Konfliktarten im Überblick: Konflikt ist nicht gleich Konflikt!
Veröffentlicht: 7. Dezember 2023 | Letzte Aktualisierung: 15. Juni 2026
Für Eilige: Alles Wichtige auf einen Blick
Was ist eine Konfliktart? Eine Kategorie zur Einordnung von Konflikten nach ihrer zugrunde liegenden Ursache.
Warum ist das wichtig? Wer Konflikte nur an ihren Symptomen behandelt, bekämpft oft die falschen Ursachen und riskiert ein erneutes Auftauchen der gleichen Probleme.
Die wichtigsten Learnings: ➜ Hinter einem Konflikt steckt meist mehr als nur eine Meinungsverschiedenheit. ➜ Viele Konflikte entstehen durch unklare Erwartungen, Zuständigkeiten oder Interessen. ➜ Wer Konfliktarten kennt, kann gezielter eine Lösung suchen.
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Du hast sicherlich schon einmal Konflikte in deinem Projekt erlebt – sie sind schlichtweg unvermeidbar, sobald Menschen aufeinandertreffen. Doch was genau unterscheidet diese Konflikte eigentlich voneinander? In diesem Artikel schauen wir auf die häufigsten Konfliktarten – egal, ob es sich um persönliche Differenzen, fehlende Klarheit über Ziele oder Ressourcenkonflikte handelt.
Eine Konfliktart ist eine Kategorie zur Einordnung von Konflikten nach ihrer zugrunde liegenden Ursache.
Konfliktarten nach der Ursache
Konflikte werden basierend auf ihrer Ursache unterschiedlich eingeteilt:
Zielkonflikt: Was ist unser Ziel? Welche Ziele haben die höchste Priorität?
Beurteilungskonflikt: Wie können wir das Ziel erreichen? Was ist der beste Weg?
Verteilungskonflikt: Wer erhält die knappen Ressourcen? Wie wird eine Belastung gerecht aufgeteilt?
Beziehungskonflikt: Welche Differenzen gibt es in der zwischenmenschlichen Beziehung?
Struktureller Konflikt: Wer ist wofür verantwortlich? Wer trifft welche Entscheidungen?
Rollenkonflikt: Welche konkurrierenden Erwartungen werden an meine Rolle gestellt? Wie kann ich die Anforderungen mehrerer Rollen ausbalancieren?
Zielkonflikte
Den Zieltermin halten oder mehr Wert auf die Qualität legen? Das Budget nicht überschreiten, aber trotzdem die Muss-Ziele erreichen? Die meisten Projekte sind in sich bereits ein einziger Zielkonflikt: Welches Ergebnis ist am wichtigsten? Das klassische Magische Dreieck stellt diesen Zielkonflikt schön grafisch dar.
Zielkonflikte entstehen immer dann, wenn Uneinigkeit über das Ziel, die Richtung und die Ergebnisse herrscht. Typische Beispiele:
Schnell fertig werden vs. im Detail genau arbeiten
Auf Bewährtes setzen vs. Innovation fördern
Risiken vermeiden vs. Risiken bewusst eingehen
Niedrige Kosten vs. Hohe Qualität
Hohes Arbeitstempo vs. Niedriger Stress
Beispiel
In einem internen Softwareprojekt möchte die Unternehmensführung Schlüsselfunktionen so schnell wie möglich implementiert wissen, während das mittlere Management den Fokus auf die Qualität und Sicherheit legt. Hier entsteht ein Zielkonflikt zwischen Zeit und Qualität.
Learning Zielkonflikte entstehen, wenn unterschiedliche Ziele miteinander konkurrieren und nicht alles gleichzeitig erreicht werden kann. Die wichtigste Aufgabe besteht darin, Prioritäten bewusst zu klären, statt zu hoffen, dass sich der Konflikt von selbst löst.
Wichtig
In der Praxis müssen Konflikte nicht perfekt einer einzigen Konfliktart zugeordnet werden. Viele Konflikte bestehen aus mehreren Ebenen gleichzeitig.
