das Einblenden von Werbebannern. Auch wenn es sich nur um Teilbereiche des Shops handelt, sieht der Geschäftsführer nach Abschluss einer jeden Iteration einen weiteren Teil des endgültigen Shops, statt lediglich über Aktivitäten informiert zu werden.

Fazit

Die Definition von agilem Projektmanagement: Agiles Projektmanagement ist ein Sammelbegriff für verschiedene Projektmanagement-Methodiken wie Scrum oder Kanban. Alle folgen einem iterativen Ansatz, bei dem in kurzen Abständen (Teil)-Ergebnisse geliefert werden und schnelles Feedback von Stakeholdern eingeholt wird. Durch diese überschaubaren Abschnitte kann schnell auf geänderte Anforderungen reagiert werden. Typische Merkmale von agilen Projekten sind:

  • Sie werden iterativ in kurzen Zyklen abgewickelt.
  • Der Fokus liegt auf der Orientierung an Kundenwünschen.
  • Regelmäßiges Feedback und Kommunikation spielen eine große Rolle.
  • Es wird schnell und proaktiv auf geänderte Anforderungen reagiert.
  • Die Teams arbeiten selbstorganisiert.

Agiles Arbeiten ist keine konkrete Methodik und schreibt keine Prozesse vor. Stattdessen ist es eine Art zu Denken und zu handeln – basierend auf den Werten und Prinzipien des agilen Manifests.

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