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Warum Planung wichtig ist

Warum sich Planung lohnt: 3 Argumente für Ungeduldige

Für Eilige: Alles Wichtige auf einen Blick

Warum ist Projektplanung wichtig?
Weil sie Orientierung schafft, Risiken frühzeitig reduziert und die Grundlage für fundierte Entscheidungen bildet.
Die wichtigsten Learnings:
➜ Planung kostet erst mal Zeit, aber ungeplante Projekte oft noch mehr
➜ Planung ≠ Detailverliebtheit, aber mehr Klarheit für alle Beteiligten
➜ Wer nicht plant, plant Nacharbeit

„Für Planung haben wir gerade keine Zeit.“

Dieser Satz fällt meist genau dann, wenn Projektplanung ganz besonders wichtig ist: wenn hoher Druck herrscht – also wird losgelegt. Warum auch nicht? Ziele können unterwegs geklärt werden, Zuständigkeiten ergeben sich schon, und Details werden dann geklärt, wenn sie auftauchen. Klingt pragmatisch und fühlt sich in dem Moment auch effizient an.

Ein paar Wochen später sieht das Projekt dann oft anders aus: Statt des gewünschten Fortschritts wird über scheinbare Selbstverständlichkeiten diskutiert, es fehlt an gemeinsamem Fokus und irgendwie beschleicht alle das Gefühl: “Das läuft hier nicht rund. Wir laufen ständig hinterher.“

Oft hat einfach zu Beginn genau das gefehlt, wofür angeblich keine Zeit war.

Hinweis

In diesem Artikel betrachten wir Projektplanung nicht als reine Zeit- oder Terminplanung. Gemeint ist eine übergreifende Projektplanung, die unter anderem Zieldefinition, Stakeholdermanagement die grundsätzliche Organisation des Projekts umfasst.

Die drei Argumente für eine Projektplanung

Projektplanung wirkt nicht nur auf einer Ebene: Sie wirkt auf die Faktoren Zeit, Entscheidungen und Erwartungen im Projekt:

FokusWorum es gehtTypisches Problem ohne PlanungWirkung von guter Planung
ZeitAufwand über die ProjektlaufzeitUnnötige Nacharbeit, Schleifen und KorrekturenDer investierte Zeitaufwand zahlt sich später aus und verringert das Risiko von Verzögerungen.
EntscheidungenWann und unter welchem Druck entschieden wirdStändige Abstimmungen, die zu vermeiden gewesen wären, Unsicherheit im TeamEntscheidungsprozesse laufen effizient ab
ErwartungenGemeinsames Verständnis zwischen BeteiligtenEnttäuschung über (Zwischen-)Ergebnisse, Reibungspunkte, VertrauensverlustImplizites wird explizit und Erwartungen angeglichen
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Learning
Unabhängig von der Ebene verfolgt Planung immer dasselbe Ziel: weniger Nacharbeit, weniger Reibung und eine höhere Wahrscheinlichkeit, dass das Projekt am Ende von allen Beteiligten als Erfolg wahrgenommen wird.

1. Planung spart Zeit – auf lange Sicht

Planung hat ja manchmal ein Imageproblem: Sie kostet am Anfang Zeit, während der Nutzen erst später sichtbar wird. Genau deshalb wird sie oft übersprungen – vor allem, wenn der Druck hoch ist und „jetzt erstmal was passieren muss“. Das Dumme daran: Die eingesparte Planungszeit zahlt man fast immer mehrfach zurück – verteilt über die gesamte Projektlaufzeit.

Beispiel

Ein neues Tool zur internen Kommunikation soll eingeführt werden. Das Kick-off-Meeting dauert 30 Minuten, das Ziel wird als klar genug wahrgenommen: „Wir brauchen eine Lösung, mit der alle besser zusammenarbeiten können.“ (Zugegeben: ein EXTREM vages Ziel!). Wer genau „alle“ sind, welche Probleme konkret gelöst werden sollen und was am Ende als Erfolg gilt, bleibt allerdings offen. Ein übereifriges Management gibt die Devise aus: Loslegen!

Nach einigen Wochen knirscht es im Getriebe: Die Fachabteilung vermisst wichtige Funktionen, laut IT wurden bestimmte Annahmen nie abgestimmt und im Lenkungskreis wird diskutiert, ob das Tool wirklich für alle ausgerollt werden soll oder doch nur für einzelne Bereiche. Am Ende wird nachgeschärft, umgebaut und neu priorisiert. Rückblickend wäre eine Investition in ein gemeinsames Zielbild am Anfang deutlich günstiger gewesen als mehrere Wochen Korrekturschleifen.

Eingesparte Zeit beim Planen muss später fast immer wieder investiert werden – nur an ungünstigerer Stelle.
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2. Planung reduziert Entscheidungen im laufenden Betrieb

Projekte fühlen sich selten deshalb hektisch an, weil alle zu wenig leisten. Oft bremsen unklare oder nicht getroffene Entscheidungen den Fortschritt aus: Wer darf eigentlich entscheiden – und was? „Jetzt können wir schon wieder nicht weitermachen, weil eine Entscheidung nicht getroffen wird!“ Das kostet Zeit, Fokus und Nerven.