Beispiel: Ein Streit um Ressourcen kann beispielsweise als Verteilungskonflikt beginnen, sich durch Frust und Missverständnisse aber zu einem Beziehungskonflikt entwickeln. Ebenso können unklare Zuständigkeiten (struktureller Konflikt) dazu führen, dass sich Beteiligte persönlich angegriffen fühlen.
Verstehe Konfliktarten also weniger als starre Schubladen, sondern nutze sie eher als Orientierungshilfe. Sie helfen dabei, die wahrscheinlichen Ursachen eines Konflikts systematisch zu betrachten und die richtigen Hebel für eine Lösung zu finden.
Die entscheidende Frage lautet also nicht „Welche Konfliktart ist es genau?“, sondern „Welche Ursachen spielen hier wahrscheinlich eine Rolle?“
Beurteilungskonflikte
Im Gegensatz zum Zielkonflikt ist bei dieser Konfliktart das Ziel klar – allerdings gibt es unterschiedliche Meinungen über den Weg dahin. Typische Fragen:
Wie gelangen wir genau zu diesem Ziel?
Ist Alternative A oder B besser geeignet?
Beurteilungskonflikte entstehen oft, weil die Beteiligten einen unterschiedlichen Wissensstand zum Thema haben. Wenn Person 1 sich mit einem Thema gut auskennt, Person zwei aber weniger gut, ist es für Person 2 z. B. schwer zu verstehen, warum 1 auf eine bestimmte Lösungsvariante pocht.
Beispiel
Eine Schlüsselfunktion im oben genannten Softwareprojekt ist die sichere und datenschutzkonforme Speicherung von persönlichen Daten. Alle Beteiligten stehen hinter diesem Ziel, jedoch werden unterschiedliche Lösungen bevorzugt: Während die Geschäftsführung einen verlässlichen externen Dienstleiter beauftragen möchte, sammelt die IT-Abteilung Argumente für eine Speicherung auf internen Servern. Es herrscht kein Konflikt über das WAS, sondern über das WIE.
Learning Bei Beurteilungskonflikten herrscht meist Einigkeit über das Ziel, aber nicht über den besten Weg dorthin. Oft hilft es, Annahmen und Fakten voneinander zu trennen und unterschiedliche Sichtweisen als Chance für bessere Entscheidungen zu nutzen.
Verteilungskonflikte
Diese Konfliktart ist typisch für Projekte, in denen Ressourcen knapp sind und die Verteilung von Ressourcen zu Unstimmigkeiten führt. Typische Fragen:
Welches Projekt bekommt ein benötigtes zusätzliches Budget?
In welchem Projekt wird eine bestimmte Schlüsselressource eingesetzt?
Warum erhält mein inkompetenter Kollege ein höheres Gehalt als ich?
Häufig stehen bei Verteilungskonflikten Fragen um Macht und Status im Mittelpunkt: Wer hat das Sagen? Wer setzt sich durch?
Beispiel
Das Projektteam im Softwareprojekt fühlt sich ungerecht behandelt: Kurzfristig werden die Prioritäten geändert und Ressourcen für ein anderes Projekt abgezogen. Die Stimmung verhärtet sich, als im nächsten Status-Meeting der langsame Projektfortschritt bemängelt wird. Der Konflikt droht, in einen Beziehungskonflikt mit der Frage um Machtverhältnisse abzudriften.
Learning Verteilungskonflikte drehen sich um knappe Ressourcen wie Zeit, Budget oder Personal. Sie lassen sich selten vollständig vermeiden, aber durch transparente Entscheidungen und nachvollziehbare Prioritäten deutlich entschärfen.
