Die Kraftfeldanalyse: Was fördert uns – und was blockiert?

Manche Probleme lassen sich nicht auf einen Blick überschauen – ebenso wie das Verhalten von Stakeholder in Projekten. Doch zum Glück gibt es für solche Situationen die passenden Werkzeuge. Eines dieser Tools ist die Kraftfeldanalyse.

Was ist eine Kraftfeldanalyse?

Eine Kraftfeldanalyse zielt darauf ab, fördernde Faktoren zu stärken und hemmende Faktoren zu schwächen. Sie wird in verschiedenen Bereichen eingesetzt:

  • In Veränderungsprojekten: Was fördert und was blockiert uns?
  • Im Stakeholdermanagement: Wer hemmt und wer blockiert uns?

Ziel ist es nicht nur, diese Faktoren zu erkennen, sondern auch Lösungen zu erarbeiten, um die Kraftfelder im eigenen Sinne zu verändern. Um dies zu erreichen, werden die Faktoren bewertet und Maßnahmen abgeleitet.

Ablauf der Kraftfeldanalyse

1. Definiere dein Ziel oder Problem

Welche Situation möchtest du analysieren? Oder welches Problem möchtest du lösen? Formuliere den Sachverhalt möglichst konkret und notiere ihn in der Mitte eines Blattes Papier.

2. Identifiziere Einflussfaktoren

Diese Aufgabe besteht aus zwei Schritten: 1. Welche Faktoren fördern die Erreichung des Ziels oder wirken sich positiv auf das Problem aus? 2. Welche Faktoren hemmen die Erreichung des Ziels oder wirken sich negativ auf das Problem aus?

Versuche, so viele Faktoren wie möglich zu finden. Nutze zum Beispiel ein Brainstorming! Notiere die fördernden Faktoren links und die hemmenden rechts:

Kraftfeldanalyse

Dir fällt es schwer, Faktoren zu identifizieren? Vielleicht helfen dir die folgenden Fragen weiter:

  1. Welchen Nutzen hat die Lösung des Problems bzw. die Erreichung des Ziels für das Unternehmen?
  2. Welche Kosten und Risiken spielen eine Rolle?
  3. Welche Unternehmensprozesse sind beteiligt?
  4. Wer unterstützt das Thema? Wer ist dagegen?

3. Vergib Punktwerte

Erst wurde gesammelt, jetzt wird bewertet: Lege eine Skala fest (zum Beispiel von 1 bis 5) und notiere, wie wichtig oder stark die Faktoren auf dein Ziel/Problem wirken:

Kraftfeldanalyse

Summiere anschließend die Punktwerte der beiden Seiten auf. Daraus können folgende Schlussfolgerungen gezogen werden:

  1. Wie sieht das Gesamtbild aus? Gibt es mehr positive/fördernde oder negative/hemmende Faktoren?
  2. Welche Faktoren sind die wichtigsten?

4. Analysiere und leite Maßnahmen ab – Ein Beispiel

Schau dir folgendes Beispiel an:

Kraftfeldanalyse - Beispiel

Ein Unternehmen denkt darüber nach, seine Produkte neben dem Einzelhandel auch direkt über einen eigenen Online-Shop zu vertreiben. Aktuell scheint die Skepsis eher hoch zu sein – die hemmenden Faktoren wurden vergleichsweise hoch bewertet.

Aufgabe im Unternehmen ist es nun, konstruktive Schlüsse zu ziehen, zum Beispiel wie die folgenden:

  • Das fehlende Knowhow in Verbindung mit erwarteten Kosten spielt eine große Rolle. Wie kann auf günstige Weise Knowhow im Unternehmen aufgebaut werden?
  • Es sollte eine weitere Analyse durchgeführt werden, ob die höheren Margen die anfallenden Kosten abdecken können.
  • Die Tatsache, dass fehlende Prozesse als negativ aufgeführt wurden, könnte eine Symptom für fehlende Flexibilität sein.

Dieses Beispiel ist nur sehr einfach gehalten. Eine Kraftfeldanalyse wird in der Praxis meist deutlich umfangreicher ausfallen – inklusive des Aufwandes für die Erstellung und Auswertung.

Kraftfeldanalyse im Stakeholdermanagement

Im Stakeholdermanagement werden die Kraftfelder oft in Form eines Portfolios dargestellt.

Kraftfeldanalyse - Stakeholder

  • Macht und Unterstützung hoch: Maßnahmen, um die Unterstützung des Projektes zu erhalten oder sogar weiter zu erhöhen
  • Macht hoch, Unterstützung gering: Maßnahmen, um die Situation zu entschärfen, wenn möglich zu Unterstützern machen
  • Macht gering, Unterstützung hoch: Unkritisch, Maßnahmen zum Erhalt der positiven Stimmung
  • Macht und Unterstützung gering: Im Auge behalten – Machtverhältnisse könnten sich verschieben

Fazit

Die Kraftfeldanalyse ist ein einfaches Werkzeug, um fördernde und hemmende Faktoren in Veränderungsprozessen oder Projekten zu identifizieren. Wichtig: Wie bei vielen Analysen ist es nicht damit getan, die Faktoren zu identifizieren – nur Maßnahmen schaffen eine Veränderung.

Andrea Windolph ist als freiberufliche Autorin und Trainerin tätig, konzipiert Online-Trainings und unterstützt Unternehmen bei der Planung und Umsetzung von Projekten. Seit 2014 betreibt sie das Portal „Projekte leicht gemacht“, auf dem sie PM-Wissen vermittelt, das sowohl fundiert als auch leicht verständlich ist.
Andrea Windolph ist studierte Betriebswirtin und verfügt über langjährige Erfahrung in der IT-Branche und der Software-Entwicklung.
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