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Groupthink: Wenn alle dafür sind, bin ich das auch!

Auf den Punkt gebracht

Groupthink ist ein psychologisches Phänomen, bei dem sich ein einzelner Mensch der Meinung der Gruppe anschließt, obwohl er eine ganz andere Meinung vertritt. Die Gruppe denkt „als Ganzes“, was zu fehlenden Diskussionen, mangelnder Kritik und Fehlentscheidungen führen kann. In diesem Artikel werden Anzeichen und Maßnahmen gegen Groupthink beschrieben.

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„Alle sind dafür? Dann ich auch!“

Bestimmt kennst du Momente, in denen dir so etwas schon einmal passiert ist. Du schüttelst mit dem Kopf, weil du dich nicht erinnern kannst? Gut möglich: Der psychologische Effekt des Groupthinks geschieht nämlich gemeinerweise oft unbewusst – und umso wichtiger ist es, die Risiken und Anzeichen zu erkennen.

Was ist Groupthink?

Groupthink bezeichnet das Verhalten eines Einzelnen innerhalb einer Gruppe, sich trotz anderer Meinung der Gruppenmeinung anzuschließen. Oft wird auch von Group Thinking oder Gruppendenken gesprochen.

Groupthink. Auch bezeichnet als Group Thinking oder Gruppendenken.

Zu abstrakt? Schauen wir uns ein Beispiel aus dem Alltag an, was du sicherlich kennst.

Beispiel:
Stell dir vor, du sitzt mit einigen Kollegen in einem Meeting und diskutierst über die Einführung eines neuen Produkts. Deine klare Meinung vor dem Meeting: Das Datum der Produkteinführung muss nach hinten geschoben werden, weil es zeitlich einfach nicht zu schaffen ist. Im Meeting sind aber alle Kollegen einstimmig der Meinung, dass sie das mit einem Schwung Motivation locker schaffen. Am Ende fühlst du dich so überrannt von den starken Meinungen der Kollegen, dass du dem frühen Datum der Produkteinführung nun doch zustimmst.
Was ist da passiert? Im Meeting haben sich weder Fakten noch du selbst geändert. Bist du jetzt etwa schwach, eingeknickt oder nicht durchsetzungsfähig? Keine Sorge: Es ist nichts anderes als der psychologische Effekt, dem wir alle schon unterlegen sind – dem Groupthink-Effekt.

Gründe für Groupthink

Aber warum verhalten wir Menschen uns so? Dafür gibt es eine Vielzahl von Gründen.

  • Der offensichtlichste Grund: Wir Menschen sind im Grunde Rudeltiere, soziale Wesen, die nach Gruppenzugehörigkeit streben und nicht ausgegrenzt werden wollen – der eine mehr, der andere weniger.
  • Wo immer extrem durchsetzungsstarke Führungspersönlichkeiten mit hohem Charisma auftreten, steigt das Risiko für Groupthink, da eigene Ideen oder Einwände der Teammitglieder oft nicht mehr geäußert werden.
  • Homogene Gruppen mit ähnlichen Persönlichkeiten neigen eher zu Groupthink als Gruppen, die aus Personen mit unterschiedliche Erfahrungen, Qualifikationen oder Persönlichkeiten bestehen.
  • In stressigen Situationen ist unser Gehirn generell nicht dazu geeignet, sauber durchdachte Entscheidungen zu treffen. Besonders, wenn Entscheidungen unter Zeitdruck getroffen werden müssen, steigt die Gefahr für Groupthink.

Zwei weitere Gründe gelten im Grunde genommen nicht direkt für Groupthink, da die Entscheidung hier bewusst getroffen wird. Trotzdem treten sie oft auf, weshalb wir sie hier erwähnen:

  • Vielleicht ist dir das Thema auch gar nicht so wichtig und du stimmst deswegen der Mehrheit zu. Warum diskutieren, wenn es dir im Grunde egal ist?
  • Oder es gibt taktische Gründe, warum du der Gruppe zustimmst. Vielleicht möchtest du dir die Unterstützung bei einem Projekt sichern, was dir besonders wichtig ist?

Schauen wir nun auf ein schönes Beispiel zum Groupthink!

Das Konformitätsexperiment von Asch

In einem erstaunlichen Experiment in den 1950er Jahren zeigte Solomon Asch in seinem Konformitätsexperiment von Asch, wie weit Group Think gehen kann. Dabei saßen 6 Personen an einem Tisch, wobei nur eine ein realer Proband war, die anderen Beteiligte des Experiments.

Die Aufgabe war einfach: Die Probanden sollten nacheinander sagen, welcher Strich die gleiche Größe zum Referenzstrich hat, wobei die Antworten offensichtlich waren wie hier:

Groupthink-Experiment nach Asch

Es wurden 18 Testtafeln gezeigt. 12 dieser Durchgänge waren derart manipuliert, dass die eingeweihten Teilnehmer eine offensichtlich falsche Antwort nannten. Die wirklichen Probanden passten sich dabei bei einem Drittel der Durchgänge trotz offensichtlicher Fehlentscheidungen der Mehrheit an. Sie haben ihrem eigenen Verstand nicht mehr vertraut oder fühlten sich so unter Druck, dass Sie sich der Gruppe anschlossen – obwohl ihr Gehirn ihnen etwas anderes sagte. Das Video dazu ist sehenswert.