Beziehungskonflikte
Fast immer ist bei Konflikten der „Faktor Mensch“ im Spiel: Beziehungskonflikte treten dann auf, wenn sich jemand wenig wertgeschätzt oder nicht anerkannt fühlt, wenn zwei Personen eine unterschiedliche Sprache sprechen oder auch komplett unterschiedliche Werte vertreten. Manchmal handelt es sich schlichtweg um Befindlichkeiten und „Ich mag die nicht!“
Beispiel
Ein Projektmitarbeiter reibt sich am neuen Kollegen auf, der ständig mit Änderungsvorschlägen zu etablierten Prozessen kommt: „Der soll erstmal seine Arbeit machen, statt alles umkrempeln zu wollen!“ Beide sind sich nicht sympathisch, was sich in verminderter Kommunikation und spitzen Bemerkungen äußert.
Learning Beziehungskonflikte haben ihren Ursprung meist nicht in der Sache, sondern in der Art, wie Menschen miteinander umgehen. Solange die zwischenmenschliche Ebene belastet ist, werden selbst einfache Sachfragen schnell zum Streitpunkt.
Strukturelle Konflikte
Strukturelle Konflikte treten dann auf, wenn Entscheidungsbefugnisse oder Verantwortlichkeiten nicht klar definiert sind:
Wer darf was entscheiden?
Wer muss wann was abliefern?
Wer trägt die Verantwortung dafür?
Beispiel
Das Projektteam besteht aus Vertretern verschiedener Abteilungen und Fachbereiche. Es gibt kein eindeutiges Verständnis darüber, wer für welche Aufgabe verantwortlich ist oder wer bestimmte Entscheidungen treffen darf.
Learning Strukturelle Konflikte entstehen häufig durch unklare Zuständigkeiten, Entscheidungswege oder organisatorische Rahmenbedingungen. Wer hier nur an einzelnen Personen ansetzt, übersieht oft die eigentliche Ursache des Problems.
Rollenkonflikte
Welche Rollen nimmst du ein? Vielleicht Projektmanager, Kollege, Führungskraft, Motivator – bis hin zu Kumpel, Vater und Partner? Wir alle stehen oft vor der Herausforderung, mehrere Rollen jonglieren zu müssen. Kein Wunder, dass es dabei zu Konflikten kommen kann! Bei Rollenkonflikten werden zwei Konfliktarten unterschieden:
Intra-Rollenkonflikt: Ein Intra-Rollenkonflikt tritt auf, wenn eine Person innerhalb einer bestimmten Rolle in Konflikt mit sich selbst steht oder widersprüchliche Anforderungen oder Erwartungen wahrnimmt. In solchen Fällen fühlt sich eine Person möglicherweise hin- und hergerissen zwischen verschiedenen Zielen, Werten oder Verantwortlichkeiten innerhalb derselben Rolle.
Inter-Rollenkonflikt: Ein Inter-Rollenkonflikt hingegen entsteht, wenn verschiedene Rollen einer Person unvereinbar oder widersprüchlich sind. Dies geschieht, wenn eine Person verschiedene Rollen einnimmt, die unterschiedliche Erwartungen haben und in Konflikt stehen.
BeispielIntra-Rollenkonflikt:
An die Rolle des Projektmanagers werden unterschiedliche Anforderungen gestellt: „Von oben“ wird vorgegeben, Druck auf seine Teammitglieder auszuüben, während die Teammitglieder sich ein freundschaftliches Verhalten wünschen. Die Anforderungen an die Rolle sind widersprüchlich und nicht zu vereinbaren.
BeispielInter-Rollenkonflikt:
Der Projektmanager hat gleichzeitig die Rolle des Teammitglieds inne. Er muss sowohl die Interessen und Ziele des Gesamtprojekts als auch die Interessen und Ziele des Teams berücksichtigen. Der Rollenkonflikt: Er hat Schwierigkeiten, zwischen der Management-Verantwortung und den Aufgaben als Teammitglied abzuwägen.
Learning Rollenkonflikte entstehen, wenn unterschiedliche Erwartungen an eine Person nicht gleichzeitig erfüllt werden können. Entscheidend ist, diese Erwartungen sichtbar zu machen und bewusst auszuhandeln.
