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Zielbeziehungen: Wie Ziele miteinander harmonieren (oder auch nicht)

Auf den Punkt gebracht

Alle Projektziele harmonieren miteinander und führen zum großen Projektgesamtziel? So einfach funktioniert es oft nicht: Dieser Artikel beschreibt die Begriffe der Zielidentität, Zielkomplementarität, Zielneutralität, Zielkonkurrenz und Zielantinomie – und was sie für die Praxis bedeuten.

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Zielbeziehungen sind ein spannendes Thema: Im Grunde sollten doch alle Ziele im Projekt dazu dienen, das Projekt zum Erfolg zu führen. Allein dadurch sollten sie miteinander harmonieren – sollte man meinen. Das kann sein – muss aber nicht.

Vielleicht kennst du das auch: Dein Projekt darf kaum was kosten aber das Ergebnis muss vom Feinsten sein. Harmonieren diese Ziele miteinander? Eindeutig nicht. Weil genau solche Widersprüche typisch in Projekten sind, schauen wir uns in diesem Artikel Zielbeziehungen näher an und betrachten auch die Fallstricke, die entstehen können.

Warum Ziele nicht immer harmonieren

Projekte befinden sich immer in einem Spannungsfeld. Zeit und Geld stehen unbegrenzt zur Verfügung? Kein Problem! Die Praxis sieht allerdings anders aus:

  • Der CFO will, dass alles nichts kostet.
  • Der Vertrieb möchte endlich all die coolen Features implementiert sehen, die sie den Kunden schon seit Jahren leichtsinnig versprechen.
  • Der Betriebsrat steht für sozialen Ausgleich, das Marketing für höhere Budgets, die Qualitätsicherung für strenge Prozesse … und so weiter!

Viele dieser Spannungen lassen sich im berühmten Magischen Dreieck illustrieren: Der Projektmanager hat die Aufgabe, die (oft) konkurrierenden Ecken auszubalancieren:

Das magische Dreieck

Das ist schlimmer als die Planung des Familienurlaubs: Der eine will Sonne, der andere Kultur, die Kinder wollen Freizeitparks – und billig soll es auch sein. Ob Familie oder Projekt im Job: Es gibt immer Stakeholder mit eigenen Vorstellungen und Prioritäten. Es wäre beinahe ein Wunder, wenn alle der gleichen Meinung wären und alle Ziele perfekt zueinander passen würden.

Weil widersprüchliche Ziele eher die Regel als die Ausnahme sind, solltest du die Zielbeziehungen kennen und entsprechend handeln können. Schauen wir genauer hin!

Zielbeziehungen im Überblick

ZIELBEZIEHUNGBESCHREIBUNGAUSWIRKUNGBEISPIEL
ZielidentitätEs handelt sich um identische Ziele.Eines der Ziele sollte aus der Zielliste entfernt werden.Ziel 1: Der Projektendtermin wird nicht überschritten.
Ziel 2: Projektendtermin ist der 30.8. 
ZielkomplementaritätWenn ein Ziel erreicht wird, unterstützt dies auch das Erreichen des anderen Ziels. keine besonderen AuswirkungenZiel 1: Die Finanzierung ist gesichert.
Ziel 2: Pünktlicher Baubeginn am 1.5.
ZielneutralitätDie Ziele beeinflussen sich nicht gegenseitig.keine besonderen AuswirkungenZiel 1: Das Dach hat rote Dachziegel.
Ziel 2: Einweihungsfeier am 10.9.
ZielkonkurrenzWenn ein Ziel erreicht wird, behindert dies die Erreichung des anderen Ziels.Konkurrierende Ziele sind Quellen für Risiken!Ziel 1: Qualitativ hochwertige Bodenbeläge
Ziel 2: Kosten für Bodenbeläge <3.000 Euro
ZielantinomieDie Ziele schließen sich aus.Die Zieldefinition muss überdacht bzw. korrigiert werden. Das Projektergebnis ist so nicht erreichbar. Ziel 1: Balkon mit Südausrichtung
Ziel 2: Keine direkte Sonneneinstrahlung auf den Balkon

Zielidentität

Hier handelt es sich um Ziele, den gleichen Zustand anvisieren – also identisch sind. Wie kann das passieren? Ganz einfach: Vielleicht haben sie einen unterschiedlichen Wortlaut, laufen aber im Kern auf das Gleiche hinaus.

Beispiel:
Ziel A: Der Projektendtermin wird nicht überschritten.
Ziel B: Der Projektendtermin ist der 31.8.

Das richtige Vorgehen: Eines der Ziele wird entfernt bzw. beide Ziele zusammengefasst. Alles andere ist nur unnötiger Ballast.

Zielkomplementarität

Eine der angenehmsten Zielbeziehungen liegt vor, wenn die Ziele komplementär zueinander sind und sich gegenseitig unterstützen. In solchen Fällen sind keine Probleme zu erwarten und du als Projektmanager kannst dich entspannt zurücklehnen, wenn alle deine Ziele so vorliegen.

Beispiel:
Ziel A: Die Finanzierung ist zum 1.3. gesichert.
Ziel B: Pünktlicher Baubeginn am 1.6.
Die rechtzeitige Finanzierung hilft beim Erreichen von Ziel B, dem pünktlichen Baubeginn – wunderbar!

Zielneutralität

Auch hier hast du wenig zu tun: Die Ziele verhalten sich neutral zueinander und beeinflussen sich nicht gegenseitig, sodass keine Spannungen zu erwarten sind.

Beispiel:
Das Dach hat rote Dachziegel.
Das Richtfest ist am 1.8. .

Zielkonkurrenz

Hier wird es langsam haarig. Häufig konkurrieren Ziele miteinander, was konkret heißt: Du kannst nicht ein Ziel beliebig weit treiben, ohne dass ein anderes darunter leidet.

