Für Eilige: Alles Wichtige auf einen Blick
Artikel-Highlights
Ein Projekt zu starten, ist gleichbedeutend mit „Wir legen direkt los mit der Arbeit?“ Das ist selten eine gute Idee: Ein sauberer Projektstart entscheidet darüber, wie das Projekt später verläuft. In dieser Artikelserie schauen wir deshalb auf typische Baustellen, die am Anfang noch harmlos wirken, später aber für unnötige Schleifen, Diskussionen und Frust sorgen können.
In Teil 1 ging es um den Projektumfang: Was gehört zum Projekt und was nicht? Und warum entstehen trotzdem Missverständnisse, obwohl alles klar schien? In diesem zweiten Teil schauen wir auf die nächste Ebene: die Projektziele. Denn selbst wenn allen klar ist, was gemacht werden soll, können die Vorstellungen darüber, was damit eigentlich erreicht werden soll, erstaunlich weit auseinanderliegen.
Hätten wir mal … die Ziele wirklich geklärt
Hätten wir das mal am Anfang besprochen.
Das eigentliche Problem dahinter
Projektziele wirken oft klarer, als sie tatsächlich sind: Da steht vielleicht ein Satz wie „Modernisierung der Anlage auf einen zeitgemäßen Stand“ im Projektauftrag, den alle abgenickt haben – das heißt aber noch lange nicht, dass alle dasselbe darunter verstehen. Die folgende Liste zeigt ein paar typische Probleme, die bei der Zieldefinition auftreten können:
Du siehst: Allein „Wir müssen Ziele sauber formulieren“ reicht nicht aus. Zusätzlich müssen implizite Ziele sichtbar gemacht, Prioritäten gesetzt und festgelegt werden, wann ein Ziel genau als erreicht gilt.
Interaktiver Test
Stress-Test: Wie robust sind eure Projektziele?
Beantworte die folgenden fünf Fragen möglichst ehrlich und spontan.
Frage 1 von 5
Könnt ihr genau erklären, was das Projekt erreichen soll?
Wenn eure Antwort hauptsächlich aus „Wir bauen …“, „Wir führen … ein“ oder „Wir entwickeln …“ besteht, beschreibt ihr möglicherweise eher Aktivitäten als das eigentliche Ziel. Entscheidend ist: Welcher Endzustand soll konkret entstehen?
Würden die wichtigsten Beteiligten das Projektziel ähnlich beschreiben?
Stell dir vor, Geschäftsführung, Fachbereich und Projektleitung müssten unabhängig voneinander in zwei Sätzen erklären, was mit dem Projekt erreicht werden soll. Würden dabei ungefähr dieselben Aussagen herauskommen? Große Unterschiede sind ein Warnsignal für implizite Annahmen und unterschiedliche Zielbilder.
Ist eindeutig, woran ihr die Zielerreichung erkennt?
„Produktivität erhöhen“ reicht nicht. Ist klar, um wie viel, anhand welcher Kennzahl und bis wann? Wisst ihr, wie ihr die Zielerreichung belegen könnt?
Wisst ihr, welches Ziel Vorrang hat, wenn nicht alles gleichzeitig möglich ist?
Mehr Leistung, geringere Kosten, maximale Flexibilität und höchste Zuverlässigkeit vertragen sich auf dem Papier wunderbar. In konkreten Entscheidungen können sie miteinander kollidieren. Könnt ihr heute sagen, welches Ziel im Zweifel wichtiger ist?
Ist auch klar, was ausdrücklich kein Ziel des Projekts ist?
Nicht-Ziele machen Erwartungen sichtbar, die sonst gern stillschweigend in den Hinterköpfen lauern. Könnt ihr beispielsweise sagen: „Wir wollen die Kapazität erhöhen, aber nicht gleichzeitig maximale Variantenflexibilität erreichen“? Wenn solche Grenzen fehlen, wächst schnell ein Zielbild, das irgendwann kaum noch erfüllbar ist.
Was tun bei roten Ampeln?
Dein Stress-Test hat nicht nur grüne Ampeln hervorgebracht? Das heißt nicht zwingend, dass der Ziel-Zug schon abgefahren ist. Egal, wo du im Projekt gerade stehst: Es ist immer sinnvoll, mögliche Unklarheiten auf den Tisch zu bringen und zu klären. Dein Projekt steht gerade in der Startphase? Sehr gut: Besonders am Projektanfang ist der genaue Blick auf die Zieldefinition wertvoll, bevor sich unsaubere Ziele im Projekt g festsetzen. Je nachdem, wo es bei euch hakt, helfen unterschiedliche Ansätze weiter:
- Eure Ziele sind zu vage oder klingen eher nach guten Absichten?
