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Konflikteskalation nach Glasl: Von der Meinungsverschiedenheit zur Katastrophe

Auf den Punkt gebracht

Die Konflikteskalation nach Glasl beschreibt die Entwicklung von Konflikten auf 3 Konfliktebenen und 9 Konfliktstufen – von einer einfachen Meinungsverschiedenheit bis hin zur gemeinsamen Katastrophe. Für jede Stufe gibt es Strategien, wie der Konflikt am besten aufgelöst werden kann.

Sicher kennst du auch solche verfahrenen Situationen: Vorwürfe, böse Worte, offener Streit, verbrannte Erde. Nicht angenehm, aber nicht ungewöhnlich – sowohl im Privaten als auch im Job. So fahren Projekte vor die Wand, Teams zerbrechen, ganze Unternehmen werden vergiftet und Beziehungen scheitern.

Hast du dich auch schon einmal gefragt, wie um alles in der Welt du in einen Konflikt reingerutscht bist? Wie tief du schon drin steckst? Und vor allem: wie du da wieder raus kommst?

Genau diese Fragen beantwortet das Modell der Konflikteskalation nach Glasl.

Konflikteskalation: Ein Überblick

Laut Glasl existieren 9 Stufen auf dem Weg in den Abgrund, wobei jeweils 3 Stufen zu einer Eskalationsebene zusammengefasst werden. So sieht der Weg von einer einfachen Meinungsverschiedenheit bis zur absoluten Katastrophe aus:

Die Stufen der Konflikteskalation nach Glasl
Die Stufen der Konflikteskalation nach Glasl

Schau dir die drei Konfliktebenen an:

  • Ebene 1 – Win-Win: Die Streithöhne finden ohne Hilfe von außen eine Lösung, mit der beide Parteien zufrieden sind.
  • Ebene2 – Win-Lose: Hier gibt es maximal eine Partei, die halbwegs unbeschadet aus dem Konflikt herauskommt. Einer wird der Verlierer sein.
  • Ebene 3 – Lose-Lose: Eine „Lösung“, die nur Verlierer kennt und keine Gewinner.

Durchläuft jeder Konflikt zwangsläufig alle 9 Stufen? Zum Glück nicht! Das Modell der Konflikteskalation beschreibt jedoch die Entwicklung von Konflikten, wenn sie von beiden Parteien bis zum Ende „ausgekämpft“ werden. In der Praxis können sich haarige Situationen auch in Luft auflösen, wenn zum Beispiel eine Partei das Unternehmen verlässt und damit die Grundlage für den Konflikt wegbricht, oder wenn der Anlass für die ursprüngliche Meinungsverschiedenheit auf anderem Wege verschwindet und noch nicht zu viel Porzellan zerschlagen wurde.

Die 9 Stufen der Konflikteskalation

1. Verhärtung

Das kennst du sicher gut: Statt eines ausgewachsenen Konflikts prallen im ersten Moment nur unterschiedliche Meinungen aufeinander. Das ist wenig dramatisch, recht alltäglich und im Grunde harmlos. Wo gibt es nicht auch einmal Spannungen? Solange nichts persönlich genommen und sachlich miteinander umgegangen wird, musst du noch nicht sofort einen großen Konflikt ausrufen.

Aber: Wenn diese Spannungen nicht aufgelöst werden, landest du ganz schnell eine Ebene tiefer:

2. Polarisation und Debatte

Hier versuchen die Parteien, sich gegenseitig zu überzeugen, zu überreden oder unter Druck zu setzen. Wenn du von deinem Standpunkt komplett überzeugt bist, dann muss der des Gegenübers beinahe zwangsläufig falsch sein – Schwarz-Weiß-Denken kommt ins spiel. Gut steht gegen schlecht, richtig gegen falsch. Schnell wird der andere als Gegner wahrgenommen.