Konfliktarten nach den Beteiligten
Intrapersonaler Konflikt
Ein intrapersonaler Konflikt (Selbstkonflikt) tritt innerhalb einer Person auf. Du kennst sicher die Momente, wenn du zwischen mehreren Optionen hin- und hergerissen bist, deine Ziele nicht klar sind oder mehrere deiner Werte miteinander in Konflikt stehen.
Du bist unsicher, ob du deinen sicheren und gut bezahlten Job behalten oder wechseln solltest. Dein neuer Job entspricht mehr deinen Interessen, ist aber schlechter bezahlt und unsicherer.
Learning Intrapersonale Konflikte spielen sich innerhalb einer Person ab und entstehen durch widersprüchliche Wünsche, Ziele oder Werte. Sie sind von außen oft schwer erkennbar, können aber Entscheidungen und Handlungen erheblich beeinflussen.
Interpersonaler Konflikt
Ein interpersonaler (zwischenmenschlicher) Konflikt tritt zwischen zwei oder mehreren Personen auf. Dies kann auf Unterschiede in Meinungen, Werten, Interessen oder Kommunikationsstilen oder auch Missverständnisse zurückzuführen sein.
Beispiel
Du kannst deine Kollegin nicht ausstehen, fühlst dich vom Chef ungerecht behandelt oder kämpfst vergeblich um die Freigabe für eine bestimmte Ressource.
Learning Interpersonale Konflikte entstehen zwischen zwei Personen und gehören zu den häufigsten Konfliktformen im Projektalltag. Je früher Missverständnisse, unterschiedliche Erwartungen oder Spannungen angesprochen werden, desto leichter lassen sie sich lösen.
Intragruppenkonflikt
Ein Intragruppenkonflikt tritt innerhalb einer Gruppe von Personen auf. Dies kann durch unterschiedliche Ansichten, Ziele, Erwartungen oder Interessen innerhalb der Gruppe entstehen.
Beispiel
Die Teammitglieder haben in einem Meeting unterschiedliche Ansichten darüber, wie ein bestimmtes Problem gelöst werden soll.
Learning Intragruppenkonflikte entstehen innerhalb eines Teams oder einer Gruppe. Sie sind nicht automatisch negativ, sondern können konstruktiv ausgetragen zu besseren Lösungen und einer besseren Teamdynamik führen.
Intergruppenkonflikt
Ein Intergruppenkonflikt tritt auf, wenn Konflikte zwischen zwei oder mehreren Gruppen auftreten. Dies kann auf Unterschiede in Werten, Zielen, Vorstellungen oder Interessen zwischen den Gruppen zurückzuführen sein.
Beispiel
Zwei verschiedene Abteilungen innerhalb eines Unternehmens konkurrieren miteinander um wertvolle Zeit im Testlabor.
Learning Intergruppenkonflikte entstehen zwischen verschiedenen Teams, Abteilungen oder Organisationseinheiten. Häufig stehen dabei unterschiedliche Interessen, Ziele oder Perspektiven im Mittelpunkt und weniger einzelne Personen.
Fazit
Konflikt ist gleich Konflikt? So einfach ist das nicht! Konflikte kommen in unterschiedlichsten Konfliktarten daher – jeweils bezogen auf die beteiligten Personen und die zugrundeliegende Ursache. Konflikte entstehen unausweichlich dann, wenn Menschen zusammenarbeiten. Je schneller du die Ursache erkennst, desto besser kannst du frühzeitig und konstruktiv Lösungsansätze finden.
Andrea Windolph schreibt seit 2014 auf "Projekte leicht gemacht" unverkrampft und pragmatisch über Projektmanagement, ist als Autorin und Online-Trainerin tätig und Mitgründerin der Online-Weiterbildungsplattform ittp. Sie betrachtet Projektmanager als echte Helden und Alleskönner.
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