Zielbeziehungen: Wie Ziele miteinander harmonieren (oder auch nicht)

Dieser Artikel ist Teil 10 von 10 der Serie Ziele

zielbeziehungen

Man könnte ja meinen, dass alle Ziele im Projekt dazu dienen, das Projekt zum Erfolg zu führen. Und dass sie schon allein dadurch harmonieren.

Das kann sein – muss aber nicht.

Schau dir folgendes Beispiel an:

In einem Projekt soll der Kundendienst des Unternehmens optimiert werden. Eins der Ziele lautet: Reduzierung der Personalkosten im Bereich Kundendienst um 25%. Ein weiteres Ziel: Der Kundendienst ist 24 Stunden an 7 Tagen die Woche erreichbar.

Beide Ziele klingen für sich allein schlüssig – können aber in Kombination ein Problem ergeben. In diesem Fall handelt es sich um zwei konkurrierende Ziele. Was passiert in so einem Fall? Konkurrierende Ziele sind nicht ungewöhnlich und kommen in den meisten Projekten vor. Idealerweise hast du zuvor schon eine Priorisierung der Ziele vorgenommen.Treffen nun zwei konkurrierende Ziele aufeinander, so gewinnt im Zweifel das mit der höheren Priorität.

Eine andere Alternative ist die Korrektur des Ziels, sodass die Ziele sich von da an zumindest neutral gegenüberstehen.

Neben den konkurrierenden Zielen gibt es noch weitere Zielbeziehungen. Schau dir die folgende Tabelle an:

ZielbeziehungBeschreibungAuswirkungBeispiel
ZielidentitätEs handelt sich um identische Ziele.Eines der Ziele sollte aus der Zielliste entfernt werden.Ziel 1: Der Projektendtermin wird nicht überschritten.
Ziel 2: Projektendtermin ist der 30.8.
ZielkomplementaritätWenn ein Ziel erreicht wird, unterstützt dies auch das Erreichen des anderen Ziels. keine besonderen AuswirkungenZiel 1: Die Finanzierung ist gesichert.
Ziel 2: Pünktlicher Baubeginn am 1.5.
ZielneutralitätDie Ziele beeinflussen sich nicht gegenseitig.keine besonderen AuswirkungenZiel 1: Das Dach hat rote Dachziegel.
Ziel 2: Einweihungsfeier am 10.9.
ZielkonkurrenzWenn ein Ziel erreicht wird, behindert dies die Erreichung des anderen Ziels.Konkurrierende Ziele sind Quellen für Risiken!Ziel 1: Qualitativ hochwertige Bodenbeläge
Ziel 2: Kosten für Bodenbeläge <3.000 Euro
ZielantinomieDie Ziele schließen sich aus.Die Zieldefinition muss überdacht bzw. korrigiert werden. Das Projektergebnis ist so nicht erreichbar. Ziel 1: Balkon mit Südausrichtung
Ziel 2: Keine direkte Sonneneinstrahlung auf den Balkon

Wie also werden Zielbeziehungen analysiert?

Am besten nutzt du eine Matrix. In den Kreuzungspunkten der Ziele markierst du die Kästchen mit praktischen Symbolen: 0 für neutral, — für antinom usw. So hast du einen schnellen Überblick, der sich sogar in einer Projektpräsentation gut macht:

zielbeziehungsmatrix

Aus diesen Gründen solltest du deine Zielbeziehungen näher betrachten:

  • Du entdeckst, ob dein Projekt überhaupt so durchführbar ist (wenn es keine antinomen Ziele gibt)
  • Du kannst Stellen für mögliche Risiken aufdecken (bei konkurrierenden Zielen).
  • Du findest überflüssige Ziele, die bereits mit anderen Zielen abgedeckt sind (und schaffst dadurch Übersicht)

In der Praxis erlebe ich selten, dass Zielbeziehungen analysiert werden. Dabei ist dieses Werkzeug sehr nützlich und steigert das Gefühl für das Projekt. Ist es schlüssig? Lauern Probleme? Dieser einmalige Aufwand zu Beginn des Projektes lohnt sich – und du kannst mit dem Ergebnis vor deinen Vorgesetzten prahlen 😉

Andrea Windolph ist als freiberufliche Autorin und Trainerin tätig, konzipiert Online-Trainings und unterstützt Unternehmen bei der Planung und Umsetzung von Projekten. Seit 2014 betreibt sie das Portal „Projekte leicht gemacht“, auf dem sie PM-Wissen vermittelt, das sowohl fundiert als auch leicht verständlich ist.
Andrea Windolph ist studierte Betriebswirtin und verfügt über langjährige Erfahrung in der IT-Branche und der Software-Entwicklung.
Weitere Artikel der Serie:<< Video: Die schnellste Art, Projektziele zu visualisieren
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