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Stakeholder: Information nicht gleich Kommunikation

„Alle informiert“ und trotzdem Ärger? Der Kommunikations-Irrtum in vielen Projekten

Für Eilige: Alles Wichtige auf einen Blick

Was ist der Kommunikations-Irrtum in vielen Projekten?
Zu glauben, dass eine Information automatisch verstanden und akzeptiert wird, nur weil sie verschickt wurde.
Warum ist das wichtig?
Weil viele Konflikte, Widerstände und Überraschungen im Projekt oft nicht durch fehlende Informationen entstehen, sondern durch unterschiedliche Wahrnehmungen derselben Botschaft.
Die wichtigsten Learnings:
➜ Gute Projektkommunikation beginnt beim Empfänger, nicht beim Sender.
➜ Menschen hören und interpretieren dieselbe Botschaft unterschiedlich.
➜ Stakeholder interessieren sich vor allem für ihre eigene Perspektive.

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Stell dir vor, du hast ein im Meeting besprochenes Thema wie besprochen als sorgfältige Präsentation aufbereitet und alle per E-Mail darüber informiert. Eigentlich müsste also alles klar sein! Und trotzdem sitzt du wenige Wochen später in einer Diskussion und hörst Sätze wie:

  • „Davon wusste ich nichts.“
  • „Das hat mir so niemand gesagt.“
  • „Ich habe das völlig anders verstanden.“

Im ersten Moment wirkt das unfair. Schließlich hast du doch sauber kommuniziert, oder?

Genau hier liegt ein echter Irrtum: Viele gehen davon aus, dass alle eine Information automatisch verstehen, akzeptieren und sich daran erinnern, sobald sie verschickt oder präsentiert wurde. Nach dem Motto: Wer informiert wurde, kann später nicht überrascht sein. Die Realität sieht allerdings oft anders aus. Warum das so ist, schauen wir uns in diesem Artikel genauer an.

Der große Denkfehler: Information ≠ Kommunikation

Viele bewerten ihre Kommunikation danach, ob sie Informationen verteilt haben, egal, ob als E-Mail oder in einem Meeting. Die Aufgabe ist schließlich erledigt, richtig? Doch genau hier liegt der Denkfehler: Informationen zu versenden, ist nicht zwingend eine zielführende Kommunikation. Betrachten wir es vereinfacht:

  • Information beschreibt zunächst nur das Versenden einer Botschaft.
  • Kommunikation beginnt erst dann, wenn diese Botschaft beim Empfänger ankommt, verstanden wird und die gewünschte Wirkung erzielt.

Beispiel

Du informierst einen Fachbereich darüber, dass sich ein wichtiger Meilenstein um vier Wochen verschiebt – die Information wurde übermittelt. Trotzdem kann es sein, dass der Fachbereich die Auswirkungen unterschätzt, andere Prioritäten setzt oder die Dringlichkeit nicht erkennt. Die Information ist angekommen – die eigentliche Botschaft jedoch nicht zwingend.

Projektkommunikation scheitert oft nicht an fehlenden Informationen, sondern an der Annahme, dass Informieren automatisch zu Verständnis führt.
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Die entscheidende Frage lautet also nicht:

„Haben wir die Information verschickt?“

Sondern:

„Haben die relevanten Personen verstanden, was diese Information für sie bedeutet?“

Genau dieser Unterschied entscheidet häufig darüber, ob Projekte auf Unterstützung stoßen oder später mit Widerständen, Missverständnissen und Überraschungen kämpfen müssen.

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Eine verschickte Information ist noch keine erfolgreiche Kommunikation. Entscheidend ist nicht, was du gesendet hast, sondern was beim Empfänger tatsächlich angekommen ist.