Weitere Beispiele findest du in der Politik, bei politischen Organisationen oder auch Sekten.

Welche Risiken birgt Groupthink?

Wie du an den Beispielen siehst, können durch Groupthink grundlegend falsche Entscheidungen getroffen werden. Sicher, im Fall des Ausflugs hat das keine gravierenden Konsequenzen, aber in der Berufswelt kann das ganz anders aussehen.

Durch den Eindruck, dass alle die gleiche Meinung hätten, entsteht schnell eine Überschätzung dieser Meinung. Der Optimismus über eine Entscheidung ist hinterlistig, da er nicht auf Fakten basiert. Dabei werden Risiken eingegangen, die bei einer objektiven Risikoanalyse zu einer anderen Entscheidung geführt hätten.

Auch die moralische Überlegenheit zu Menschen außerhalb der Gruppen kann gefährlich werden. Dadurch werden die Ziele der eigenen Gruppe automatisch als die einzig richtigen Ziele gesehen. Menschen, die dazu eine andere Meinung haben, werden schnell als schwach, blind oder arrogant abgestempelt.

Und natürlich der wichtigste Faktor: Keiner traut sich mehr, zu kritisieren. Dabei brauchen wir Kritik, um neue Ideen zu entwickeln oder Fehler zu vermeiden.

So erkennst du die Anzeichen von Groupthink

Der erste Schritt ist das Erkennen des Problems. Das ist oftmals aber leichter gesagt als getan. Schauen wir uns dafür 5 klassische Anzeichen an:

AnzeichenTypische Sätze
Superhelden 
Wenn dein Team besonders oft erfolgreich war, neigt es dazu, sich zu überschätzen und zu Superhelden zu werden. 
„Wir schaffen doch eh alles“ 
„In der Vergangenheit haben wir es auch immer richtig entschieden. So wird es jetzt wieder sein.“
Anführer
Groupthink entsteht oft da, wo es starke Meinungsführer gibt. Diese wollen die Gruppe oftmals vor kritischen Stimmen schützen. 
„Das passt ja gar nicht zu uns“ 
„Niemand, nicht mal der Geschäftsführer würde das so sehen“
Gruppenzusammenhalt
Was im ersten Moment gut klingt, kann schlechte Auswirkungen haben. Wenn die Loyalität zur Gruppe zu groß ist, gehen individuelle Meinungen unter. 
„Du bist der Einzige, der das so sieht. Das kann nur Quatsch sein“ 
„Aber alle anderen finden die Entscheidung doch gut.“ 
Bedenken unerwünscht 
Dagegen sein ist out – wenn kritische Stimme sofort als Bedenkenträger abgetan werden, werden auch gute Einwände zu schnell weggewischt. 
„Du bist doch eh immer dagegen“ 
„Wenn wir immer nur das Negative sehen, brauchen wir gar kein Projekt anfangen“  
Falsche Einstimmigkeit
Wenn niemand aktiv eine Gegenstimme erhebt, entsteht schnell der Eindruck, dass alle dafür sind. 
„Alle dafür? Super, dann kann es losgehen.“
„Wenn keiner was dagegen sagt, dann ist es hiermit einstimmig beschlossen.“

Wie kannst du Groupthink vermeiden?

Nun weißt du schon, was Groupthink ist, warum es riskant ist und wie du es erkennst. Aber was kannst du dagegen tun? Hier 5 Tipps dafür:

  1. Wie immer ist der erste Schritt: Sei dir des Problems bewusst. Wenn oft Stille herrscht oder wenig diverse Meinungen diskutiert werden, könnte das ein Indiz für Groupthink sein. Dies kann auch gern offen angesprochen werden.
  2. Ein gutes und probates Mittel ist die anonyme Abfrage. Wenn du in einer Situation bist, in der du den Groupthink-Effekt vermutest, frage das Diskussionsthema anonym ab (digital oder klassisch per Zettel in den Hut).
  3. Das richtige Mindset schaffen: Betone, wie wichtig es ist, dass jeder seine Meinung äußern darf.
  4. Führungskräfte können sich gern anfangs zurückhalten. Dies führt dazu, dass die Mitarbeiter freier und offener sprechen.
  5. Externe Meinungen einholen. Im Meeting einfach mal eine Kollegin dazu holen, die nichts mit der Sache zu tun hat und die Meinung der anderen nicht kennt, um ihre Meinung zu hören.

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Fazit

Gruppenzusammenhalt und das Gefühl, dazuzugehören, sind was Tolles. Doch auch hier gilt: Es gibt ein zu viel des Guten. Groupthink oder Gruppendenken kann zu falschen Entscheidungen führen, die fatale Folgen haben können. Kritische Äußerungen oder Andersdenker tun einer Gruppe gut. Prüfe die Anzeichen auf Groupthink gern direkt in deinem nächsten Meeting mit den Kollegen. Trifft es auch auf euch zu?

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