Eine typische Verhaltensweise: Jede der Parteien redet selbst gern, hört aber kaum noch zu. Ist das schon ein echter Streit? Durchaus! Und wenn der sich verschärft, dann bist du schnell auf Stufe 3.

3. Taten statt Worte

Beispiel:
Der Produktionsleiter “hat die Nase voll von dem blöden Heini vom Einkauf“ und bestellt einfach die Maschine von einem anderen Lieferanten, ohne das abzusprechen – Taten statt Worte!

Auf dieser Stufe der Konflikteskalation werden Argumente und die Position des anderen unwichtig. Es werden Fakten geschaffen und die anderen vor vollendete Tatsachen gestellt. Statt Verständnis gibt es hier nur noch eine Menge Frust und Misstrauen.

Bis zu dieser Stufe können Konflikte noch mit geeigneten Methoden zu Win-Win-Lösung aufgelöst werden (siehe unten: Ansätze zur Konfliktlösung). Klappt das nicht, betritt der Konflikt die nächste Ebene „Win-Lose“.

4. Sorge um das Image

Ist ein Konflikt soweit fortgeschritten, werden Verbündete und Unterstützer gesucht. Der ursprüngliche Auslöser wird unwichtiger – es zählt das Gewinnen.

Spielen wir das Beispiel von oben weiter:

Parteienbildung ist angesagt. Die einen halten zum Produktionsleiter, die anderen zum Einkäufer. Das kann auch schnell so unsymmetrisch werden, dass der eine allein da steht und der andere mit seinem Charme alle auf seine Seite gezogen hat. Auch vor Halbwahrheiten wird nicht zurückgeschreckt: „Wenn du wüsstest, was dieser Einkäufer unser Unternehmen mit seinen Fehlentscheidungen schon gekostet hat!“

5. Gesichtsverlust

Jetzt wird es so richtig persönlich und gern auch unfair. Auf dieser Stufe soll der Gegner demontiert werden, auch gern indem denunziert, unterstellt und übertrieben wird – Hauptsache, dem Gegner wird geschadet. Anstand und Moral? Fehlanzeige!

Beispiel:
„Dieser unfähige Idiot, der hat ja nicht mal seine Ehe retten können, wie will der ne Produktion leiten?“

6. Offene Drohungen

Beispiel:
“Ich sorge dafür, dass Sie in diesem Unternehmen nie wieder ein Projekt leiten!“

Wenn du Aussagen wie diese hörst, dann weißt du: Jetzt bist du auf Stufe 6. Offene Drohungen müssen nicht einmal laut gebrüllt sein, sondern können auch leise und hinter dem Rücken geäußert werden. In jedem Fall wird vermittelt, wer die größte Macht hat.

7. Begrenzte Vernichtungsschläge

Wir betreten die nächste Konfliktebene, auf der nur noch Lose-Lose-„Lösungen“ möglich sind – also beide Parteien verlieren. Auf Stufe 7 werden kleinere Schäden bei sich selbst in Kauf genommen, nur um den anderen zu treffen.

Beispiele:
Ja, der Einkäufer verzögert eine Rohstofflieferung, nur um dem Produktionsleiter zu schaden.
Im Lenkungsausschuss werden wichtige Projekte des anderen blockiert, die rein gar nichts mit dem ursprünglichen Anlass des Konflikts zu tun haben.

8. Zersplitterung

Du erinnerst dich an die Parteienbildung von oben? Hier werden endgültig alle anderen mit in die Sache reingezogen:

„Wer steht alles auf der Seite meines Gegners? Ich greife alle an oder versuche, einen Keil in die gegnerischen Linien zu treiben! Ich versuche, mit Drohung, Erpressung, Manipulation oder und all meinen Mitteln das Netzwerk meines Gegners zu zerstören.“

Klingt das nach Kriegsrethorik? Genau! Und genau darum geht es hier: um Krieg. Gibt es solche Zustände in deinem Unternehmen oder Projekt? Dann herzlichen Glückwunsch. Das raubt nicht nur Energie, sondern vergiftet das Klima, macht handlungsunfähig, kostet Unmengen von Geld und führt zu einer Flucht der besten Mitarbeiter.

