Blog » Softskills » Kommunikation » Konflikte » Konfliktarten im Überblick: Konflikt ist nicht gleich Konflikt!
Artikel zu Konfliktarten im Projekt

Konfliktarten im Überblick: Konflikt ist nicht gleich Konflikt!

Auf den Punkt gebracht

Als Konfliktarten werden Zielkonflikte, Beurteilungskonflikte, Verteilungskonflikte, Beziehungskonflikte, strukturelle Konflikte und Rollenkonflikte unterschieden. In diesem Artikel findest du zu jeder dieser Konfliktart ein Beispiel aus dem Bereich des Projektmanagements.

Als PDF herunterladen

Du hast sicherlich schon einmal Konflikte in deinem Projekt erlebt – sie sind schlichtweg unvermeidbar, sobald Menschen aufeinandertreffen. Doch was genau unterscheidet diese Konflikte eigentlich voneinander? In diesem Artikel schauen wir genauer hin, welche Konfliktarten es gibt – egal, ob es sich um persönliche Differenzen, fehlende Klarheit über Ziele oder Ressourcenkonflikte handelt.

Konfliktarten nach der Ursache

Konfliktarten nach ihrer Ursache: Zielkonflikt, Beurteilungskonflikt, Verteilungskonflikt, Beziehungskonflikt usw.

Konflikte werden basierend auf ihrer Ursache unterschiedlich eingeteilt:

  • Zielkonflikt: Was ist unser Ziel? Welche Ziele haben die höchste Priorität?
  • Beurteilungskonflikt: Wie können wir das Ziel erreichen? Was ist der beste Weg?
  • Verteilungskonflikt: Wer erhält die knappen Ressourcen? Wie wird eine Belastung gerecht aufgeteilt?
  • Beziehungskonflikt: Welche Differenzen gibt es in der zwischenmenschlichen Beziehung?
  • Struktureller Konflikt: Wer ist wofür verantwortlich? Wer trifft welche Entscheidungen?
  • Rollenkonflikt: Welche konkurrierenden Erwartungen werden an meine Rolle gestellt? Wie kann ich die Anforderungen mehrerer Rollen ausbalancieren?

Zielkonflikte

Den Zieltermin halten oder mehr Wert auf die Qualität legen? Das Budget nicht überschreiten, aber trotzdem die Muss-Ziele erreichen? Die meisten Projekte sind in sich bereits ein einziger Zielkonflikt: Welches Ergebnis ist am wichtigsten? Das klassische Magische Dreieck stellt diesen Zielkonflikt schön grafisch dar.

Zielkonflikte entstehen immer dann, wenn Uneinigkeit über das Ziel, die Richtung und die Ergebnisse herrscht. Typische Beispiele:

  • Schnell fertig werden vs. im Detail genau arbeiten
  • Auf Bewährtes setzen vs. Innovation fördern
  • Risiken vermeiden vs. Risiken bewusst eingehen
  • Niedrige Kosten vs. Hohe Qualität
  • Hohes Arbeitstempo vs. Niedriger Stress

Beispiel:
In einem internen Softwareprojekt möchte die Unternehmensführung Schlüsselfunktionen so schnell wie möglich implementiert wissen, während das mittlere Management den Fokus auf die Qualität und Sicherheit legt. Hier entsteht ein Zielkonflikt zwischen Zeit und Qualität.

Beurteilungskonflikte

Im Gegensatz zum Zielkonflikt ist bei dieser Konfliktart das Ziel klar – allerdings gibt es unterschiedliche Meinungen über den Weg dahin. Typische Fragen:

  • Wie gelangen wir genau zu diesem Ziel?
  • Ist Alternative A oder B besser geeignet?

Beurteilungskonflikte entstehen oft, weil die Beteiligten einen unterschiedlichen Wissensstand zum Thema haben. Wenn Person 1 sich mit einem Thema wenig auskennt, ist es für Person 2 schwer zu verstehen, warum 1 auf eine bestimmte Lösungsvariante pocht.