Beispiel:
Im neuen Bürogebäude sollen sehr hochwertige Bodenbeläge verbaut werden. Diese dürfen aber maximal 10 Euro pro Quadratmeter kosten. Diese zwei Ziele behindern sich gegenseitig und konkurrieren miteinander.

Dieses Spannungsfeld kannst du nie ganz verhindern: Es ist eine der ehrenvollen Aufgaben eines Projektmanagers, mit solchen Konflikten umzugehen. Folgende Ansätze kannst du verfolgen:

  • Ist die Kombination aus zwei Zielen absolut unrealistisch, dann kann sich ein Verhandeln mit Stakeholdern lohnen, um eines der Ziele abzuschwächen, beispielsweise durch ein höheres Budget.
  • Priorisiere deine Ziele! Was ist wichtiger? Das Einhalten des Budgets auf den Cent oder die geforderte Qualität der Bodenbeläge? Sobald klar ist, welches Ziel wichtiger ist, fallen Entscheidungen leicht.

Trotz allem ändert nichts am Prinzip: Mit konkurrierenden Zielen musst du in fast allen Projekten rechnen.

Zielantinomie

Jetzt wird es hart für jeden Projektleiter: Wenn Ziele antinom zueinander sind, dann schließen sie sich komplett aus – sie können generell nicht erreicht werden.

Beispiele:
Balkon in Südausrichtung aber ohne direkte Sonneneinstrahlung? Das passt nicht zusammen! Zumindest nicht bei freistehenden Gebäuden.
Ein Projekt soll die Belegschaft reduzieren und gleichzeitig die zufriedensten und motiviertesten Mitarbeiter hervorbringen? Das widerspricht sich genauso!

Entdeckst du solche extremen Widersprüche, dann hilft nur eins: Korrigieren, Streiten mit den Auftraggebern und anderen Stakeholdern – aber kein Projekt mit sich widersprechenden Zielen starten. Wer will schon verlieren, bevor er überhaupt angefangen hat?

Zielbeziehungen visualisieren

Wenn du die Zielbeziehungen in deinem Projekt analysierst, kannst du ziemlich schnell den Überblick verlieren. Auf welche Paare hast du schon geschaut, welche noch nicht? Guter Tipp: Eine einfache Matrix wie diese hilft:

Für jede Zielbeziehung kannst du ein Symbol eintragen, zum Beispiel eine Null für neutrale Ziele, ein doppeltes Plus für die Identität oder ein einfaches Minus für konkurrierende Ziele. Praktisch für einen schnellen Überblick oder Projektpräsentationen.

Ein Praxisbeispiel

In einem Projekt soll der Kundendienst des Unternehmens optimiert werden. Folgende Ziele wurden formuliert:

Ziel 1: Reduzierung der Personalkosten im Bereich Kundendienst um 25%.
Ziel 2: Der Kundendienst ist 24 Stunden an 7 Tagen die Woche erreichbar.

Beide Ziele klingen für sich allein schlüssig – können aber in Kombination ein Problem ergeben. In diesem Fall handelt es sich um zwei konkurrierende Ziele. Was passiert in so einem Fall? Konkurrierende Ziele sind nicht ungewöhnlich und kommen in den meisten Projekten vor. Idealerweise hast du zuvor schon eine Priorisierung der Ziele vorgenommen. Treffen nun zwei konkurrierende Ziele aufeinander, so gewinnt im Zweifel das mit der höheren Priorität.

Eine andere Alternative ist die Korrektur des Ziels, sodass die Ziele sich von da an zumindest neutral gegenüberstehen.

Smarte Projektziele – aber wie?

Zieldefinitionen auf den Punkt und robuste Kriterien, die von allen akzeptiert werden – das ist kein Kinderspiel! Falls du deine Projekte stressfrei und erfolgreich managen möchtest oder eine Zertifizierung anstrebst: Die flexible ittp-Online-Ausbildung schafft den entscheidenden Vorteil für deinen nächsten Karriereschritt. In fokussierten Micro-Learning-Modulen erhältst du alle Werkzeuge, um produktive Teams zu führen und herausragende Projektergebnisse zu erzielen – zufriedene Kunden inklusive.

Egal ob alter Hase oder Projektmanagement-Neuling: Nur mit der nötigen Expertise und Praxiswissen in Management, Teamführung und Organisation gelingt dir der hektische Projektalltag. Klar, den gesunden Menschenverstand musst du schon selbst mitbringen – aber das nötige Know-How für erfolgreiche Projekte bekommst du von uns. Die innovative ittp-Lernplattform bietet dir fundiertes Grundlagenwissen, wertvolle Praxistipps und reichlich Gelegenheit zum Üben – damit du selbst in kniffligsten Projektsituationen gelassen bleibst und kompetent agierst.

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Fazit

Aus diesen Gründen solltest du deine Zielbeziehungen näher betrachten:

  • Du entdeckst, ob dein Projekt überhaupt so durchführbar ist (wenn es keine antinomen Ziele gibt).
  • Du kannst Stellen für mögliche Risiken aufdecken (bei konkurrierenden Zielen).
  • Du findest überflüssige Ziele, die bereits mit anderen Zielen abgedeckt sind (und schaffst dadurch Übersicht).

Auch wenn Zielbeziehungen in der Praxis selten analysiert werden: Diese Projektmanagement-Methode ist äußerst nützlich und steigert das Verständnis für das Projekt. Ist es schlüssig? Lauern Probleme? Dieser einmalige Aufwand zu Beginn des Projekts lohnt spätestens dann, wenn du Konkurrenzen aufdeckst und rechtzeitig gegensteuern kannst – und das spart oft Zeit und Geld.

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