Stakeholder-Management kann auch nach hinten losgehen.

Auch wenn es durchgeführt wird, muss es noch lang nicht erfolgreich sein, sondern produziert nur zusätzlichen Aufwand.

Wenn du jedoch typische Fallstricke im Hinterkopf hast, dann wird sich dieser Aufwand auch für dich auszahlen. Schau dir die folgenden Punkte an, die im Projekt garantiert zu Problemen führen würden:

Es existiert kein Stakeholder-Management

Ha! Das ist ein einfacher Fallstrick. Denn wenn man diese Methode nicht anwendet, dann sieht man sich schnell mit Problemen konfrontiert, die in diesem Beitrag erklärt wurden.

Bevor du also gar kein Stakeholder-Management betreibst: Setze es zumindest in einer minimalen Variante um. Es lohnt sich.

Es existiert kein Monitoring

Es ist wirklich schon ein großer Schritt, wenn zu Projektbeginn eine Aufstellung aller Stakeholder vorgenommen wird. Vielleicht wurden sogar Bewertungen vergeben und Maßnahmen eingeplant.

Applaus!

Im Projektalltag werden diese initialen Gedanken jedoch häufig wieder vergessen. Fachliche Herausforderungen und knappe Budgets sind einfach drängender. Und die Zeit fehlt sowieso dafür.

Ein Projektleiter sollte jedoch Stakeholder-Management genau so als seine Aufgabe sehen, wie die Überwachung von Terminen und Kosten. Ohne Monitoring besteht die Gefahr, aktuelle Entwicklungen zu verpassen und Stakeholder mit falschen Maßnahmen zu begegnen.

Die falsche Strategie wird gewählt

Man stelle sich einen mächtigen Abteilungsleiter vor, der bekannt für seine kompromisslose Art ist. Und der dem Projekt gegenüber nicht sehr wohlgesonnen ist.

In diesem Fall ist eine repressive Strategie wohl kaum geeignet, um die Wahrscheinlichkeit von Konflikten zu verringern.

Ebenso wenig müssen nur am Rand beteiligte Gruppen mit sehr geringem Einfluss nicht extrem stark partizipativ eingebunden werden.

Welche Strategie geeignet ist, hängt also nicht von persönlichen Vorlieben ab. Grundlage ist immer die Bewertung, die du für diesen Stakeholder vorgenommen hast.

Stakeholder-Daten sind „confidential“

Stelle dir folgende Situation vor:

Im Rahmen deiner Analyse findest du einen Stakeholder mit folgenden Eigenschaften.

  • hohes Konfliktpotenzial
  • gilt als „schwieriger Mensch“
  • hat hohen Einfluss auf den Projekterfolg
  • reagiert besonders gut auf regelmäßige „Streicheleinheiten“

Will man, dass solche Einschätzungen öffentlich werden? Wohl kaum. Hier ist also Feingefühl gefragt.

Prüfe also, welche Informationen du mit wem teilen willst. Und welche du besser für dich behältst.

Du versuchst, es Allen Recht zu machen

Oftmals scheint die Meinung zu bestehen, dass Stakeholder-Management deshalb so aufwändig ist, weil alle Interessen aller Stakeholder in vollem Umfang im Projekt berücksichtigt werden müssen.

Das ist jedoch ganz und gar nicht Sinn der Sache.

Dein Ziel soll es lediglich sein, dir über alle Stakeholder und deren Interessen im Klaren zu sein, um angemessen mit ihnen umgehen zu können. Dass im Projekt häufig Entscheidungen getroffen werden müssen, die nicht überall auf Gegenliebe stoßen, liegt in der Natur der Sache. Allerdings hilft dir Stakeholder-Management zumindest dabei, mögliche Reaktionen vorauszusagen und mit ihnen umzugehen.


Alles klar? Es sind nur fünf Punkte. Vermeide sie, und es wird deinem Projekt gut tun!

Weitere Artikel der Serie:<< So wählst du die richtige Stakeholder-Strategie
3 Kommentare
  1. Sven sagte:

    Hallo Andrea,

    gute Zusammenstellung. Das würde ich so unterschreiben. Einen Fallstrick kann ich aus meiner täglichen Praxis noch ergänzen.

    Versuche die Stakeholder neutral zu beurteilen. Ich stoße immer wieder darauf, dass es aus folgenden Gründen zur Fehleinschätzung von Stakeholder kommt:

    1. Vorurteile: Wenn die Personen, die die Bewertung durchführen in einem gewissen (unbeabsichtigten) Schubladendenken gefangen sind, kommt es schnell zu Fehleinschätzungen.
    2. Falscher Respekt: Müssen die Personen, die die Bewertung durchführen, über eine hierarchisch überstellte Person urteilen, fällt das Urteil oft zu positiv aus.
    3. Persönliche Sympathie/Antipathie: Es hat einen immensen Einfluss, ob man einen Stakeholder „riechen“ kann oder nicht. So fällt das Urteil schnell zu positiv oder zu negativ aus.

    Alle Gründe führen letztendlich zur Wahl einer falschen Strategie im Stakeholdermanagement. Deshalb ist das von dir angesprochene Monitoring immens wichtig, um Fehleinschätzungen schnell korrigieren zu können.

    Kennst du diese Punkte auch?

    LG
    Sven

    • Andrea sagte:

      Hallo Sven,

      definitiv! Am Ende spielt der „Faktor Mensch“ eine riesige Rolle bei der Beurteilung. Vielleicht auch ein guter Grund dafür, um mehrere Leute bei der Bewertung von Stakeholdern mit einzubeziehen.

      Viele Grüße
      Andrea

  2. Hubert Preisinger sagte:

    Hallo Andrea,
    wirklich super zusammengefasst und toll erklärt. Vielen Dank!
    Beste Grüße, Hubert

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