Beispiel:
Eine Schlüsselfunktion im oben genannten Softwareprojekt ist die sichere und datenschutzkonforme Speicherung von persönlichen Daten. Alle Beteiligten stehen hinter diesem Ziel, jedoch werden unterschiedliche Lösungen bevorzugt: Während die Geschäftsführung einen verlässlichen externen Dienstleiter beauftragen möchte, sammelt die IT-Abteilung Argumente für eine Speicherung auf internen Servern. Es herrscht kein Konflikt über das WAS, sondern über das WIE.

Verteilungskonflikte

Diese Konfliktart ist typisch für Projekte, in denen knappe Ressourcen auf der Tagesordnung stehen. Typische Fragen:

  • Welches Projekt bekommt ein benötigtes zusätzliches Budget?
  • In welchem Projekt wird eine bestimmte Schlüsselressource eingesetzt?
  • Warum erhält mein inkompetenter Kollege ein höheres Gehalt als ich?

Häufig stehen bei Verteilungskonflikten Fragen um Macht und Status im Mittelpunkt: Wer hat das Sagen? Wer setzt sich durch?

Beispiel:
Das Projektteam im Softwareprojekt fühlt sich ungerecht behandelt: Kurzfristig werden die Prioritäten geändert und Ressourcen für ein anderes Projekt abgezogen. Die Stimmung verhärtet sich, als im nächsten Status-Meeting der langsame Projektfortschritt bemängelt wird. Der Konflikt droht, in einen Beziehungskonflikt mit der Frage um Machtverhältnisse abzudriften.

Beziehungskonflikte

Fast immer ist bei Konflikten der „Faktor Mensch“ im Spiel: Beziehungskonflikte treten dann auf, wenn sich jemand wenig wertgeschätzt oder nicht anerkannt fühlt, wenn zwei Personen eine unterschiedliche Sprache sprechen oder auch komplett unterschiedliche Werte vertreten. Manchmal handelt es sich schlichtweg um Befindlichkeiten und „Ich mag die nicht!“

Beispiel:
Ein Projektmitarbeiter reibt sich am neuen Kollegen auf, der ständig mit Änderungsvorschlägen zu etablierten Prozessen kommt: „Der soll erstmal seine Arbeit machen, statt alles umkrempeln zu wollen!“ Beide sind sich nicht sympathisch, was sich in verminderter Kommunikation und spitzen Bemerkungen äußert.

Strukturelle Konflikte

Strukturelle Konflikte treten dann auf, wenn Entscheidungsbefugnisse oder Verantwortlichkeiten nicht klar definiert sind:

  • Wer darf was entscheiden?
  • Wer muss wann was abliefern?
  • Wer trägt die Verantwortung dafür?

Beispiel:
Das Projektteam besteht aus Vertretern verschiedener Abteilungen und Fachbereiche. Es gibt kein eindeutiges Verständnis darüber, wer für welche Aufgabe verantwortlich ist oder wer bestimmte Entscheidungen treffen darf.

Rollenkonflikte

Welche Rollen nimmst du ein? Vielleicht Projektmanager, Kollege, Führungskraft, Motivator – bis hin zu Kumpel, Vater und Partner? Wir alle stehen oft vor der Herausforderung, mehrere Rollen jonglieren zu müssen. Kein Wunder, dass es dabei zu Konflikten kommen kann! Bei Rollenkonflikten werden zwei Konfliktarten unterschieden:

  • Intra-Rollenkonflikt: Ein Intra-Rollenkonflikt tritt auf, wenn eine Person innerhalb einer bestimmten Rolle in Konflikt mit sich selbst steht oder widersprüchliche Anforderungen oder Erwartungen wahrnimmt. In solchen Fällen fühlt sich eine Person möglicherweise hin- und hergerissen zwischen verschiedenen Zielen, Werten oder Verantwortlichkeiten innerhalb derselben Rolle.
  • Inter-Rollenkonflikt: Ein Inter-Rollenkonflikt hingegen entsteht, wenn verschiedene Rollen einer Person unvereinbar oder widersprüchlich sind. Dies geschieht, wenn eine Person verschiedene Rollen einnimmt, die unterschiedliche Erwartungen haben und in Konflikt stehen.