Beispiel

Ein Projektteam arbeitet an der Überarbeitung eines Onboarding-Prozesses für neue Kunden. Der grobe Auftrag steht, ein Zeitrahmen ist gesetzt, also geht es los. Was nicht geklärt wurde: Wie weit darf das Team Prozesse verändern? Was hat Vorrang: Kundenzufriedenheit oder interne Effizienz? Und wer entscheidet, wenn beides kollidiert?

Im Projektverlauf tauchen genau diese Fragen immer wieder auf. Jede Anpassung wird vorsichtshalber abgestimmt, Entscheidungen werden in Meetings, Mails und internen Chats diskutiert. Das Team kommt nur langsam voran, weil niemand sicher ist, ob gerade „richtig“ entschieden wird. Führungskräfte werden ständig eingebunden, obwohl sie eigentlich entlastet werden sollten.

Mit klaren Leitplanken zu Beginn über Entscheidungsspielräume, Prioritäten und Eskalationsregeln hätte das Team viele dieser Fragen selbst beantworten können.

Mit guter Projektplanung verringerst du die Wahrscheinlichkeit, ständig Entscheidungen im falschen Moment treffen zu müssen.
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3. Planung sorgt dafür, dass alle vom Gleichen sprechen

Viele Projekte scheitern nicht an der inhaltlichen Aufgabe, sondern an unausgesprochenen Erwartungen. Eine umfassende Planung wird dann vermieden, weil „sich ohnehin noch viel ändern wird“. Das Problem dabei: Auch ohne Planung entstehen Erwartungen – sie sind nur unsichtbar und unterschiedlich.

Beispiel

Ein bereichsübergreifendes Projekt startet mit dem Ziel, einen neuen Reporting-Standard einzuführen. Alle sind sich einig: Das Thema ist wichtig, Details klären wir unterwegs.

Als die erste Version vorgestellt wird, sind alle enttäuscht: Die Projektleitung stellt einen ersten Prototyp zur Diskussion, die Fachbereiche haben eine nahezu fertige Lösung erwartet und die Geschäftsführung rechnet mit einer Entscheidungsgrundlage. Niemand hat falsch gearbeitet – aber jeder hatte ein unterschiedliches Bild davon, was dieser Meilenstein eigentlich bedeuten sollte.

Eine kurze Planung zu Beginn hätte zumindest ein gemeinsames Verständnis geschaffen: Was liefern wir wann? Wofür ist es gedacht? Was ausdrücklich nicht?

Planung macht Erwartungen sichtbar und verhindert Enttäuschungen, bevor sie entstehen.
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Mooooment … Löst Projektplanung alle Probleme automatisch?

Natürlich nicht. Projektplanung ist kein Erfolgsgarant und manchmal sogar Teil des Problems. Schlechte Planung kann genauso schaden wie gar keine: Wenn sie zu detailliert ist, falsche Annahmen festschreibt oder nur für das Gefühl von Kontrolle sorgt. Auch endlose Abstimmungen unter dem Label „Planung“ verhindern weder Nacharbeit noch Frust.

Entscheidend sind Qualität und Maß:
• Wird das Richtige geplant oder nur das Offensichtliche?
• Schafft die Planung Klarheit oder neue Komplexität?
• Passt der Aufwand zur Unsicherheit und Komplexität des Vorhabens?

Gute Planung beantwortet wenige, aber zentrale Fragen und lässt bewusst Spielraum.

Typische Gegenargumente – und warum sie trotzdem nicht stimmen

„Dafür haben wir gerade keine Zeit.“
Meist stimmt das sogar. Genau deshalb wäre Planung hilfreich. Denn fehlende Zeit entsteht im Projekt selten durch „wir haben zu viel geplant“, sondern durch Nacharbeit, Abstimmungsschleifen und Korrekturen. Eine robuste Planung erhöht die Wahrscheinlichkeit, später weniger Schleifen drehen zu müssen.

„Das ändert sich doch sowieso noch.“
Ja, fast alles ändert sich. Eine gute Projektplanung kann das auch nicht komplett verhindern, aber immerhin die aktuellen Annahmen verdeutlichen und alle auf einen Nenner bringen. Mit dieser gemeinsamen Ausgangsbasis können spätere Änderungen leichter und strukturierter umgesetzt werden.

„Wir müssen erstmal anfangen, sonst lernen wir nichts und kommen nicht weiter.“
Anfangen ist wichtig, ganz klar. Aber Anfangen ohne gemeinsame Richtung führt oft zu Aufwand, bevor überhaupt die gemeinsame Richtung und Organisation geklärt ist. Wer eine Planungsphase richtig durchführt, sorgt dafür, dass der investierte Aufwand auch Fortschritt in die richtige Richtung bedeutet.

Fazit

Projektplanung ist kein Selbstzweck und kein Garant für Erfolg, aber sie ist der wirksamste Hebel, um Nacharbeit, unnötige Entscheidungen und enttäuschte Erwartungen zu vermeiden. Wer sich zu Beginn bewusst Zeit für die richtigen Fragen nimmt, schafft früh Klarheit, entlastet das Projektteam und erhöht die Chance auf einen echten Projekterfolg.

Manchmal lohnt sich die kritische Frage an sich selbst: Wo priorisierst du gern mal Tempo und „in die Gänge kommen“ und zahlst dafür später mit Reibung und Nacharbeit?

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