Warum dieselbe Botschaft unterschiedlich ankommt

Wir Menschen nehmen Informationen nie neutral auf: Wir hören, lesen und bewerten Botschaften immer durch die Brille unserer eigenen Interessen, Erfahrungen, Erwartungen und der Beziehung zum Sender. Eine identische Aussage kann also bei verschiedenen Stakeholdern völlig unterschiedliche Reaktionen auslösen:

Beispiel

Anna leitet ein Projekt und kommuniziert, dass sich der Go-live um vier Wochen verschiebt.

➜ Der Sponsor denkt sofort an zusätzliche Kosten.
➜ Der Fachbereich ärgert sich über die längere Wartezeit.
➜ Das Projektteam atmet vielleicht sogar auf, weil der ursprüngliche Termin ohnehin nicht mehr realistisch war.

Die reine Botschaft an sich war für alle identisch – die Interpretation und Einordnung jedoch nicht.

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Menschen hören nicht nur, was gesagt wird – sie hören vor allem das, was für sie persönlich relevant ist. Deshalb kann dieselbe Botschaft bei unterschiedlichen Stakeholdern völlig verschiedene Reaktionen auslösen.

Mehr zum Thema Kommunikationstheorie findest du in folgenden Artikeln:

Weiterlesen: Das Eisbergmodell: Beispiele für sichtbare + unsichtbare Kommunikation
Weiterlesen: Das 4-Ohren-Modell einfach erklärt
Weiterlesen: Kommunikationsmodelle nach Schulz von Thun: Ein umfassender Überblick
Weiterlesen: Die 5 Axiome der Kommunikation nach Paul Watzlawick: Das Kommunikationsmodell einfach erklärt

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Zielgruppengerechte Kommunikation bedeutet nicht Manipulation

Wenn Projektmanager ihre Kommunikation an unterschiedliche Stakeholder anpassen sollen, klingt das für manche nach Schönfärberei oder Manipulation – genau darum geht es aber nicht. Statt verschiedenen Personen unterschiedliche Wahrheiten zu erzählen, wird die jeweils relevante Perspektive der Empfänger berücksichtigt:

Beispiel

Wir spielen das Beispiel von oben weiter. Empfänger könnten sich beim verschobenen Go-Live folgende Fragen stellen:

➜ Sponsor: „Welche Auswirkungen hat das auf Budget, Risiken und den erwarteten Projektnutzen?“
➜ Fachbereich: „Was bedeutet die Verzögerung für die Anwender und die geplanten Arbeitsabläufe?“
➜ Team: „Welche zusätzlichen Aufgaben entstehen, welche Termine müssen angepasst werden und wie kann die gewonnene Zeit sinnvoll genutzt werden?“

Nimm mit: Die eigentliche Botschaft bleibt dabei dieselbe – nur der Fokus verändert sich.

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Zielgruppengerechte Kommunikation bedeutet nicht, die Botschaft zu verändern, sondern ihre Bedeutung für den jeweiligen Empfänger deutlich zu machen.

Viele Kommunikationsprobleme entstehen, weil Projekte nach dem Gießkannenprinzip kommunizieren: Alle erhalten dieselbe Präsentation, dieselbe E-Mail oder denselben Statusbericht. Das wirkt auf den ersten Blick fair, führt aber oft dazu, dass sich niemand wirklich angesprochen fühlt.
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Fazit

„Alle sind informiert“ ist nicht das entscheidende Kriterium für Kommunikation im Projekt – es reicht eben nicht aus, dass Informationen verschickt werden.

Wirksame Kommunikation beginnt deshalb nicht mit der Frage:

„Was möchte ich mitteilen?“

Sondern:

„Was muss diese Person verstehen, damit sie das Projekt unterstützen kann?“

Wer seine Kommunikation konsequent an den Bedürfnissen seiner Stakeholder ausrichtet, erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Botschaften nicht nur versendet, sondern auch verstanden werden. Idealerweise kann so die Wahrscheinlichkeit für Widerstände und Konflikte verringert werden – und davon profitieren alle.

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