Beispiel Intra-Rollenkonflikt:
An die Rolle des Projektmanagers werden unterschiedliche Anforderungen gestellt: „Von oben“ wird vorgegeben, Druck auf seine Mitarbeiter auszuüben, während die Mitarbeiter sich ein freundschaftliches Verhalten wünschen. Die Anforderungen an die Rolle sind widersprüchlich und nicht zu vereinbaren.

Beispiel Inter-Rollenkonflikt:
Der Projektmanager hat gleichzeitig die Rolle des Teammitglieds inne. Er muss sowohl die Interessen und Ziele des Gesamtprojekts als auch die Interessen und Ziele des Teams berücksichtigen. Der Rollenkonflikt: Er hat Schwierigkeiten, zwischen der Management-Verantwortung und den Aufgaben als Teammitglied abzuwägen.

Konfliktarten nach den Beteiligten

Konfliktarten nach ihren Beteiligten: Intrapersonal, Interpersonal, Intragruppal und Intergruppal

Intrapersonaler Konflikt

Ein intrapersonaler Konflikt (Selbstkonflikt) tritt innerhalb einer Person auf. Du kennst sicher die Momente, wenn du zwischen mehreren Optionen hin- und hergerissen bist, deine Ziele nicht klar sind oder mehrere deiner Werte miteinander in Konflikt stehen.

Lies gern unseren Artikel zum inneren Team!

Beispiel:
Du bist unsicher, ob du deinen sicheren und gut bezahlten Job behalten oder wechseln solltest. Dein neuer Job entspricht mehr deinen Interessen, ist aber schlechter bezahlt und unsicherer.

Interpersonaler Konflikt

Ein Interpersonaler (zwischenmenschlicher) Konflikt tritt zwischen zwei oder mehreren Personen auf. Dies kann auf Unterschiede in Meinungen, Werten, Interessen oder Kommunikationsstilen zurückzuführen sein.

Beispiel:
Du kannst deine Kollegin nicht ausstehen, fühlst dich vom Chef ungerecht behandelt oder kämpfst vergeblich um die Freigabe für eine bestimmte Ressource.

Intragruppenkonflikt

Ein Intragruppenkonflikt tritt innerhalb einer Gruppe von Personen auf. Dies kann durch unterschiedliche Ansichten, Ziele, Erwartungen oder Interessen innerhalb der Gruppe entstehen.

Beispiel:
Die Teammitglieder in einem Projekt haben unterschiedliche Ansichten darüber, wie ein bestimmtes Problem gelöst werden soll.

Intergruppenkonflikt

Ein Intergruppenkonflikt tritt auf, wenn Konflikte zwischen zwei oder mehreren Gruppen auftreten. Dies kann auf Unterschiede in Werten, Zielen, Vorstellungen oder Interessen zwischen den Gruppen zurückzuführen sein.

Beispiel:
Zwei verschiedene Abteilungen innerhalb eines Unternehmens konkurrieren miteinander um wertvolle Zeit im Testlabor.

Fazit

Konflikt ist gleich Konflikt? So einfach ist das nicht! Konflikte kommen in unterschiedlichsten Konfliktarten daher – jeweils bezogen auf die beteiligten Personen und die zugrundeliegende Ursache. Je schneller du die Ursache erkennst, desto besser kannst du bei der Konfliktlösung ansetzen.

Mehr zum Thema Konflikte:

Nach oben scrollen
Kostenloses Projektmanagement-Starterset