Dann lohnt es sich, die Formulierungen systematisch zu prüfen. Aussagen wie „Produktivität steigern“ oder „die Anlage zukunftsfähig machen“ brauchen konkrete Kriterien, damit später nicht jeder etwas anderes darunter versteht. Die bekannte SMART-Formel hilft dabei als einfache Checkliste für spezifische, messbare und terminierte Ziele. In diesem Artikel gibt es noch ein paar Alternativen zur SMART-Formel. - Ihr habt zwar Ziele, aber jeder scheint etwas anderes darunter zu verstehen?
Dann hilft es wenig, nur einzelne Formulierungen zu polieren. Holt die unterschiedlichen Vorstellungen zunächst bewusst auf den Tisch und gleicht sie ab. Einen kompakten Einstieg bietet Projektziele schärfen in 10 Minuten: Der Ansatz prüft unter anderem, ob Ziele tatsächlich überprüfbare Ergebnisse beschreiben und nicht nur gut klingen. - Alles ist wichtig und niemand möchte auf ein Ziel verzichten?
Spätestens unter Zeit-, Budget- oder Ressourcendruck funktioniert das selten. Deshalb sollte nicht erst im Konfliktfall entschieden werden, welche Ziele Vorrang haben. Im Artikel Ziele priorisieren: Welche Ziele sind am wichtigsten? findest du eine einfache Einteilung in Muss-, Soll- und Kann-Ziele. - Es ist unklar, welche Erwartungen ausdrücklich nicht erfüllt werden sollen?
Dann formuliert bewusst Nicht-Ziele. Sie machen sichtbar, worauf ihr mit dem Projekt gerade nicht hinarbeitet – besonders bei Erwartungen, die verschiedene Beteiligte stillschweigend voraussetzen. Warum das so sinnvoll ist, zeigt der Artikel Die wichtigsten Ziele im Projekt sind gar keine. - Ihr habt mehrere Ziele, die sich gegenseitig beeinflussen oder sogar widersprechen?
Dann schaut nicht nur auf jedes Ziel einzeln, sondern analysiert auch die Beziehungen zwischen ihnen: Unterstützen sie sich, sind sie unabhängig voneinander oder entsteht ein echter Zielkonflikt? Im Artikel Zielbeziehungen: Wie Ziele miteinander harmonieren (oder auch nicht) findest du Hinweise zum Vorgehen.
Eine Sache, die du direkt tun kannst: Ziel-Konflikte aufdecken
Nimm die zwei oder drei wichtigsten Projektziele und ergänze diesen Satz:
„Wenn wir nicht alles gleichzeitig erreichen können, hat _________ Vorrang vor _________.“
Zum Beispiel:
„Wenn wir nicht alles gleichzeitig erreichen können, hat eine kurze Amortisationszeit Vorrang vor maximaler Variantenflexibilität.“
Oder:
„Wenn wir nicht alles gleichzeitig erreichen können, hat ein stabiler Produktionsanlauf Vorrang vor der maximal möglichen Ausbringung ab Tag eins.“
Warum ist das so wirksam? Ganz einfach: Solange Ziele einfach nebeneinanderstehen, können sich fast alle darauf einigen. Erst wenn du einen Zielkonflikt konkret machst, zeigt sich, ob sich tatsächlich alle einig sind. Oft kommen genau dann die Annahmen auf den Tisch, die vorher niemand ausgesprochen hat.
Fazit
Klare Projektziele sind entscheidend dafür, ob dein Projekt in die richtige Richtung läuft: Sie geben Orientierung ("Wo wollen wir genau hin?), machen Prioritäten sichtbar ("Was ist wirklich wichtig?") und helfen euch genau dann, wenn Entscheidungen schwierig werden. Deshalb: Klärt früh, was ihr wirklich erreichen wollt, wie ihr Erfolg messen könnt und welche Ziele im Zweifel Vorrang haben – so spart ihr euch später viele Grundsatzdiskussionen.
In Teil 3 der Serie schauen wir auf die nächste typische Baustelle beim Projektstart: Was passiert, wenn zwar Ziele und Richtung klar sind, aber Rollen, Verantwortlichkeiten und Erwartungen an die Beteiligten nicht korrekt geklärt wurden?