9. Gemeinsam in den Abgrund

Die neunte und finale Stufe der Konflikteskalation nach Glasl: Mindestens eine Seite des Konflikts steigert sich in einen Vernichtungswahn hinein. Einzige Priorität: Den anderen in den Abgrund zu reißen, auch wenn selbst Schaden genommen wird.

Beispiel:
„Den mach ich fertig, auch wenn es mich meinen eigenen Job kostet!“

Rationales Denken spielt hier keine Rolle mehr. Geht jemand diesen Weg, entstehen meist Kollateralschäden, sei es das eigene Projekt, Schäden für den Arbeitgeber oder Kollegen. Im privaten Scheidungskrieg sind es oft die Kinder, die zu leiden haben.

Ansätze zur Konfliktlösung

Wenn du das so liest: Glaubst du, es gibt Möglichkeiten, aus diesen Stufen auszusteigen? Wer schon einmal ausgewachsene Konflikte durchlebt hat, der weiß, wie schwierig es ist, zu „Friede, Freude, Eierkuchen“ zurückzukehren.

Die gute Nachricht: Es gibt zum Glück viele Ausstiegspunkte.
Je tiefer die beiden Parteien allerdings im Konfliktkeller sitzen, desto aufwändiger wird das mit der Auflösung. Was zu Beginn noch mit „einfachem“ Reden gelöst werden kann, benötigt später professionelle Hilfe.

  • Stufe 1-3: Selbsthilfe ist möglich. die Parteien können gemeinsam eine Lösung finden.
  • Stufe 2-3: Hilfe aus direkter Umgebung oder Moderation
  • Stufe 3-5: Externe professionelle Prozessbegleitung
  • Stufe 4-6: Externe sozio-therapeutische Prozessbegleitung
  • Stufe 5-7: Externe professionelle Mediation
  • Stufe 6-8: Zum Beispiel Schiedsgerichtsverfahren
  • Stufe 7-9: Ein Machteingriff „von oben“ ist nötig … da muss der Chef durchgreifen, ganz klar!
Lösungsmöglichkeiten zur Konflikteskalation

Du siehst: Es gibt keine eindeutige Zuordnung von Lösungsansätzen zu den einzelnen Stufen. Häufig gibt es einen Überlapp und verschiedene Ansätze, den Konflikt aufzulösen – schließlich ist jeder Konflikt individuell.

Wir gehen in diesem Artikel nicht im Detail auf Verfahren zur Konfliktlösung sein. Was sollst du stattdessen hier mitnehmen? Du solltest erkennen können, wo du, deine Mitarbeiter oder Kollegen in der Konflikteskalation stehen. Nur so kannst du die richtigen Maßnahmen einleiten und erkennen, welcher Lösungsansatz zur Eskalationsstufe passt.

Beispiel:
Fährst du dich dauerhaft auf den Stufen 4, 5 oder 6 fest, dann ist Hilfe von außen dringend angesagt – auch wenn du das als Chef oder Projektleiter „drauf haben solltest“. Für solche Situationen gibt es Profis, die das vermutlich besser können als du und die dich unterstützen können.

Fazit

Das Modell der Konflikteskalation nach Glasl beschreibt anschaulich den Prozess von einer kleinen Unstimmigkeit bis hin zu Drohungen und dem Wunsch, den anderen zerstören zu wollen.

Wichtig für dich: Erkenne rechtzeitig die Konfliktsignale und habe keine falsche Scheu, Hilfe einzufordern oder zu erzwingen – genau das ist der Schlüssel zur Konfliktlösung jenseits der Stufe 3. Nutze die Konfliktlandkarte als praktisches Hilfsmittel, um einen Konflikt zu analysieren.

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